Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Joseph Fehr und die Tierarzneischule in Münster von 1779 bis 1824

Müller-Skuplik, Vera

The reports in the veterinary-historical literature about veterinary education in Münster are only sparse. Furthermore, these descriptions often are based upon wrong or incomplete information. This thesis describes the teaching at the former Veterinary School Münster (1779-1824), its history and the background of its closure. The focus lies upon life and work of the school’s head and only teacher, Johann Georg Joseph Fehr (1740-1831), who played a pivotal role in the development of this school.   This paper ist based upon extensive material concerning the veterinary teaching from the North-Rhine-Westphalian state archives in Münster, which has been translated in Latin characters and is now published in the supplement for the first time. Exclusively, these are letters of correspondence between the teacher of the Veterinary school, Joseph Fehr, and several authorities.   Joseph Fehr was born in Düsseldorf in 1740 and came after his medical and chirurgical education in Düsseldorf and Duisburg as surgeon for the cavalry to Münster, where he got involved in the campaign against the rinderpest. After further studies of veterinary science, which he made during a one and a half year taking journey to Kassel, Göttingen and Hannover, Fehr returned to Münster in 1778. He was nominated for teacher of horse and veterinary science (Roß- und Vieharzneikunde) on February 3th 1779 and founded the Veterinary school Münster the same year. Fehr taught at this school until high age and published several veterinary-medical scripts. He died in Münster 1831.   The coalition war (1792-1807), the following secularization of the prince episcopate Münster and the alternating governments had consequences for the educational politics in Münster, especially for the Veterinary school. Noting the historical context, this work emphasises the background of the beginning of the veterinary education, the institute’s financial and social situation during more than 30 years of its existence as well as the circumstances of the school’s end after 1818. The subject of teaching and the sighted audience are described and compared with other, at the same time existing Veterinary schools. Therefore, an insight is given into the amount and quality of the education in veterinary science in former Westphalia.   A main point of this thesis is made on the biography of the school’s leader, Joseph Fehr, his (veterinary) education, teaching, scientific publications and his achievements as a veterinarian. Contrary to later statements this paper points out, that Fehr was interested quiet early in veterinary science and had a common knowledge. His publications show a skillful combination of veterinary, medical and educational literature even for laymen. Finally, this intellectual person failed with his ideas of progressive veterinary education because of adverse organizational structure and lacking support of the authorities.   Fehr established the Veterinary school Münster with only minimal support of the Government and developed an educational schedule, which was comparable to other Veterinary schools established at the same time. After the Prussians took possession of the town and prince episcopate Münster (1802), a modernization and expansion of the Veterinary institute was planned, but could not be completed in consequence of the dramatically political situation during and after the Napoleonic war. Because of the Veterinary school’s poor financial and personal situation, the educational standard could not advance all the time. After the University of Münster was closed (1818), the Veterinary school still existed, but it declined more and more. In 1824, the last veterinary lecture was given in Münster.  

