Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Kontrollierte klinische Studie über die Behandlung von Kühen mit linksseitiger Labmagenverlagerung mittels perkutaner Abomasopexie unter endoskopischer Sichtkontrolle (Methode nach JANOWITZ) im Vergleich zur Omentopexie nach Laparotomie von rechts (Methode nach DIRKSEN)

Koch, Friederike

The aim of this study was to compare the effectivity of the laparoscopic abomasopexy of the left displaced abomasum (JANOWITZ method) with the laparotomy and right flank omentopexy (DIRKSEN method). Seventy cows with a left displacement of the abomasum were treated by using one of the above described methods after randomisation. Cows showing complications such as mastitis or lameness were excluded from the study. The cows included in the study were under clinical observation for at least six days. During this time, clinical examinations were regularly conducted and blood samples were drawn. Three months after being discharged from the clinic, the owners answered a detailed questionnaire about the cows´ status by phone. The results of these study are:   A)    Surgical complications in cows while admitted to the clinic 1.      Group “laparoscopic abomasopexy” (JANOWITZ-method) (n = 35; ELF) ·        Two premature losses of fixation (5,7 %), one due to toggle descent with following relapse, one due to tearing of the fixation suture without relapse. ·        One laparoscopic reposition and fixation could not be carried out due to adhesions between abomasum and abdominal wall (2,9 %). ·        By trying to place the toggle into the abomasum, eight times (five animals) other organs were unintentional hit. Rumen, abomasum, subcutis and one blood vessel were affected.   2.      Group “laparotomy and right flank omentopexy” (DIRKSEN-method) (n = 35; OPX) ·        no complications B)    Surgical complications after discharge 1.      Group “laparoscopic abomasopexy” (JANOWITZ-method) ·        Six cows (18,2 %) showed wound complications in the form of swelling and/or pus. 2.      Group “laparotomy and right flank omentopexy” (DIRKSEN-method) ·        Seven animals (20 %) showed wound complications in the form of swelling and/or pus. ·        One relapse (2,9 %) after 13 weeks. C)    Short-term post surgical convalescence 1.      Clinical examination ·        Significant post surgical increase of energy intake in both groups. In average, significantly higher energy intake in group ELF compared to group OPX. ·        Significant post surgical increase of milk production in both groups. In average, no significant differences in milk production between both groups. ·        No significant differences in energy balance in both groups, further therapeutic measures were advised to treat lipomobilisation syndrome. 2.      Clinical biochemistry ·        In average, serum levels of nonesterified fatty acids, beta-hydroxybutyrate, total bilirubine, GLDH and plasma level of ammonium indicated no relevant differences between the two methods relative to liver health. ·        Mean electrolyte serum concentrations showed no significant differences between experimental groups.     D)    Mid-term post surgical convalescence 1.      Milk production ·        Significantly higher milk yield in group ELF eight weeks after discharge. No significant differences in milk production four and twelve weeks after discharge between both groups. E)    Losses 1.      Group “laparoscopic abomasopexy” (JANOWITZ-method) ·        None while admitted to the clinic. ·        One animal which had been released to the owner was released from the herd due to poor general condition. 2.      Group “laparotomy and right flank omentopexy” (DIRKSEN method) ·        After clinical study completion, two cows which were still admitted to the clinic (5,7 %) were euthanised due to recumbency and liver failure. ·        One animal (2,9 %) which had been released to the owner was released from the herd due to a claw disease. ·        One animal (2,9 %) which had been released to the owner was released from the herd due to coli mastitis.   In summary, in this study the laparoscopic abomasopexy according to JANOWITZ and the laparotomy and right flank omentopexy according DIRKSEN revealed comparable efficiencies in the surgical treatment of the left displaced abomasum in cows. Both methods demonstrated a low incidence of surgical complications paired with positive effects on post surgical feed intake and milk production. However, further studies are needed to evaluate the long-term convalescence of the cows treated by the JANOWITZ-method which is primarily dependant on the stability of the fixation.

