Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Digitalradiographische, computertomographische und mikrobiologische Untersuchungen bei Backenzahnerkrankungen des Pferdes

Bienert, Astrid

With a horse‘s mouth cavity opening only to a relatively small degree and its rows of teeth being very long, the diagnosis of any cheek teeth disease is difficult and always requires detailed clinical and radiological examination. The introduction of CT in horse-specific veterinary science makes a new non-invasive, photographic method available. Thus it is possible to produce non-overlapping, clearly contrasting images of the examined object. This paper is supposed to examine the necessity of a CT test in addition to X-rays. Clinical, radiological and, if necessary, endoscopic and CT examinations were carried out in 22 cases of diseases in the premolar and molar area of horses. On the basis of clinical and radiological examination a definite identification of the diseased tooth was possible with regard to 20 horses (90,9%). The X-rays were taken with a digital luminiscent radiography installation (Philips Medical Systems, Hamburg) yielding standardized X-rays. In the remaining two cases where the diseased teeth could not be diagnosed unequivocally and also concerning all other patients the CT slices yielded clear findings permitting a reliable diagnosis. For the examination with Tomoscan M/EG Compact (Philips Medical Systems, Hamburg) normally used for humans the horses were put under full anaesthesia. The Ctrelated prolongation of the anaesthesia caused no problems for any of the patients. Regarding their consistency, the statistical evaluation of X-ray and CT results showed on the basis of the Kappa-test quite a marked and partly even almost complete consistency of the results in cases of horses with diseases in the lower jaw molars. In tests of the upper jaw those results were more varied so that there was also an occurrence of slight consistency. The macroscopic examination of the extracted teeth allowed for a control of the X-ray and CT results. Both procedures yielded erroneous results, whether positive of negative. These results show clearly that CT gives additional information for the diagnosis of cheek teeth diseases. CT is indicated where clinical results are not consistent with radiology, or if radiology does not permit a definite diagnosis. The advantage of CT as compared to traditional photographic methods of examination lies above all in the non-overlapping image of soft as well as of bone tissue. A further aim of this paper is the demonstration and identification of germs in microbiologically examined samples of swabs. Those came from 19 horses with infected pulpa, abscesses in teeth and from nasal sinuses affected by the disease. 27 different species of infectious agents were isolated, covering aerobic and anaerobic germs as well. 15 patients (78%) showed a mixed flora. The differentiation indicated a preponderance of the genera of gram-negative obligatory anaerobics with 38 of 107 species (35.5%). The most frequent ones being Fusobacterium spp. (n=14) and Prevotella spp. (n=15). In the light of these results and the prevalent resistance of above all anaerobic germs a presurgical antimicrobic therapy with Amoxicillin plus clavulan-acid is recommended. This will diminish an intra- and /or post-surgical bacteraemia and its serious consequences.

Die Diagnostik von Backenzahnerkrankungen beim Pferd gestaltet sich schwierig, da die Maulhöhle nur einen geringen Öffnungsgrad aufweist und die Zahnreihen sehr lang sind. Es sind immer eingehende klinische und röntgenologische Untersuchungen nötig. Mit der Einführung der CT in die Pferdeheilkunde steht ein neues nichtinvasives, bildgebendes Verfahren zur Verfügung. Es bietet die Möglichkeit überlagerungsfreie Schnittbilder eines Untersuchungsobjektes kontrastreich zu erstellen.   In der vorliegenden Arbeit sollte die Notwendigkeit einer computertomographischen Untersuchung zusätzlich zum Röntgen überprüft werden. Es wurden 22 Patienten mit Erkrankungen im Bereich der Backenzähne klinisch, röntgenologisch, ggf. endoskopisch und computertomographisch untersucht. Nach klinischer und radiologischer Untersuchung konnte der erkrankte Zahn bei 20 Pferden (90,9%) sicher identifiziert werden. Für die Aufnahmen stand eine digitale Luminiszenzradiographie-Anlage (Fa. Philips Medizinsysteme, Hamburg) zur Verfügung. Es wurden standardisierte Aufnahmen angefertigt. Bei den verbleibenden zwei Pferden, deren erkrankte Zähne röntgenologisch nicht eindeutig angesprochen werden konnten, wie auch bei allen anderen Patienten lieferten die computertomographischen Schnittbilder eindeutige Befunde, die eine sichere Diagnose erlaubten. Für die Untersuchung mit dem humanmedizinischen Tomoscan M/EG Compact (Fa. Philips Medizinsysteme, Hamburg) wurden die Pferde in Vollnarkose gelegt. Die verlängerte Anästhesiedauer durch die CT bereitete bei keinem Patienten Probleme.  Der statistische Auswertung von Röntgen- und CT-Befunden mit dem Kappa-Test bezüglich ihrer Übereinstimmung ergab bei Pferden mit Erkrankungen an den Unterkieferbackenzähnen eine besonders deutliche, z.T. auch fast vollständige Übereinstimmungen der Befunde. Am Oberkiefer waren diese Werte breiter gestreut, so dass auch schwache Übereinstimmungen vorkamen.   Durch die makroskopische Untersuchung der extrahierten Zähne konnten die röntgenologisch und computertomographisch erhobenen Befunde kontrolliert werden. Beide Verfahren wiesen sowohl falschpositive, als auch falschnegative Befunde auf.   Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die CT in der Diagnostik von Backenzahnerkrankungen zusätzliche Informationen liefert. Sie ist indiziert, wenn klinische Befunde röntgenologisch nicht nachvollziehbar sind oder röntgenologisch keine sichere Diagnose gestellt werden kann. Die Überlegenheit der CT gegenüber herkömmlichen bildgebenden Untersuchungsmethoden liegt vor allem in der überlagerungsfreien Abbildung von Weichteilen und Knochen gleichermaßen.        Ein weiteres Ziel der Arbeit waren Keimnachweis und -identifikation in mikrobiologisch untersuchten Tupferproben. Diese wurden bei 19 Pferden aus infizierten Pulpahöhlen, Zahnabszessen und am Krankheitsprozess beteiligten Nasennebenhöhlen gewonnen. Isoliert wurden Bakterien aus 27 verschiedene Gattungen, die sich gleichmäßig auf aerobe und anaerobe Keime erstreckte. 15 Patienten (78,9%) wiesen eine Mischflora auf. Bei der Differenzierung dominierte die Gruppe der gramnegativen obligaten Anaerobier mit 38 von 107 Stämmen (35,5%). Hierbei wurden Fusobacterium spp. (n=14) und Prevotella spp. (n=15) am häufigsten nachgewiesen.   Aufgrund dieser Ergebnisse und der vorherrschenden Resistenzlage vor allem anaerober Keime wird eine präoperativ eingeleitete, antimikrobielle Therapie mit Amoxicillin plus Clavulansäure empfohlen. Die Gefahr einer intra- bzw. postoperativen Bakteriämie samt ihrer schwerwiegenden Folgen kann so gemindert werden.  

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Bienert, Astrid: Digitalradiographische, computertomographische und mikrobiologische Untersuchungen bei Backenzahnerkrankungen des Pferdes. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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