Über die tierärztliche Ausbildung in Münster wird in der veterinär-medizinhistorischen Literatur nur spärlich berichtet. Noch dazu beruhen die meisten Darstellungen auf falschen oder unzureichenden Informationen. Durch die vorliegende Arbeit wird ein umfassendes Bild des Unterrichts an der ehemaligen Tierarzneischule Münster (1779-1824), ihrer Vorgeschichte sowie der Hintergründe ihrer Schließung erstellt. Das Leben und Wirken des Leiters und einzigen Lehrers der Schule, Johann Georg Joseph Fehr (1740-1831), der Dreh- und Angelpunkt dieser Anstalt war, steht dabei im Vordergrund.   Grundlage dieser Arbeit bildet umfangreiches Aktenmaterial zum tierärztlichen Unterricht in Münster aus dem Nordrheinwestfälischen Staatsarchiv Münster, das buchstaben- und absatzgetreu transkribiert und im Anhang erstmals veröffentlicht wird. Es handelt sich dabei ausschließlich um amtliche Korres-pondenz zwischen dem Lehrer der Tierarzneischule, Joseph Fehr, und verschiedenen Behörden.   Joseph Fehr wurde 1740 in Düsseldorf geboren und kam nach seiner Ausbildung in Düsseldorf und Duisburg als Stabschirurg der fürstbischöflichen Kavallerie nach Münster, wo er 1775/76 zur Bekämpfung der Rinderpest herangezogen wurde. Nach einer eineinhalbjährigen Studienreise auf Staatskosten nach Kassel, Göttingen und Hannover, auf der er sich Fertigkeiten in der Tierarzneikunde erwarb, kehrte Fehr 1778 nach Münster zurück. Er wurde am 3. Februar 1779 zum „Lehrer der Roß- und Vieharzneikunde“ ernannt und gründete im selben Jahr die Tierarzneischule in Münster. Fehr unterrichtete bis ins hohe Alter an dieser Schule und veröffentlichte während dieser Zeit einige veterinär-medizinische Schriften. Er starb 1831 in Münster.   Die Koalitionskriege (1792-1807), die daraus folgende Säkularisation des Fürstbistums Münster sowie die mehrmals wechselnden Herrschaftsverhältnisse hatten weitreichende Folgen für die Bildungspolitik in Münster und besonders auch für die Tierarzneischule. Eingebettet in den historischen Kontext, behan-delt die Arbeit die Hintergründe der Anfänge des tierärztlichen Unterrichts sowie die finanzielle und gesellschaftliche Situation des Instituts während seines über dreißigjährigen Bestehens und sein Ende nach 1818. Der Lehrinhalt sowie die Zielgruppen des Unterrichts werden beschrieben und mit denen anderer Tierarzneischulen dieser Zeit verglichen. Somit wird ein Einblick in Umfang und Qualität der veterinärmedizinischen Ausbildung im damaligen Westfalen gegeben. Einen Schwerpunkt der Dissertation bildet die Biographie des Leiters der Schule, Joseph Fehr, dessen Ausbildung, Lehrtätigkeit und wissenschaftliche Publikationen sowie Leistungen als praktischer Tierarzt. Die Arbeit verdeutlicht, dass es sich bei Fehr entgegen einiger späterer Darstellungen um einen wissenschaftlich orientierten, schon früh an der Tierheilkunde interessierten Mann handelte, der über ein gutes Allgemeinwissen verfügte. Seine Publikationen zeichnen sich durch eine geschickte Verknüpfung von veterinär-medizinischer Fachliteratur und Aufklärungsschriften für medizinische Laien aus. Letztendlich scheiterte dieser Intellektuelle mit seinen Ideen einer fortschrittlichen tierärztlichen Ausbildung an den verkrusteten bürokratischen Strukturen und der mangelnden Unterstützung durch die Behörden, die eine tierärztliche Bildungsstätte in Preußen, und zwar in Berlin, für ausreichend hielten. Die Unterstützung durch die fürstbischöfliche Regierung in den ersten Jahren nach der Gründung der Tierarzneischule (1779-1802) war ebenfalls unzureichend, die nachfolgende „Franzosenzeit“ (1806-1812) trug wesentlich zum Niedergang der Schule bei.   Fehr baute die Tierarzneischule Münster mit nur minimaler Unterstützung der fürstbischöflichen Regierung auf und entwickelte einen Lehrplan, der mit den Lehrinhalten an zeitgleich errichteten Tierarzneischulen gleichzusetzen ist. Nach der preußischen Übernahme Münsters war eine Modernisierung und Erweiterung der Tierarzneischule geplant, die aufgrund der dramatischen politischen Ereignisse während und nach den napoleonischen Kriegen aber nicht verwirklicht werden konnte. Wegen der schlechten finanziellen und personellen Lage der Tierarzneischule, die fast durchgehend nur einen einzigen Lehrer hatte, konnte der Unterricht nicht über sein Anfangsniveau gesteigert werden. Nach der Schließung der Münsteraner Universität (1818) existierte die Tierarzneischule zwar noch weiter, verfiel aber immer mehr. 1824 wurde der letzte tierärztliche Unterricht in Münster erteilt.  

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Zitierform:

Müller-Skuplik, Vera: Joseph Fehr und die Tierarzneischule in Münster von 1779 bis 1824. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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