Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Retrospektive Untersuchung von Geburtsstörungen und der Notwendigkeit von Kaiserschnitten bei den Hunderassen: französische Bulldogge, Teckel, Boxer und Berner Sennenhund

Trautmann, Astrid

This retrospective study is based on the reports of parturition of 393 bitches, belonging to the breeds dachshund (n = 249), french bulldog (n = 34), bernese mountain dog (n = 83) and boxer (n = 27). The aim was to find out the cause for dystocia and for the increasing number of caesarean sections in the breeds french bulldog and bernese mountain dog. For this reason the development and several predisposing factors of dystocia, the breeding environment and the real necessity of a caesarean section were investigated.   The french bulldogs had an increase in the number of caesarean sections from 34,9 % to 50,0 %  in the years 1996 – 2000. The incidence of caesarean section in the bernese mountain dogs decreased from 23,4  % to 18,6 %. The most common reason for dystocia was oversized fetuses in the breeds dachshund, french bulldog and boxer (25,0 % - 30,0 %). Fetal malpresentation was the most common reason for dystocia in bernese mountain dogs (25,7 %). Breeders contacted the veterinarians early in cases of dystocia. In most cases, in witch a caesarean section was necessary, the bitches were presented to the veterinarian before  parturition of the first puppy or within  two hours after parturition of the last born puppy (65,2 % - 79,3 %). This however was not seen as a reason to do an early caesarean section by the veterinarian. Most of these caesarean sections were done 6 hours or more after initiation of parturition. In the breeds dachshund and bernese mountain dog more than 50 % of the parturitions with dystocia could be finished successfully with digital manipulation and/ or medicinal treatment. In the breed french bulldog this was only possible in approximately 25 % and in the boxers only in 10 % of the parturitions with dystocia. The brachiocephale breeds had a higher survival rate of puppies born by caesarean section (78,5 % - 80,6 %) than the other breeds (71,7 % - 73,9 %). In the parturitions with conservative therapy the french bulldogs had more dead puppies (33,3 %) than the other breeds (10,3 %- 19,4 %). The necessity for caesarean sections seems to be given in view of these facts. Boxers had a much higher puppy mortality within three weeks post partum (26,6 %) than the other  investigated breeds (2,6 % - 6,9%). The high number of unknown causes of death in the boxer puppies is noticeable (64 %). The occurrence of dystocia didn’t show any relationship to age, weight or size of the bitches within the breeds. Also, the duration of pregnancy and the decrease in temperature immediately before parturition showed no relation to the occurrence of dystocia. The dachshund litters consisting of one or two puppies or more than seven puppies often had dystocia. The number of malformed puppies was much higher in french bulldogs (7 %) than in the other investigated breeds (0,9 %- 2 %). The malformations were insignificant as a cause for dystocia. The bitches of dachshund, bernese mountain dog and boxer without dystocia also had a decreasing incidence of caesarean sections in their family members than the bitches with dystocia. The absence of hereditary disease is high priority in the breeding suitability of the brachiocephal breeds, results of breeder shows and the litter size were thought to be unimportant.   An alarmingly high number of breeders gave Oxytocin to the bitches, in most cases without a veterinary examination and in the french bulldog breed often in parturitions with no complications. The housing conditions during parturition were important to dachshund and french bulldog. Changing the usual housing conditions before parturition could be a disadvantage for a normal parturition. Among dachshund  bitches that had been fed with homemade meals, many showed a predisposition for dystocia (75 %). The right amount of physical exercise during pregnancy seems to be important in bernese mountain dogs. Bitches with a regular walk with  a family member in addition to free running to a yard or court had less dystocia than the bitches with less physical exercise.

