Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Auswirkungen des Einsatzes von einem Flüssigfutter aus thermisch vorbehandelten Speiseresten und Kartoffeln auf die Mastleistungen, Gesundheitsstatus, Schlachtkörperqualität und Ökonomie in der Schweinemast

Schlüter, Reinhard

The aim of the present study was to investigate the possible advantages and disadvantages of a feeding concept based on food residues and potato peelings as feed ingredients for fattening pigs. The impact of a diet consisting mainly of food waste and steamed potato peelings compared to a conventional feed mixture based on cereals and soy bean meal in fattening pigs was evaluated by the parameters of diet composition and formulation, weight gain, feed conversion, clinical observations (general health, faecal consistency, cannibalism), climatic conditions in the housing, control of carcasses after slaughtering and economical considerations under comparable conditions (animals of the same breed and housed in identical pens). The investigation was performed in a pig fattening unit with 5000 fattening pigs. About 150 t of food waste and steamed potato peelings were fed per week. The data are based on an investigation covering three fattening periods and a number of 1200 animals. The following results were obtained: 1.      The analysis of the by-product components (food waste and steamed potato peelings) showed a high variability of nutrient contents. All feed samples of the fattening diets had nutrient composition, which allowed to ensure a adequate supply for the different fattening periods. The weight gain of 740 g/d and a feed conversion rate of 2.93 in the by-product group was not lower than in the control group with 755 g/d and a feed conversion rate of 2.89. In the first fattening period, both groups had respiratory diseases, which had marked effects on the daily weight gain. Additionally, the control group showed a higher incidence of cannibalism (tale biting), whereas this behavioral anomaly never occurred in in the experimental group. On the other hand, the incidence of lameness was slightly higher in the experimental group (1.6 % of the animals). The faecal consistency was softer and smeary in the experimental group than in the control group. This induced a slightly higher degree of soiling of the animals, feed bowls and floor. The ammonia content of the air in the experimental group was significantly lower than in the control group. Presumably, this resulted from a lower renal and higher faecal nitrogen excretion. In addition, the analysis of the liquid manure showed distinctly higher nitrogen content. For both groups, the examination of the carcasses resulted in equivalent dressing percentages (ca. 80.3 %) and carcass lean percentage (ca. 56.5 %). There was no difference in the composition of the back fat, but a slightly higher proportion of poly-unsaturated fatty acids in the abdominal fat of the experimental group. The economical evaluation resulted in a surplus of 8.51 € per fattening pig for the experimental group, based on the reduction of feed costs. The present study has shown that a diet for fattening pigs based on food residues and steamed potato peelings allows a high fattening performance. Neither animal health nor the quality of the carcasses exhibited any disadvantageous influences in the experimental group. As a result, the use of by-products in the feeding of pigs is justified from a veterinarian point of view. In addition to economic advantages, the discussion of the use of different types of by-products should also take into consideration the recycling of available resources.  

Ziel der Studie war es, die Fragen zu möglichen Vor- oder Nachteilen des Einsatzes von Speiseresten und Kartoffelschälabfällen als Futterkomponenten in der Mastschweinefütterung zu untersuchen. Es wurden mit Hilfe eines detaillierten Vergleichs der Parameter Futterinhaltsstoffe, Rationsgestaltung, Mastleistung, Gesundheitszustand, Stallklima, Schlachtkörperqualität und Ökonomie unter standardisierten Bedingungen (Tiere gleicher Herkunft und identische Umweltbedingungen) die Auswirkungen des Einsatzes von thermisch aufbereiteten Speiseresten und Kartoffelschälabfällen in der Mastschweinefütterung vergleichend zur herkömmlichen Schweinemast auf der Basis von Getreide und Sojaextraktionsschrot festgestellt. Die Untersuchung fand auf einem Schweinemastbetrieb mit 5000 Tieren statt, welcher wöchentlich 150 t Speisereste und Kartoffelschälabfälle verfüttert. Die Datengrundlage basierte auf einem Untersuchungszeitraum von 3 Mastdurchgängen und einer Tierzahl von ca. 1200 Tieren. Folgende Ergebnisse wurden erzielt: 1.      Die Analysen der Nebenproduktkomponenten Speisereste und Kartoffelschälabfälle zeigten, dass es sich um Futterkomponenten mit einer hohen Schwankungsbreite hinsichtlich der Nährstoffgehalte handelt. Alle Futterproben der verschiedenen Mastfutter wiesen ein Nährstoffspektrum auf, mit dem eine tierart- und bedarfsgerechte Versorgung der Mastschweine in den einzelnen Mastabschnitten gewährleistet werden konnte. Die in der Nebenproduktgruppe erreichte Körpermassenzunahme von durchschnittlich 740 g/d bei einem Futteraufwand von 2,93 war nicht wesentlich geringer als in der Getreidegruppe mit 755 g/d bzw. 2,89. In beiden Gruppen zeigten sich im ersten Mastdurchgang Atemwegserkrankungen, welche sich deutlich auf das Zunahmeniveau auswirkten. In der Kontrollgruppe zeigte sich zudem in allen Mastdurchgängen eine höhere Inzidenz von Kannibalismus (Schwanzbeißen), wogegen diese Verhaltensanomalie in der Nebenproduktgruppe nicht auftrat. Demgegenüber war die Inzidenz an Tieren mit Erkrankungen des Bewegungsapparates in der Nebenproduktgruppe erhöht (1,16 % der Tiere). Die Konsistenz der Fäzes war in der Nebenproduktgruppe dünnbreiiger als in der Getreidegruppe. Dementsprechend waren die Tiere und Stalleinrichtungen in der Nebenproduktgruppe stärker verschmutzt. Die Luftammoniakgehalte waren in der Nebenproduktgruppe geringer als in der Kontrollgruppe. Dieses ist vermutlich durch eine geringe renale N-Ausscheidung zu erklären. Bei der Gülleuntersuchung wurden deutlich höhere Stickstoffwerte in der Nebenproduktgruppe festgestellt. Bei der Schlachtkörperuntersuchung zeigten die Tiere beider Versuchsgruppen einen vergleichbaren Ausschlachtungsgrad (ca. 80,3 %) und Magerfleischanteil (ca. 56,5 %). Das Fettsäurenmuster ergab im Rückenspeck keine Unterschiede, allerdings zeigten sich geringfügig höhere Anteile ungesättigter Fettsäuren im Flomenspeck der Nebenproduktgruppe. Die ökonomische Bewertung ergab für die Nebenproduktgruppe einen auf den niedrigeren Futterkosten basierenden um 8,51 € höheren Deckungsbeitrag und Überschuss pro Mastschwein. Die vorliegende Studie zeigt, dass eine Fütterung von Mastschweinen auf einer Basis von Speiseresten und Kartoffelschälabfällen ein hohes Leistungsniveau ermöglicht. Weder die Tiergesundheit noch die Schlachtkörperqualität waren in der Nebenproduktgruppe nachteilig beeinflusst. Daher scheint der Einsatz von Nebenprodukten in der Fütterung von Schweinen unter diesen tierärztlich relevanten Aspekten durchaus gerechtfertigt. Zusätzlich zu den ökonomischen Vorteilen sollte auch die Rezyklierung vorhandener Ressourcen in der Diskussion um die Verwendung entsprechender Produkte berücksichtigt werden.  

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Schlüter, Reinhard: Auswirkungen des Einsatzes von einem Flüssigfutter aus thermisch vorbehandelten Speiseresten und Kartoffeln auf die Mastleistungen, Gesundheitsstatus, Schlachtkörperqualität und Ökonomie in der Schweinemast. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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