Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Populationsgenetische Untersuchungen von Fruchtbarkeits-, Milchleistungs- und Körpermerkmalen beim Ostfriesischen Milchschaf

Wessels, Gerda Gunilla

The objective of this study was to specify and analyse the mortality in lambs by means of a field study over 2 years. Further on, milk performance, fertility and linear type traits and their correlations were analysed by using statistical methods. Analysis of milk protein polymorphisms should provide information about the usefulness of the analysis of genotypes as criteria of selection for milk quality. The presented field study included seven flocks, which were examined during the lambing season in 2001 and 2002. 712 of the 751 born lambs were born alive and 641 of those could be reared. 17 lambs died perinatal and 54 lambs died during the postnatal period. The main reasons for lamb mortality were debility/ hypothermia/ starvation on the one hand and respiratory diseases on the other. 21 lambs were born dead. It was determined by using a c 2 -test that significantly more male than female lambs were born dead. This significant difference between the sexes was not observed for lambs, which died in the perinatal or postnatal period. For those lambs it could be demonstrated, that significantly more of them were assigned to the weight classes I and III (I = light and III = heavy). Therefore it was concluded that significantly more lambs can be successfully reared if they are assigned to the weight class II (II = middle). The analyses of the linear type traits were based on 456 measurements of 263 ewes from flocks located in Lower Saxony and Westphalia. Heritabilities, variances and correlations were estimated by using a multivariate animal model. 6772 test day records of 917 milk sheep with 1207 lactations as milk performance traits and 2721 lambings of 1317 ewes as fertility traits were used for determination. The heritability estimates for the examined linear type traits wither height, rump height, heart girth and length of trunk were high (h2 = 0.43 to 0.60). Furthermore, the additive genetic correlations between those traits were in the range of rg = 0.688 and rg = 0.955. Using a multivariate model, which included fertility and milk performance traits, high additive genetic correlations between heart girth and litter size as well as between length of trunk and litter size were estimated (rg = 0.433 and rg = 0.777). The additive genetic correlations between linear type traits and milk yield were in the range of rg = -0.007 and rg = 0.298. The estimated additive genetic correlations between milk content traits and linear type traits were low to middle, partly negative or close to zero (rg = -0.044 and rg = 0.404). SCS was high and positive correlated to the heart girth (rg = 0.514), while the additive genetic correlations between SCS and the other linear type traits were low. Heritabilities for fertility traits (number of total born lambs, of born lambs alive and of reared lambs) where estimated by using a multivariate model. Heritability estimates ranged from h2 = 0.052 to 0.061. The analysis of milk protein polymorphisms showed no significant effect of the β-Lactoglobulin on any of the milk performance traits or SCS. Though there was a significant difference in fat content between genotype AA and genotype BB. The αs2-Casein showed a significant effect on fat yield. Additionally there was a significant difference for the αs2-Casein between genotype BB and genotype BC in milk and fat yield. β-Casein had a significant effect on fat and protein content and αs1-Casein on protein content. αs1-Casein showed a significant difference between the genotypes CC and CX for CC being higher in protein content. The statistic analysis of fertility and milk performance traits in chapter 4 was based on 9729 test day records of 1108 milk sheep located in Lower Saxony, Westphalia and Bavaria with 1746 lactations. Using a multivariate test day model with fixed regression, heritabilities were estimated for milk yield traits of h2 = 0.15. The heritability estimates for fat and protein content as well as for SCS were h2 = 0.09, h2 = 0.20 and h2 = 0.16. Heritability estimate for litter size at birth was h2 = 0.04. The additive genetic correlations between milk yield traits were high and positive (rg = 0.68 to 0.83). Additive genetic correlations between milk performance traits and litter size at birth were low and positive (rg = 0.01 to 0.08), while the additive genetic correlation between litter size and SCS was negative (rg = -0.15). In conclusion the improvement of litter size through genetic evaluation procedures is expected to be low, but it is recommended to include this trait in a multitrait selection index for milk performance traits in order to avoid negative selection response in future generations.  