In einer retrospektiven Studie wurde der Geburtsverlaufs von 393 Hündinnen der Rassen Teckel (n = 249), Französische Bulldogge (n = 34), Berner/ Schweizer Sennenhund (n = 83) und Boxer (n = 27) analysiert, um die Ursache von Geburtsstörungen und den Anstieg von Kaiserschnittgeburten bei der Hunderasse Französische Bulldogge und Berner Sennehund herauszuarbeiten. Dabei wurden der Verlauf  der Geburtsstörung, prädisponierende Faktoren, das züchterische Umfeld und die Notwendigkeit für einen Kaiserschnitt untersucht.   Bei der Rasse Französische Bulldogge lag ein Anstieg der Kaiserschnittzahlen in den Jahren 1996 bis 2000 von 34,9% auf 50,0 % vor. Die Kaiserschnittinzidenz bei den Berner/ Schweizer Sennehunden war deutlich geringer und leicht rückläufig (23,4 % → 18,6 %). Als Ursache für das Auftreten von Dystokie bei den Rassen Teckel, Französische Bulldogge und Boxer lag am häufigsten eine fetale Übergröße vor (25,0 %- 30,0 %). Bei den Berner/ Schweizer Sennenhunden traten dagegen am häufigsten Lage-, Stellungs- oder Haltungsanomalien auf  (25,7%). Die in die Untersuchung einbezogenen Züchter suchten in der Regel sehr frühzeitig den Tierarzt auf, um Geburtshilfe leisten zu lassen. Weit überwiegend wurden die Hündinnen, bei denen  schließlich ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde, schon vor der Geburt des ersten Welpen oder zwei Stunden nach der letzten Geburt eines Welpen beim Tierarzt vorgestellt (65,2 % - 79,3 %). Diese Tatsache veranlasste die Tierärzte im Allgemeinen aber nicht dazu, sich schnell für einen Kaiserschnitt zu entscheiden. Die Mehrzahl der Kaiserschnitte wurde innerhalb von sechs Stunden nach Beginn der Geburt und später durchgeführt. Den Rassen Teckel und Berner Sennenhund konnte bei über der Hälfte der Geburten mit Störungen durch konservative Geburtshilfe erfolgreich geholfen werden. Bei den Französischen Bulldoggen war bei einem Viertel der Geburtsstörungen eine konservative Therapie ausreichend, bei der Rasse Boxer in einem Zehntel der Fälle. Die Überlebensrate der Welpen der brachiozephalen Rassen, die über Kaiserschnitt geboren wurden war höher (78,5 %- 80,6), als bei den anderen untersuchten Rassen (71,7 %- 73,8 %). Nach konservativer Geburtshilfe dagegen wurden bei den französischen Bulldoggen deutlich mehr tote Welpen entwickelt (33,3%) als bei den anderen Rassen (10,3 %- 19,4 %). Die Notwendigkeit für Kaiserschnitte scheint auf Grund dieser Beobachtungen durchaus gegeben. Die Boxer fallen durch deutlich höhere Welpensterblichkeit innerhalb der ersten drei Wochen p.p. auf (26,6 %). Bei den anderen untersuchten Rassen (6,9 %- 2,6 %) war diese deutlich niedriger. Die hohe Anzahl an Todesfällen innerhalb drei Wochen p. p. mit unklarer Ursache (64,0 %)  bei der Rasse Boxer ist deutlich. Ein Zusammenhang zwischen Alter, Gewicht oder Größe konnte innerhalb der Rassen mit Geburtsstörungen nicht festgestellt werden. Es konnten keine Unterschiede in Bezug auf Trächtigkeitsdauer und Auftreten von Geburtsstörungen festgestellt werden, gleiches gilt für den Abfall der Körpertemperatur kurz von Geburtsbeginn. Bei der Rasse Teckel waren bei Würfen mit ein bis zwei Welpen oder mehr als sieben Welpen gehäuft Geburtskomplikationen zu beobachten. Die Anzahl der missgebildeten Welpen lag bei der Rasse Französische Bulldoggen deutlich höher  (7 %) als bei den anderen untersuchten Rassen (0,9 % - 2 %). Missbildungen waren aber keine nennenswerte Ursache für Geburtsstörungen. Bei den Rassen Teckel, Berner/ Schweizer Sennenhund und Boxer war die Kaiserschnittinzidenz im verwandtschaftlichen Umfeld von Hündinnen, die keine Geburtsstörungen aufwiesen geringer, im Vergleich zum verwandtschaftlichen Umfeld von Hündinnen mit Geburtskomplikationen. Die Züchter der brachiozephalen Rassen maßen dem Fehlen von Erbkrankheiten in Zusammenhang mit den Zuchtauswahlkriterien höchste Priorität bei, unbedeutend erschienen Ergebnisse aus Zuchtschauen und Wurfgröße. In einem erschreckend hohen Maß wurde Oxytocin durch die Züchter verabreicht. Häufig ohne vorherige tierärztliche Untersuchung und bei den Französischen Bulldoggen und Boxern mit steigendem Maß bei  so genannten komplikationslosen Geburten. Die Haltungsbedingungen zum Zeitpunkt der Geburt spielten bei der Rasse Teckel und Französische Bulldogge eine Rolle. Eine Veränderung der üblichen Lebensbedingungen zum Zeitpunkt der Geburt scheint sich bei diesen Rassen nachteilig auszuwirken. Die Teckelhündinnen, die ausschließlich mit selbst zubereitetem Futter versorgt wurden, litten hochsignifikant häufiger unter Geburtsstörungen (75,0 %) als Teckel bei Versorgung mit kommerziellem Futter. Das richtige Maß an Bewegung während der Trächtigkeit schien bei der Rasse Berner/ Schweizer Sennenhund von Bedeutung zu sein. Hündinnen mit freiem Auslauf in Garten oder Hof und zusätzlichem Spaziergang litten seltener unter Geburtsstörungen als Hündinnen mit weniger Bewegung.

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Zitierform:

Trautmann, Astrid: Retrospektive Untersuchung von Geburtsstörungen und der Notwendigkeit von Kaiserschnitten bei den Hunderassen: französische Bulldogge, Teckel, Boxer und Berner Sennenhund. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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