Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Endokrine Verlaufsstudie bei tragenden Stuten unter besonderer Betrachtung des nicht viralen Abortes

Tassemeier, Nina

In this study, blood serum samples were collected at 7 to 14 day intervals from 39 pregnant mares throughout the entire period of pregnancy. Serum concentrations of progesterone, estrone sulphate and testosterone were measured using specific immunoassays throughout the entire pregnancy, whilst eCG was measured from day 40 to 130 of gestation. In addition to the hormonal monitoring the mares were examined for clinical signs of abortion and in cases of fetal loss, immediate examination was performed to ascertain the cause of abortion. Six mares failed to maintain pregnancy, 3 of which had early fetal loss and 3 experienced late abortion. Of the remaining mares, 31 gave birth to healthy foals, and 2 had foals which died during parturition. In the group of healthy pregnancies, hormonal values followed the expected profiles, although the concentrations of progesterone and testosterone reached very high levels in several cases. Large individual variation in both peak and baseline values was observed for progesterone, testosterone, estrone sulphate and eCG. Progestogens and androgens both showed a significant increase just prior to birth. No correlation was found between testosterone concentrations in the mother and sex of the fetus. In the group of abortions, there was a significant rise in serum progestogens prior to abortion, similar to the rise observed ante partum in the healthy group. On comparing hormonal levels between the two groups, there was no significant difference between successful pregnancies and abortions, although progesterone was slightly lower in the abortion group. Estrone sulphate was similar in both groups. The hormonal levels in early fetal loss showed the expected hormonal differences compared to normal pregnancies. Progesterone fell after the supposed time of resorption, except for one case where progesterone remained elevated following fetal loss. Estrone sulphate failed to increase when fetal loss occurred before day 80 of   pregnancy, whilst eCG secretion continued in cases where fetal loss occurred after day 40. In conclusion we found that progestogen levels showed considerable individual variation throughout pregnancy and that rather low levels still could result in a healthy foal. The progestogen rise prior to abortion as well as resorptions in conjunction with a corpus luteum persistens could give false positive results. Therefore progestogens alone should not be used to predict pregnancy outcome. Testosterone together with progesterone was useful for pregnancy diagnosis and for predicting of date of birth. Estrone sulphate was found to be useful only during early gestation and not in late gestation and finally eCG cannot be used as an indicator of pregnancy outcome due to the very high individual fluctuations.

