Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Plazebokontrollierte Doppelblindstudie zur postoperativen Schmerztherapie mit Carprofen, Levomethadon und Buprenorphin bei Hunden

Wacker, Katja

This randomised placebo controlled blind study examined the analgetic efficacy and clinical tolerability of the non-steroidal anti-inflammatory agent Carprofen (Rimadylâ), the partial opioid agonist-antagonist Buprenorphin (Temgesicâ) and the opioid agonist Levomethadon (L-Polamivetâ) in dogs following fractures of the femur and humerus as well as following tissue surgery (thoracotomy, abdominal surgery). The examination took place within a five days' postoperative period. Levomethadon, buprenorphin and placebo were administered the day of surgery at the moment of extubation as well as 8 hours afterwards. On the following four days the analgetics and the placebo were administered subcutaneously 3 times a day at the following dosages: Levomethadon 0,2 mg per kg body weight 3 times a day, Buprenorphin 0,05 mg per kg body weight 3 times a day. Carprofen was given once at a dose of 4 mg per kg body weight at the moment of extubation. The following days (2nd to 5th day) it was administered three times a day 1,33 mg per kg body weight. The dogs were examined  preoperatively and postoperatively on an hourly schedule up to 6 hours following the surgery. The following four days examinations took place in the morning one hour following and in the afternoon one hour prior to drug administration. Using a visual-analog and a numeric pain-scoring-system, including the pain indications degree of lameness and mechanical-nociceptive threshold of pain, the analgesic effect of Carprofen at the days 1 - 5 after the operation seemed to be stronger when compared to the other analgesics. A stronger analgesic effect of levomethadon was only apparent during the first postoperative day, whilst the analgesic effect of buprenorphin, even compared to the placebo, was the weakest.   The postoperative pain which was measured as low in the placebo group and the analgetic effect of buprenorphin which was graded significantly lower hint at difficulties in the postoperative assessment of pain in the dog. Age and weight distribution respectively breed as well as differences in character of the respective dogs may have led to misjudgement of the pain actually present. Especially based on these difficulties and the possibility of misjudgement of pain in the dog, it is absolutely necessary to apply an analgesic if there is doubt whether the animal might be experiencing pain. Surgical procedures which are painful in humans can be expected to be similarily painful in animals since the mechanism of pain is the same.   The visual-analog pain-scoring-system was shown to be more sensitive than the numeric system, since degree of lameness, mechanical-nociceptive threshold of pain and degree of plasma glucose proved its reliability, while the physiological parameters heart rate, blood pressure and respiratory rate had no validity concerning pain assessment. Those dogs treated with carprofen showed a lower degree of sedation in exhibiting a decrease in time of postoperative sleeping phase. Moreover, there were some signs of an anti-inflammatory effect including less stronger symptoms of inflammation in the surgery site as well as due to a more rapid decrease in leucocyte number. There was no evidence of respiratory depressant effect by opioid analgesics, neither clinically nor based on laboratory test results. The tolerability of all analgesics used regarding cardiac, renal, hepatic or gastrointestinal side effects could be classified as safe. The analgesics showed an overall good clinical tolerance and are, therefore, generally suitable for postoperative pain management. However, Carprofen should be preferred. Nevertheless, during the acute phase, the antinoziceptive  efficacy should be enhanced by a combination with e.g. levomethadon.   Further studies are necessary in order to clarify how the antinoziceptive efficacy can be improved through postoperative pain management and a combination of analgesics respectively the use of local anaesthetics. Following a pure μ-agonisten, buprenorphin  should not be used as an analgesic in the direct postoperative phase, since the analgesic effect is possibly antagonized partly and may, therefore, also be reduced.  