Ziel dieser Arbeit war es, in einer zweijährigen Feldstudie, die Ursachen von Lämmerverlusten zu spezifizieren und zu analysieren. Des weiteren wurden mit Hilfe von populationsgenetischen Methoden Körper-, Milchleistungs- und Fruchtbarkeitsmerkmale und deren Zusammenhänge untersucht. Eine Analyse von Milchproteinpolymorphismen sollte Aufschluss darüber geben, inwieweit die Analyse von Genotypen als Selektionskriterium für die Milchqualität genutzt werden kann.   Für die vorliegende Feldstudie wurden insgesamt 7 Betriebe aus Niedersachsen in den Jahren 2001 und 2002 während der Ablammsaison untersucht. 712 der 751 geborenen Lämmer wurden lebend geboren, von diesen wiederum konnten 641 Lämmer aufgezogen werden. Es verendeten 17 Lämmer um den Zeitpunkt der Geburt und 54 während der postnatalen Phase. Die häufigsten Ursachen für das Verenden von Lämmern waren Lebensschwäche und respiratorische Symptome. 21 Lämmer kamen schon tot auf die Welt. Bei diesen konnte mittels c 2 - Tests festgestellt werden, dass signifikant mehr männliche Tiere tot geboren wurden. Auf die Anzahl der verendeten Lämmer hatte das Geschlecht dagegen keine Signifikanz. Bei diesen Lämmern zeigte sich, dass signifikant mehr Lämmer aus den Geburtsgewichtsklassen I und III verendeten, also sehr leichte und schwere Lämmer, was zu dem Umkehrschluss führt, dass signifikant mehr Lämmer aufgezogen werden können, wenn sie der Geburtsgewichtsklasse zwei entstammen. Für die Auswertungen der Körpermerkmale standen 456 Messungen von 263 teils mehrmals gemessenen Tieren aus den Schafzuchtverbänden Niedersachsen, Weser-Ems und Westfalen-Lippe zur Verfügung. Mittels multivariaten Tiermodells wurden Heritabilitäten, Varianzen und Korrelationen geschätzt. Für die multivariate Auswertung konnten 6772 Testtagsergebnisse aus 1207 Laktationen von 917 Tieren und Angaben über 2721 Ablammungen von 1317 Tieren verwendet werden. Für die vier Körpermerkmale Widerristhöhe, Kreuzhöhe, Brustumfang und Mittelhandlänge wurden für die univariate und multivariate Auswertung hohe Heritabilitäten geschätzt, die in einem Bereich von h2 = 0,43 bis 0,60 lagen. Außerdem war die additiv-genetische Korrelation für alle vier Merkmale sehr hoch (rg = 0,688 bis 0,955). Bei der multivariaten Auswertung, in die auch die Milchleistungsmerkmale und die Fruchtbarkeitsmerkmale mit eingingen, konnten hohe additiv-genetische Korrelationen zwischen dem Brustumfang bzw. der Mittelhandlänge und der Anzahl insgesamt geborener Lämmer geschätzt werden (rg = 0,433 und rg = 0,777). Die additiv-genetischen Korrelationen zwischen den vier Körpermerkmalen und der Milchmenge lagen in einem Bereich von rg = -0,007 bis rg = 0,298. Die geschätzten additiv-genetischen Korrelationen zwischen den Gehaltsmerkmalen und den Körpermerkmalen waren niedrig bis mittel oder lagen fast bei Null (rg = -0,044 bis 0,404). Der SCS korrelierte mit dem Brustumfang hoch und positiv (rg = 0,539), während die übrigen drei Körpermerkmale niedrig mit dem SCS korrelierten. Die multivariate Auswertung der Fruchtbarkeitsmerkmale Anzahl insgesamt, lebend geborener und aufgezogener Lämmer dieses Untersuchungsabschnitts ergab Heritabilitätsschätzwerte von h2 = 0,052 bis 0,061. Bei der Analyse der Milchproteinpolymorphismen konnten für das Milchprotein β-Lactoglobulin keine signifikanten Einflüsse auf die Milchleistungsmerkmale und den SCS festgestellt werden. Trotzdem hatte der Genotyp AA des β-Lactoglobulins einen signifikant höheren Fettgehalt als der Genotyp BB. Das α-s2-Casein zeigte einen signifikanten Einfluss auf die Fettmenge, wobei der Genotyp BC dem Genotyp BB überlegen war. Zusätzlich hatte der Genotyp BC auch eine signifikant höhere Milchmenge gegenüber dem Genotyp BB. Das β-Casein hatte einen signifikanten Einfluss auf Fett- und Eiweißgehalt und das α-s1-Casein nur auf den Eiweißgehalt. Beim α-s1-Casein zeigte der Genotyp CC gegenüber dem Genotyp CX einen signifikanten Unterschied im Eiweißgehalt und beim β-Casein hatte der Genotyp AA einen signifikant höheren Fett- und Eiweißgehalt als die Genotypen BB und CC. Die populationsgenetische Untersuchung der Fruchtbarkeits- und Milchleistungsmerkmale des vierten Abschnitts basierte auf 9729 Testtagsergebnissen aus 1746 Laktationen von 1108 Milchschafen der Schafzuchtverbände Niedersachsen, Weser-Ems, Westfalen-Lippe und Bayern. Mittels multivariaten Testtagstiermodells mit fixer Regression wurden Heritabilitäten für die Milch-, die Fett- und die Eiweißmenge von h2 = 0,15 geschätzt. Die Heritabilitäten für den Fett-, den Eiweißgehalt und den SCS lagen bei h2 = 0,09, h2 = 0,20 und h2 = 0,16. Der Heritabilitätsschätzwert für die Anzahl geborener Lämmer lag bei h2 = 0,04. Die additiv-genetischen Korrelationen zwischen den Milchmengenmerkmalen waren hoch und positiv (rg = 0,683 bis 0,833). Die additiv-genetischen Korrelationen zwischen den Milchleistungsmerkmalen und der Anzahl Lämmer waren positiv (rg = 0,013 bis 0,080), wohingegen die Korrelation mit dem SCS negativ war (rg = -0,152). Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass aufgrund der niedrigen Heritabilität für das Merkmal Anzahl geborener Lämmer nur ein geringer Zuchtfortschritt zu erwarten ist. Allerdings sollte das Merkmal Anzahl geborener Lämmer bei der Selektion nicht vernachlässigt werden, um eine negative Selektion dieses Merkmals zu vermeiden.

Quote

Citation style:

Wessels, Gerda Gunilla: Populationsgenetische Untersuchungen von Fruchtbarkeits-, Milchleistungs- und Körpermerkmalen beim Ostfriesischen Milchschaf. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

Rights

Use and reproduction:
All rights reserved

Export