In der vorliegenden Arbeit wurden in einer Feldstudie von 39 tragenden Stuten während ihrer gesamten Gravidität in 7 bis 14-tägigen Abständen Blutproben gewonnen und auf den Gehalt an verschiedenen Hormonen untersucht. Es wurde insbesondere auf Signale eines drohenden Fruchtverlustes geachtet, und im Falle eines Verfohlens wurden umgehend weitere Untersuchungsmethoden zum Ausschluß einer infektiösen wie einer augenscheinlich nicht-infektiösen Ursache eingeleitet. Die mittels Tiefgefrierung gelagerten Serumproben wurden in der gesamten Tragezeit auf ihren Progesteron-, Östronsulfat- und Testosterongehalt, zwischen Tag 40 und 130 auf ihren eCG-Gehalt untersucht. Von den 39 in die Studie einbezogenen Tieren erlitten 3 einen Spätabort und 3 weitere eine Fruchtresorption im ersten Drittel der Trächtigkeit. Von den restlichen 33 Muttertieren gebaren 31 ein gesundes lebensfähiges Fohlen, die anderen 2 Früchte verstarben intra partum. Die intakten Graviditäten zeigten bei allen vier Hormonen klassische Verläufe, wobei sowohl das gemessene Progesteron als auch das Testosteron deutlich hohe Werte erreichten. Die Progesterongehalte als Median lagen zwischen 10,8ng/ml zu Beginn und 25,2ng/ml direkt ante partum, die Testosterongehalte als Median lagen zwischen 0,01ng/ml und 0,16ng/ml ante partum. Desweiteren zeigten sich starke individuelle Schwankungen in der Höhe der gemessenen Werte zwischen den einzelnen Tieren. Sowohl das Östronsulfat als auch das eCG wiesen dasselbe Phänomen in der Höhe der Werte zwischen den einzelnen Individuen auf. Speziell die gemessenen Gestagene und Androgene machten einen signifikanten Anstieg direkt ante partum deutlich. Zwischen dem Testosteron und dem Geschlecht des Föten konnte kein Zusammenhang festgestellt werden. Im Falle der abortierenden Stuten kam es zu einem verfrühten Anstieg dieser beiden Hormongruppen ante abortum, unwichtig, ob es sich um einen früheren im 7. Monat oder späteren Abort im 9. Monat handelte. In der Höhe der gemessenen Werte gab es kaum Unterschiede zwischen den verlustigen und gesunden Graviditäten bei den einzelnen Hormonen, einzig das Progesteron war im Einzelfall etwas niedriger, und speziell das Östronsulfat zeigte keinerlei Unterschiede. Während der Gestagen-Anstieg ab 30 Tagen ante partum als physiologisch zu betrachten ist, kann der verfrühte Anstieg des Progesterons wie des Testosterons ante abortum zur Diagnostik benutzt werden. Bezüglich der Ursachen der Fruchtverluste lassen die Hormonveränderungen nur eingeschränkt Rückschlüsse ziehen. Infektiöse Ursachen konnten mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden, wobei dies bei den nicht-infektiösen Ursachen nicht eindeutig gelang. Bei den Resorptionen zeigten sich die in der Literatur angegebenen Veränderungen bestätigt. Nach vermutlichem Fruchtverlust fiel das Progesteron deutlich ab, Östronsulfat zeigte keinen deutlichen Anstieg, wenn der Verlust vor oder um den 70. bis 80. Tag der Trächtigkeit stattfand, und ein Einsetzen und Fortdauern der eCGProduktion geschah unabhängig vom Fruchtverlust nach dem 40. Tag. Bei Verlusten zuvor war es allerdings nicht in ausreichenden Konzentrationen nachweisbar. In einem Fall gab es hohe Progesteron-Werte, die bei alleiniger Bestimmung zu einer falsch positiven Beurteilung der Trächtigkeit hätten führen können. Zusammenfassend kann geschlossen werden, daß Progesteron allein nur bedingt als Diagnostikum für eine gesunde Trächtigkeit dienen kann, da zum einen sehr niedrige Serumgehalte auch bei gesund geborenen Fohlen auftreten, zum anderen ein verfrühter Anstieg ante abortum zu falsch positiven Ergebnissen führen kann, wie es auch besonders bei frühen Fruchtverlusten durch ein Corpus luteum persistens zu erhalten ist. Desweiteren sollten Meßsysteme verwendet werden, die die Metabolite des Progesterons mitbestimmen, da Progesteron selbst in der späten Trächtigkeit kaum mehr nachweisbar ist. Bezüglich des Einsatzes von exogen zugeführten Gestagenen kann gefolgert werden, daß ihre Verwendung weiterhin als fraglich anzusehen ist, weil auch ein niedriger Serumprogesteronspiegel eine Trächtigkeit aufrecht zu erhalten vermag. Desweiteren ist möglicherweise ein Einsatz der Testosteron-Bestimmung im Serum, gegebenenfalls zusammen mit dem Progesteron, zur Graviditätsdiagnostik oder zur Eingrenzung des Geburtstermines denkbar. Außerdem wird bestätigt, daß Östronsulfat in der späten Trächtigkeit unbrauchbar zur Bestimmung ihres Ausgangs ist. Bei frühen Fruchtverlusten auch vor dem 70. Tag ist es hingegen aussagekräftig. Das equine Choriongonadotropin letztendlich weist starke individuelle Schwankungen auf und zeigt sich weitestgehend unabhängig vom Ausgang einer Gravidität, ist deswegen nur eingeschränkt als Diagnostikum zu benutzen.  

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Tassemeier, Nina: Endokrine Verlaufsstudie bei tragenden Stuten unter besonderer Betrachtung des nicht viralen Abortes. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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