Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Einfluss einer Supplementierung mit beta-Karotin in Form einer Injektionslösung (Carofertin) auf die Fruchtbarkeitsleistung von Milchkühen

Gossen, Natascha

It was the aim of this study to investigate the effect of a supplementation with ß-carotin administered systemically (Carofertin®) on the reproductive performance in dairy cows. In a short-term study, cows were injected with 20 ml Carofertin® (n=10) or 0.9 % NaCl-solution (n=10) intramuscularly on the first day of the trial. Serum concentration of ß-carotin was determined before the treatment and then daily for 14 days in order to show a positive effect of Carofertin® in a dosage recommended by the manufacturer on serum concentrations of ß-carotin. In a long-term study which lasted from January 2001 until September 2002, 100 cows received three injections of 20 ml Carofertin® 3-4 weeks ante partum, 1-2 weeks post partum and 6-8 weeks post partum. Control cows (n=101) were treated with 20 ml 0.9 % NaCl-solution. Serum concentrations of ß-carotin were determined before the first and the second ß-carotin injection and at the time of first insemination. For all animals, diseases, treatments, inseminations, cullings and culling reasons were recorded, and a clinical examination was performed during the puerperal period (4-6 weeks post partum). Furthermore, fertility parameters were calculated. From a subgroup of cows, blood samples were taken twice weekly starting around Day 40 post partum, and serum concentrations of progesterone were measured throughout the luteal phase. The trial period lasted until the day of drying off or until a cow was culled. 1. In the short-term study, mean serum concentration of ß-carotin in the ß-carotin group was only higher on Day 4 following injection compared with the preinjection value (P<0.05). Overall, mean concentrations of ß-carotin were higher in the ß-carotin group than in the controll group for 12 days. However, the differences between groups were not statistically significantly different (P>0.05). Large variations of ß-carotin concentrations were observed within animals and between animals. 2. In the long-term study, mean serum concentrations of ß-carotin at the three sampling points did not differ between groups (P>0.05). 3. In both groups, ß-carotin concentrations were higher at the first sampling than at the second and third sampling (P<0.05). In the ß-carotin group, concentration of ß-carotin was also higher at the second sampling compared with the third sampling (P<0.05). This difference was not observed in the controll group. Hence, the marked decrease in the ß-carotin concentration at the time of calving observed by other authors could be confirmed. Supplementation with Carofertin® did not have an influence on this decrease. 4. The clinical examination during the puerperal phase revealed that cyclicity had started statistically significantly more often in control cows than in the cows receiving Carofertin®, i.e. a positive effect of Carofertin® could not be verified. 5. There were no group differences with regard to the incidence of diseases, culling rate and culling reasons (P>0.05). 6. Fertility parameters did not differ between groups, i.e. a positive effect of Carofertin® on herd fertility could not be detected. 7. Whereas the ß-carotin concentration in serum did not affect incidence of diseases, the analysis of the fertility parameters revealed contradictory results indicating that there might be a slight interrelationship between ß-carotin and reproductive performance in dairy cows. However, as the herd fertility is influenced by many factors, ß-carotin apparently seems to be of minor importance. 8. Progesterone concentration in serum and amount of progesterone produced during the luteal phase were not influenced by Carofertin®. 9. Cost per pregnancy were higher in the Carofertin® group (241.78 €) than in the control group (171.40 €). The main reason for the higher cost were the cost of Carofertin® (8.71 € per injection). In both groups, replacement cost for cows culled due to infertility and cost of days open beyond 85 days post partum had the highest economical impact on cost per pregnancy. 10. These results suggest that the use of Carofertin® in dairy cows for therapy or prophylaxis might not be recommendable.

