Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Tiergesundheit und seuchenhygienische Aspekte bei extensiver Schweinefreilandhaltung im Rahmen der Landschaftspflege

Thies, Kerstin

Three sites in Germany, one each at the federal State of North Rhine-Westphalia, Brandenburg and Baden-Wuerttemberg have been visited at regular intervals over a period of three years (with financial support by the Ministry of Education and Technology) with regard to health and welfare aspects of sows and piglets. The animals were tested veterinarily for infectious disease, injuries, reproduction performance and parasitological infestations. In addition the practically of operating in accordance with the legal regulations was checked. In total 725 individual clinical examinations were made on the sows and boars. Furthermore, 619 faeces samples were analysed parasitologically. Twice per year from all animals 279 blood, 130 skin and 131 nasal mucus samples were taken in total. When an infected animal was identified a further sample was obtained. The reproduction performance together with the development of the piglets was recorded. The results can be summarized as follows: Abrasion and lameness of breeding animals have been found in very small numbers only. Injuries have mainly been the after-effect of ranking fights or jealousy about feed when additional feed was given. The nutritional condition varied considerably especially during lactation. Although the animals were generally able to draw the necessary energy from the pasture, they needed additional feed according to activity and nutritional condition during lactation. For the majority of adult animals, infections with coccidia, strongyles, ascarids, metastron-gyles and trichuris were recorded, although no animals reportedly became down ill. On all test sites the animals were always found to be infected with coccidia. At two sites strongyles were regularily found, ascarids, metastrongyles and trichuris were also found intermittently at these sites. Anthelminthic treatment could only resolve the problem temporarily. Abrasion and lameness of piglets was found in reasonable numbers. The main disadvantages for the young animals were the wet and cold weather and a high parasite count. In the first case this resulted in an apparent reduction in daily weight gain recorded at one of the sites during the winter months. Also the high parasite count led to a high number of disease infections and an increased use of medication. They were strongly infected with ascarids and metastrongyles at weaning. The performance data results a clear difference between the sites and the used breeds in comparison with the intensive outdoor husbandry. On average the test sites recorded about 10 live born piglets per sow/year and 8.5 weaned piglets per sow/year in comparison to 24 live born piglets per sow/year and 21 weaned piglets per sow/year in intensive outdoor husbandry. Of particular concern the suckling piglet losses of approximate 30 % is highly problematic, economically and in view of animal welfare. Perhaps a sound monitoring program can minimize these losses. Also, the combined keeping of boars and sows together is recommended to increase the reproduction performance. It is recommended that the farrowing should be completed within one week to avoid piglet losses due to cross-suckling. The daily weight gain through suckling was about 200 g/d. A complete protection against epidemic disease could not be achieved with the current fence design. Small wild mammals as well as birds could not be kept away from the pasture. High expenses for fencing also curb cost-effectiveness. The compliance to hygienic measures is the main requirement for a successful keeping. The legal restrictions for the enclosure should be implemented and adapted to the site conditions. For better economic returns to the farmer a prophylactic anthelminthic treatment before the turning out is important as well as implementing measures to considerably reduce piglet losses. This kind of management could be better achieved by the trained farmers with a broad knowledge of pig husbandry.