In der vorliegenden Studie wurde die Effektivität der Abomasopexie unter endoskopischer Kontrolle nach JANOWITZ (1998) des nach links verlagerten Labmagens (LMV) mit der Methode der Laparotomie und Omentopexie von rechts nach DIRKSEN (1967) verglichen. Hierzu wurden insgesamt 70 Milchkühe mit LMV randomisiert einer der beiden oben genannten OP-Methoden unterzogen. Die Tiere wiesen neben der LMV keine schwerwiegenden Begleiterkrankungen, z. B. Mastitiden oder Lahmheiten auf. Die Patienten standen während der Studie mindestens sechs Tage unter klinischer Beobachtung. Während dessen wurden die Tiere täglich klinisch und labordiagnostisch untersucht. Drei Monate nach Entlassung der Patienten aus der Klinik erfolgte telefonisch eine Evaluierung der Patienten mit dem Besitzer. Folgende Ergebnisse wurden erzielt:   A)        Chirurgische Komplikationen während des Klinikaufenthaltes 1.      Gruppe Abomasopexie unter endoskopischer Kontrolle nach JANOWITZ (n = 35; ELF) ·        Zwei Kühe mit vorzeitigem Fixationsverlust (5,7 %), einmal durch Ausriss des Toggles mit nachfolgendem Rezidiv und einmal durch Abriss des Fixationsfadens ohne Auftreten eines Rezidives. ·        Eine endoskopische Labmagenfixation war aufgrund von adhäsiver Veränderungen zwischen Labmagen und Bauchwand nicht durchführbar (2,9 %). ·        Insgesamt wurden im Rahmen der chirurgischen Manipulation acht mal  bei fünf Tieren unbeabsichtigt Organe trokariert, betroffen waren Pansen, Labmagen, Unterhaut und ein Blutgefäss. Hieraus erwuchsen keine weiteren Komplikationen. 2.      Gruppe Laparotomie und Omentopexie nach DIRKSEN (n = 35; OPX) ·        keine B)        Chirurgische Komplikationen im Betrieb des Besitzers 1.      Gruppe Abomasopexie unter endoskopischer Kontrolle nach JANOWITZ ·        Sechs Tiere (18,2 %) zeigten laut Besitzer Wundkomplikationen in Form von Schwellung und/oder Eiterbildung im Bereich der Fixationsstelle. 2.      Gruppe Laparotomie und Omentopexie nach DIRKSEN ·        Sieben Tiere (20 %) zeigten laut Besitzer Wundkomplikationen in Form von Schwellung und/oder Eiterbildung im Bereich der Fixationsstelle. ·        Ausbildung eines Rezidivs nach 13 Wochen bei einem Tier (2,9 %). C)                    Kurzfristige postoperative Rekonvaleszenz während des Klinikaufenthaltes 1.      Klinische Parameter ·        Im Mittel signifikante Steigerung der nutritiven Energieaufnahme post operationem in beiden Versuchsgruppen, aber im Mittel gegenüber der Gruppe OPX signifikant höhere nutritive Energieaufnahme in der Gruppe ELF. ·        Im Mittel signifikante Steigerung der Milchleistung post operationem in beiden Versuchsgruppen, aber keine statistisch absicherbaren Unterschiede zwischen beiden Versuchsgruppen. ·        Keine statistisch absicherbaren Unterschiede im Mittel der beiden Versuchsgruppen in der Entwicklung der nutritiven Energiebilanz, weshalb postoperativ unabhängig von der verwendeten Operationsmethode weitere therapeutische Maßnahmen zur Behandlung des Lipomobilisationssyndroms anzuraten sind.   2.      Leberparameter ·        Die Leberparameter (Serumspiegel von NEFAs, ß-Hbs, GB, GLDH u. Plasmaspiegel des Ammoniums) weisen in ihrer Entwicklung auf keine relevanten Unterschiede beider Methoden hinsichtlich der Lebergesundheit hin. 3.      Elektrolythaushalt ·        In der Entwicklung des Elektrolythaushaltes liegen keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen vor. D)        Mittelfristige postoperative Rekonvaleszenz (im Bestand des Besitzers) 1.      Milchleistung ·        Signifikant höhere Milchleistung in der Gruppe ELF gegenüber der Gruppe OPX in der zweiten Milchleistungskontrolle (etwa acht Wochen post operationem), dagegen keine statistisch absicherbaren Unterschiede zwischen den beiden Versuchsgruppen in der ersten (vier Wochen post op.) und dritten Kontrolle (12 Wochen post op.). E)        Abgänge 1. Gruppe Abomasopexie unter endoskopischer Kontrolle nach JANOWITZ ·        Keine Abgänge während des Klinikaufenthaltes. ·        Im Betrieb wurde ein Tier (2,9 %) aufgrund allgemein schlechter Leistung verwertet. 2.      Gruppe Laparotomie und Omentopexie nach DIRKSEN ·        Während des Klinikaufenthaltes (nach Studienende) kamen zwei Tiere (5,7 %) aufgrund einer irreversiblen Hepatopathie zum Festliegen und wurden im Leberkoma euthanasiert. ·        Ein Tier (2,9 %) wurde im Betrieb aufgrund einer Klauenerkrankung verwertet. ·        Ein Tier (2,9 %) wurde im Betrieb aufgrund einer Coli-Mastitis verwertet.    Zusammenfassend lässt sich anhand der geringen Zahl an chirurgischen Komplikationen bei gleichzeitig vorliegenden Vorteilen bezüglich der kurzfristigen postoperativen Futteraufnahme und Milchleistung bei der Methode nach JANOWITZ (1998) eine vergleichbare Effizienz in der Behandlung der linksseitigen Labmagenverlagerung zur Omentopexie nach DIRKSEN (1967) feststellen. Offen bleibt in dieser Studie die Frage hinsichtlich der langfristigen Nutzungsdauer der chirurgisch mittels Abomasopexie unter endoskopischer Kontrolle nach JANOWITZ (1998) versorgten Tiere, welche wesentlich von der Stabilität und Dauerhaftigkeit der Fixation abhängig ist.

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Koch, Friederike: Kontrollierte klinische Studie über die Behandlung von Kühen mit linksseitiger Labmagenverlagerung mittels perkutaner Abomasopexie unter endoskopischer Sichtkontrolle (Methode nach JANOWITZ) im Vergleich zur Omentopexie nach Laparotomie von rechts (Methode nach DIRKSEN). Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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