Ziel der vorliegenden randomisierten, plazebokontrollierten Blindstudie war die Überprüfung der analgetischen Wirkung und der klinischen Akzeptanz des nicht-steroidalen Antiphlogistikums Carprofen (Rimadylâ ), des partiellen Opioid-Agonisten- Antagonisten Buprenorphin (Temgesicâ ) und des Opioid-Agonisten Levomethadon (L-Polamivetâ ) während eines fünftägigen postoperativen Untersuchungszeitraumes bei Hunden nach Humerus- und Femurfrakturen sowie nach Weichteiloperationen (Thorakotomien, Oberbauchoperationen).   Am Operationstag erfolgte die Applikation von Levomethadon, Buprenorphin und des Plazebos zum Zeitpunkt der Extubation und 8h nach der Extubation. An den vier Folgetagen wurden die Analgetika bzw. das Plazebo dreimal täglich subkutan verabreicht. Die Analgetika wurden in folgender Dosierung subkutan verabreicht: Levomethadon 0,2 mg/kg KG 3 x täglich, Buprenorphin 0,05 mg/kg KG 3 x täglich. Die Applikation von Carprofen erfolgte einmalig zum Zeitpunkt der Extubation am Operationstag mit 4mg/kg KG. Am 2. bis 5. Untersuchungstag wurde die Dosierung gedrittelt und dreimal täglich appliziert. Die Untersuchungen erfolgten präoperativ, am Tag der Operation bis zu 6,5h postoperativ sowie an den vier Folgetagen jeweils vormittags 1h nach und nachmittags 1h vor der Gabe des Analgetikums.   Anhand eines visuell analogen und numerischen Schmerzbeurteilungssystems, unter Zuhilfenahme der Schmerzindikatoren Lahmheitsgrad und mechanisch nozizeptive Schwelle konnte für Carprofen eine im Vergleich zu den anderen Analgetikagruppen, allerdings nur teilweise zur Plazebogruppe abgesicherte bessere Analgesie am 2. bis 5. Tag festgestellt werden. Eine stärkere analgetische Wirkung des Levomethadons zeichnete sich nur am 1. Tag im Vergleich zu den anderen Gruppen ab. Buprenorphin schnitt als Analgetikum über den gesamten Untersuchungszeitraum  am schlechtesten, auch gegenüber der Plazebogruppe, ab.   Der als schwach gemessene postoperative Schmerz in der Plazebogruppe und die als deutlich schlechter eingestufte analgetische Wirkung von Buprenorphin deuten auf Schwierigkeiten der postoperativen Schmerzbeurteilung beim Hund hin. Durch Alters- und Gewichtsverteilung bzw. Rassezugehörigkeit und nicht zuletzt Charakterunterschiede der einzelnen Hunde ist es möglicherweise zu einer Fehleinschätzung des tatsächlich bestehenden Schmerzes gekommen. Gerade aufgrund dieser Schwierigkeiten und der Möglichkeit der Fehleinschätzung von Schmerz beim Hund sollte bei Zweifeln, ob ein Tier Schmerz empfindet oder nicht, unbedingt ein Analgetikum gegeben werden. Chirurgische Eingriffe, die beim Menschen schmerzhaft sind, können beim Tier gleichermaßen als schmerzhaft eingestuft werden, da die Entstehungsmechanismen von Schmerz dieselben sind.   Das visuell analoge System konnte im Vergleich zum numerischen System als sensitiveres Schmerzbeurteilungssystem bewertet werden. Mit den Schmerzindikatoren Lahmheitsgrad, nozizeptive Schwelle und Plasmaglukosewert konnte die Zuverlässigkeit dieses Systems bestätigt werden. Die physiologischen Parameter Plasmakortisol, Herzfrequenz, Blutdruck und Atemfrequenz erwiesen sich dagegen zur Beurteilung des Schmerzes als ungeeignet. Die mit Carprofen behandelten Hunde zeigten in Form einer verkürzten Nachschlafphase geringere postoperative Sedationsgrade. Außerdem ergaben sich Hinweise auf eine antiinflammatorische durch weniger starken Entzündungssymptomen im Wundbereich sowie aufgrund eines schnelleren Abfalls der Gesamtleukozytenzahl. Weder klinisch noch labordiagnostisch konnten Hinweise auf atemdepressive Effekte der Opioidanalgetika festgestellt werden. Die Verträglichkeit aller eingesetzten Analgetika hinsichtlich kardialer, renaler, hepatischer und gastrointestinaler Nebenwirkungen konnte als unbedenklich eingestuft werden.   Insgesamt zeichneten sich alle Analgetika durch eine gute klinische Verträglichkeit aus und sind somit grundsätzlich zur postoperativen Schmerztherapie geeignet, wobei jedoch Carprofen der Vorzug gegeben werden sollte. Allerdings sollte in der unmittelbaren Phase durch eine Kombination z.B. mit Levomethadon, die antinozizeptive Effizienz verbessert werden.   In weiteren Studien muss geklärt werden, wie durch eine präoperative Schmerztherapie und eine Kombination von Analgetika bzw. durch den Einsatz von Lokalanästhetika die antinozizeptive Effizienz verbessert werden kann. Buprenorphin sollte in der direkten postoperativen Phase als Analgetikum in Kombination mit einem reinen Morphinagonisten nicht eingesetzt werden, da die analgetische Wirkung nicht ausreicht oder sogar verschlechtert wird.  

Zitieren

Zitierform:

Wacker, Katja: Plazebokontrollierte Doppelblindstudie zur postoperativen Schmerztherapie mit Carprofen, Levomethadon und Buprenorphin bei Hunden. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export