Drei Betriebe in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Baden-Württemberg mit Weidehaltung zur Landschaftspflege wurden (mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung) über einen Zeitraum von drei Jahren im Hinblick auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Zuchttiere und Ferkel in Abständen von vier Wochen besucht. Die Tiere wurden tierärztlich auf Infektionskrankheiten, Verletzungen, Reproduktionsleistung und Parasitenbefall untersucht. Zusätzlich wurde geprüft, ob die Vorschriften der Schweinehaltungshygieneverordnung prinzipiell einzuhalten sind bzw. tatsächlich eingehalten wurden. Es wurden insgesamt 725 Einzeltieruntersuchungen bei den Zuchttieren durchgeführt. 619 Kotproben konnten parasitologisch aufgearbeitet werden. Zusätzlich erfolgte zweimal jährlich und bei besonderen Krankheitsfällen eine Entnahme von insgesamt 279 Blut-, 130 Haut- und 131 Nasentupferproben. Die Reproduktionsleistung der Sauen und Gewichtsentwicklung der Ferkel wurde dokumentiert. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Zuchttiere wiesen Verletzungen in Form von Hautabschürfungen und Lahmheiten nur in geringer Zahl auf. Verletzungen waren zumeist Folge von Rangkämpfen oder Futterneid bei der Zufütterung. Der Ernährungszustand der Tiere unterlag starken Schwankungen, vor allem während der Laktation. Die Tiere konnten zwar einen Teil der benötigten Energie aus dem Weideaufwuchs beziehen, benötigten aber gerade während der Laktation eine leistungsgerechte und ihrem Ernährungszustand entsprechende Zufütterung (ca. 3 – 4 kg eines Getreideschrotes pro Sau und Tag). Bei der Mehrzahl der adulten Tiere konnten Infektionen mit Kokzidien, Magen-Darm-Strongyliden (MDS), Askariden, Metastrongyliden und Trichuris nachgewiesen werden, ohne dass die Tiere klinisch erkrankten. Auf allen Betrieben waren die Tiere ständig mit Kokzidien infiziert, auf zwei Betrieben traten kontinuierlich MDS auf. Askariden, Metastrongyliden und Trichuris konnten jeweils auf zwei Betrieben intermittierend nachgewiesen werden. Anthelminthische Behandlungen beseitigten den Befall nur vorübergehend. Verletzungen und Lahmheiten traten bei den Ferkeln in mäßiger Häufigkeit auf. Nachteilig waren für die Tiere nass-kalte Witterungsverhältnisse und eine hohe Parasitenbelastung. Erstere führten auf einem Betrieb zu deutlich geringeren täglichen Gewichtszunahmen in den Wintermonaten. Ebenso führte eine hohe Parasitenbelastung auf einem Betrieb zu Erkrankungen der Tiere und zu einem hohen Medikamenteneinsatz. Sie waren beim Absetzen stark mit Askariden und Metastrongyliden infiziert. Die erfassten Leistungsdaten zeigten deutliche Unterschiede zwischen den Betrieben, den verwendeten Rassen und im Vergleich zu intensiven Freilandhaltungen. Die Betriebe erreichten etwa 10 leb. geb. Ferkeln pro Sau und Jahr sowie 8,5 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr im Vergleich zu 24 leb. geb. Ferkel pro Sau und Jahr sowie 21 abgesetzten Ferkel pro Sau und Jahr bei intensiven Freilandhaltungen. Besonders Saugferkelverluste bis zu 30 % sind tierschutzrechtlich und wirtschaftlich problematisch. Eine gute Tierbeobachtung kann die Verluste vermindern. Auch die Haltung eines Ebers gemeinsam mit den Sauen ist sinnvoll, um die Reproduktionsleistung zu steigern. Die Abferkelungen sollten möglichst innerhalb einer Woche erfolgen, um Ferkelverluste durch cross-suckling zu verhindern. Die tägliche Zunahme der Ferkel während der Säugezeit betrug ca. 200 g/d. Eine vollständige seuchenhygienische Abschirmung war mit den verwendeten Einzäunungen nicht zu gewährleisten. Kleinsäuger und Vögel konnten nicht von den Weiden ferngehalten werden. Hohe Kosten für den Zaunbau schränken zusätzlich die Wirtschaftlichkeit ein. Die Einhaltung von Hygienemaßnahmen ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen einer solchen Haltungsform. Die rechtlichen Vorschriften für die Einfriedigung sollten den Standortbedingungen angepasst und umgesetzt werden. Wichtig für die Wirtschaftlichkeit sind die prophylaktische anthelminthische Behandlung vor dem Auftrieb der Tiere, eine Verminderung der Ferkelverluste sowie Betreuer mit einem hohen Kenntnisstand bezüglich der Schweinehaltung.

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Thies, Kerstin: Tiergesundheit und seuchenhygienische Aspekte bei extensiver Schweinefreilandhaltung im Rahmen der Landschaftspflege. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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