Ziel dieser Arbeit war, den Einfluß einer Supplementierung von beta-Karotin in Form einer Injektionslösung (Carofertin®) auf die Fruchtbarkeitsleistung von Milchkühen zu untersuchen. Dazu wurde zunächst eine Verlaufsstudie an 20 Tieren, die am ersten Versuchstag 20 ml Carofertin® (n=10) bzw. 0,9 % NaCl-Lösung (n=10) i.m. injiziert bekamen, durchgeführt. Alle Tiere wurden unmittelbar vor der Injektion und dann einmal täglich 14 Tage lang beprobt. Die Verlaufstudie sollte zeigen, ob Carofertin® in der vom Hersteller empfohlenen Dosierung die beta-Karotin-Serumkonzentration erhöht. An der Langzeitstudie nahmen von Januar 2001 bis September 2002 201 Tiere teil, die drei i.m.-Injektionen mit je 20 ml Carofertin® (n=100) bzw. 0,9 % NaCl-Lösung (n=101) (3-4 Wo. a.p., 1-2 Wo. p.p., 6-8 Wo. p.p.) erhielten. Um die beta-Karotin-Serumkonzentration zu bestimmen, wurde den Versuchstieren unmittelbar vor der ersten und zweiten Injektion und kurz nach der ersten Besamung Blut entnommen. Bei allen Versuchstieren wurden die auftretenden Krankheiten, die Behandlungen, die Besamungen, die Abgänge und die Abgangsursachen dokumentiert und eine Puerperalkontrolle durchgeführt. Weiterhin wurden die Fruchtbarkeitskennzahlen aus den erhobenen Daten ermittelt. Von einer Stichprobe von Kühen wurde ab dem 40. Tag p.p. die Progesteronserumkonzentration zweimal wöchentlich bestimmt, bis die Tiere eine Lutealphase durchlaufen hatten. Der Versuch endete mit dem Abgang oder der Trockenstellung der Tiere. 1. In der Verlaufsstudie kam es nur beim Vergleich des Ausgangswertes der Karotingruppe mit dem Entnahmezeitpunkt IV zu einer signifikant höheren beta-Karotin-Serumkonzentration. Insgesamt waren die Mittelwerte der beta-Karotin-Serumkonzentration der Karotingruppe für 12 Tage höher als die der Kontrollgruppe. Die Unterschiede waren aber nicht signifikant. Innerhalb und zwischen den Tieren bestanden große Schwankungen der beta-Karotin-Konzentration. 2. Es lagen keine signifikanten Gruppenunterschiede in der Höhe der mittleren beta-Karotin-Serumkonzentration zu den drei Entnahmezeitpunkten vor. 3. Innerhalb der Gruppen lagen die beta-Karotin-Werte in beiden Gruppen zum Zeitpunkt I signifikant höher als zu den Zeitpunkten II und III. Die Werte des Zeitpunkts II waren in der Karotingruppe bei der Auswertung aller Tiere signifikant höher als zum Zeitpunkt III. In der Kontrollgruppe gab es keine signifikanten Unterschiede. Somit konnte der starke Abfall der beta-Karotin-Werte zur Zeit der Abkalbung bestätigt werden. Die Carofertin®-Gabe hatte auf dieses Verhalten keinen Einfluß. 4. Bei der Puerperalkontrolle hatten die Kontrolltiere signifikant häufiger einen intakten Zyklus als die Karotintiere. Ein positiver Einfluß des Carofertins® auf das Einsetzen der Ovartätigkeit kann folglich nicht bestätigt werden. 5. Weder bei der Inzidenz von Krankheiten noch bei den Abgangsursachen traten signifikante Gruppenunterschiede auf. 6. Bei der Auswertung der Fruchtbarkeitskennzahlen wurden keine signifikanten Gruppenunterschiede festgestellt. Es war somit kein positiver Einfluß des Carofertins® auf die Herdenfruchtbarkeit vorhanden. 7. Die Höhe des beta-Karotin-Spiegels hatte keinen Einfluß auf die Krankheitsinzidenz. Die Auswertung der Fruchtbarkeitskennzahlen führte zu widersprüchlichen Ergebnissen. Somit besteht sicherlich ein gewisser Zusammenhang zwischen beta-Karotin und der Fruchtbarkeit von Milchkühen. Die Herdenfruchtbarkeit wird aber durch viele Faktoren beeinflusst und beta-Karotin spielt dabei wahrscheinlich nur eine untergeordnete Rolle. 8. In dieser Untersuchung hatte Carofertin® auf die Progesteronkonzentration im Blut bzw. auf die produzierte Progesteronmenge keinen Einfluß. 9. Bei der Gegenüberstellung der Kosten pro Trächtigkeit schnitten die Karotintiere (241,78 €) deutlich schlechter ab als die Kontrolltiere (171,40 €). Hauptursache waren die Mehrkosten durch das Carofertinâ (8,71 € pro Injektion). Die größten Kostenfaktoren waren in beiden Gruppen die Remontierung aufgrund von Unfruchtbarkeit und die Kosten durch Güsttage über 85 Tagen p.p.. 10. Aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchung kann der Einsatz von Carofertin® bei Milchkühen weder zu prophylaktischen noch zu therapeutischen Zwecken empfohlen werden.

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Gossen, Natascha: Einfluss einer Supplementierung mit beta-Karotin in Form einer Injektionslösung (Carofertin) auf die Fruchtbarkeitsleistung von Milchkühen. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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