Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Cavum dentis und Pulpa dentis mandibulärer und maxillärer Backenzähne bei Pferden verschiedenen Alters

Westenberger, Elmar

The endodontic system (Cavum dentis and Pulpa dentis) of equine cheek teeth varies considerably with age. These variations are demonstrated macrosopically and microscopically, using the third premolar (P3) as an example for a relatively young cheek tooth, and the first molar (M1) as an example for a relatively older cheek tooth. They were taken from the lower and upper jaw. Morphological findings were related with the age of the horse (year of birth). 224 teeth of 49 horses were examined, using cross sections (diamond saw) of non-decalcified teeth, and on paraffin sections of decalcified teeth.   The presence of a `common´ pulp chamber, the number of root channels and pulp horns were the parameters of this examination. Special attention was paid to distinguish the age when the opening at the apical end of the root channels was physiologically closed.   Descriptions of these parameters appear in the literature in great number. However, they were - partly due to different methods - very heterogenous. This triggered the idea to re-examine especially those age groups (year of birth 1978 - 1985) that were most variable.   The following results of this study shall be emphasized:   ·        ·        The apical foramen was always macroscopically visible until the age of 14 years. ·        ·        In the dissection microscope the apical foramen could be identified up to an age of 17 years of the horse. ·        ·        In horses older than 23 years, an apical foramen could not be detected - but the Cavum dentis contained a smooth connective tissue even at the age of 27 years. ·        ·        Histologically this smooth connective tissue could be identified as a vascularized, vital dental pulp until an age of 21 years. ·        ·        Comparing third premolar (P3) and first molar (M1) cheek teeth of a single individual, no chronological rule of the closure of the root channels could be established. ·        ·        None of the examined third premolar (P3) and first molar (M1) cheek teeth showed a `common´ pulp chamber, i. e. a cavity between the root channels and the pulp horns. ·        ·        In some of the very old horses (e. g. 25 years) pulphorns still were present in the examined maxillary cheek teeth (P3, M1). ·        ·        Whithin the individual cheek tooth the pulp horns extended to different levels towards the occlusal surface.   In contrast to former reports in literature the results of this examination show that equine cheek teeth are not “dead” at the age of 20 years, but they contain a vital i.e. vascularized pulp in their cavum dentis. Further, one should consider that there are differences between individual teeth (e.g. third premolar and first molar). Finally it is important to note that in cheek teeth with an extreme inclination of the occlusal surface the length of the pulp horns differs markedly. This should be taken into account when shaping the cheek teeth.  

Das endodontische System (Cavum dentis mit Pulpa dentis) beim Backenzahn des Pferdes verändert sich altersbedingt erheblich. Am Beispiel der Backenzähne P3 (relativ junger Zahn) und M1 (vergleichsweise alter Zahn) von Unter- und Oberkiefer werden Veränderungen in Relation zum Alter (Geburtsjahrgang des Pferdes) dokumentiert (224 Zähne von 49 Pferden). Dies geschieht makroskopisch an quer gesägten (Diamantsäge), nicht entkalkten Zähnen und histologisch an Paraffinschnitten von entkalkten Zähnen.   Das Vorhandensein einer „gemeinsamen“ Pulpahöhle, sowie die Anzahl der Wurzelkanäle und der Pulpaäste waren Parameter in dieser Untersuchung. Darüber hinaus wurde das Augenmerk darauf gelegt, in welchem Alter ein physiologischer Schluss des proximalen (wurzelspitzenwärtigen) Endes der Wurzelkanäle nachweisbar war.   Angaben über diese Parameter waren bisher im Schrifttum durchaus zahlreich, allerdings - zum Teil methodenbedingt - so heterogen (insbesondere in den Jahrgängen 1978 - 1985: „kritische Jahrgänge“), dass eine erneute Untersuchung angeraten schien.   Folgende Ergebnisse dieser Untersuchung sollen herausgestellt werden:   ·        ·        Bis zum Alter von 14 Jahren waren Wurzellöcher makroskopisch stets erkennbar. ·        ·        Bis zum Alter von 17 Jahren waren Wurzellöcher unter der Lupe sichtbar. ·        ·        Ab dem Alter von 23 Jahren konnten keine Wurzellöcher mehr erkannt werden - dennoch ließ sich selbst bis zum Alter von 27 Jahren stets ein mit Weichgewebe gefülltes Cavum dentis darstellen. ·        ·        Histologisch konnte dieses Weichgewebe - bei bis zu 21 Jahre alten Pferden - als vitale Pulpa dentis identifiziert werden. ·        ·        Beim Vergleich der P3 und M1 eines Individuums ließ sich keine chronologische Regel, den Schluss der Wurzelkanäle betreffend, ableiten. ·        ·        Keiner der untersuchten Backenzähne P3 und M1 wies eine - zwischen den Wurzelkanälen und den Pulpaästen gelegene - „gemeinsame“ Pulpahöhle auf. ·        ·        Selbst bei sehr alten Pferden (z. B. 25 Jahre) waren individuell in den Backenzähnen P3 und M1 des Oberkiefers noch Pulpaäste vorhanden. ·        ·        Innerhalb des selben Backenzahnes erstreckten sich die Pulpaäste unterschiedlich weit kauflächenwärts.   Als Ergebnis dieser Arbeit kann also - im Gegensatz zu den bisherigen Annahmen - besonders hervorgehoben werden, dass ein Backenzahn keineswegs ab dem Alter von ca. 20 Jahren „tot“ ist, sondern vielmehr eine vitale Pulpa im Cavum dentis enthält. Außerdem ist hervorzuheben, dass nicht das gesamte Gebiss in toto, sondern jeder einzelne Backenzahn individuell betrachtet werden sollte, weil von Zahn zu Zahn (P3 und M1) Unterschiede bestehen können. Schließlich gilt bei der Zahnbehandlung (Einschleifen von so genannten Zahnhaken) zu bedenken, dass bei stark abgeschrägter Kaufläche die kauflächenwärtigen, blinden Enden der Pulpaäste auf erheblich unterschiedlichem Niveau liegen.  

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Westenberger, Elmar: Cavum dentis und Pulpa dentis mandibulärer und maxillärer Backenzähne bei Pferden verschiedenen Alters. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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