Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Zu Topographie und Struktur des Vinculum tendinis in der Fesselbeugesehnenscheide der Schulter- und Beckengliedmaßen des Pferdes

Neumeier, Wolf

This paper investigates the Vincula tendinum according to its topography and structure in the fetlock tendon sheath of horses in order to identify any differences between fore- and hindlimbs. The Vincula tendinum were analyzed both, from a macroscopic and microscopic perspective. 35 forelimbs and another 35 hindlimbs have been prepared for the macroscopic investigation. Hereby, the Vincula tendinum have been approached and distinguished according to its origin, insertion, number of tendon sheaths, shape and size. For the microscopic evaluation 8 forelimbs and 8 hind limbs were used, and histological slides of the Vincula tendinum were analyzed after staining with  toluidine blue and the orcein stain. All macroscopically examined 35 fore- and 35 hindlimbs demonstrated that the Vinculum tendinis were located between the dorsal wall of the fetlock tendon sheath and the dorsal wall of the deep digital flexor tendon. In more than two thirds of the examined cases the Vincula arose between the straight sesamoidean ligament and the insertion tracts of the superficial digital flexor tendon. At approximately each 6th fore- and hindlimb the Vincula’s origin can be found on the straight sesamoidean ligament. At 6 forelimbs only the origin of the Vincula was extended up to the distal girdle of the Manica flexoria. Approximately half of the samples show an axial insertion of the Vincula tendinum at the dorsal wall of the deep digital flexor tendon. The abaxial insertion of the Vincula tendinum has been found at 24 forelimbs and at 5 hindlimbs. Further on, 7 forelimbs and only one hind limb show a widespread insertion of the Vincula tendinum on the tendon. Approximately two thirds of the forelimbs samples show two Vincula tendinum, the remaining one third has only one. In contrast, 83% of the hindlimb samples have one Vinculum tendinis, only 17% have two Vincula. In 57 samples (out of 70) have a ribbon-like shape Vinculum tendinis or show at least a curved shape base structure. Further shapes found of the Vincula in the tendon sheath were tubular, right-angled (orthogonal), horseshoe-shaped or two-tracted. A comparison of the size of the Vincula reveals that on the forelimbs the origin is wider, whereas its lengths are substantially shorter in average than those of the hindlimbs. The widths of the insertions and the narrowest part of the Vincula show no significant difference. The microscopically examined Vincula tendinum consist of a connective tissue, which is rich in collagenous as well as elastic fibres. The Vincula surface was covered by a distinctly capillarized synovial membrane. Additionally, blood vessels, some single lymph vessels and nerves have been found in this connective tissue. Based on this research it can be assumed that the Vincula tendinum fulfill rather a stabilizing than a supplying function for the deep digital flexor tendon.

In der vorliegenden Arbeit wurden die Vincula tendinum nach Topographie und Struktur in der Fesselbeugesehnenscheide von Pferden untersucht, um festzustellen, ob Unterschiede an Vorder- bzw. Hinterextremitäten bestehen. Die Vincula tendinum wurden sowohl makroskopisch als auch mikroskopisch betrachtet. Bei der makroskopischen Untersuchung sind 35 Vorder- und 35 Hintergliedmaßen präpariert worden. Dabei wurden die Vincula tendinum nach Ursprung, Ansatz und Anzahl in der Sehnenscheide, sowie nach Form und Größe untersucht. Für die mikroskopische Untersuchung standen die Vincula von 8 Vorder- und 8 Hinterextremitäten zur Verfügung. Die histologischen Präparate der Vincula tendinum wurden mit Hilfe der Toluidinblau- Färbung, sowie der Orcein- Färbung angefärbt und lichtmikroskopisch untersucht. An den 35 makroskopisch untersuchten Vorder- und 35 Hinterextremitäten verlaufen das Vinculum tendinis bzw. die Vincula tendinum zwischen der Dorsalwand der Fesselbeugesehnenscheide und der Dorsalwand der tiefen Beugesehne. In mehr als 2 Drittel der Fälle entspringen die Vincula zwischen dem Lig. sesamoideum rectum und den Insertionsschenkeln der oberflächlichen Beugesehne. Bei ca. jeder 6. Vorder- und Hintergliedmaße befindet sich ihr Ursprung auf dem Lig. sesamoideum rectum. Nur an 6 Vordergliedmaßen dehnt sich der Ursprung der Vincula bis auf den distalen Gurt der Manica flexoria aus. Der Ansatz der Vincula tendinum ist bei ca. der Hälfte der Fälle axial an der Dorsalfläche der tiefen Beugesehne. Der abaxiale Ansatz der Vincula tendinum an der Dorsalfläche der tiefen Beugesehne ist an 24 Vorder- und 5 Hintergliedmaßen zu beobachten. Des weiteren ist an 7 Vorder- und nur einer Hintergliedmaße eine breitflächige Insertion der Vincula tendinum an der Sehne zu finden. Bei ca. zwei Drittel der untersuchten Vordergliedmaßen sind zwei Vincula tendinum vorhanden. Etwa ein Drittel der Vordergliedmaßen besitzt ein Vinculum tendinis. An den präparierten Hintergliedmaßen sind dagegen bei 83% ein Vinculum tendinis und bei 17% der Fälle zwei Vincula vorhanden. In 57 Fällen (n = 70) sind die Vincula tendinum „bandförmig“ oder besitzen eine „bandförmige Grundstruktur“. Allerdings können die Vincula auch „röhrenförmig“, „rechtwinkelig“, sowie „hufeisenförmig“ und „zweischenkelig“ geformt in der Sehnenscheide auftreten. Der Größenvergleich der vermessenen Vincula zeigt, dass sie an den Vordergliedmaßen einen breiteren Ursprung besitzen und durchschnittlich deutlich kürzer sind. Die Breiten der Insertionsstelle und engsten Stelle der Vincula zeigten keinen signifikanten Unterschied. Die mikroskopisch untersuchten Vincula tendinum bestehen aus einem faserreichen Bindegewebe, das sowohl kollagene als auch elastische Fasern enthält. Die Vinculaoberfläche wird von einer deutlich kapillarisierten Synovialmembran gebildet. Außerdem sind in diesem Bindegewebe noch Blutgefäße, vereinzelt Lymphgefäße und Nerven zu finden. Aufgrund dieser Untersuchungen kann angenommen werden, dass die Vincula tendinum für die tiefe Beugesehne eher eine „stabilisierende“ als eine „ernährende“ Funktion erfüllen.

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Neumeier, Wolf: Zu Topographie und Struktur des Vinculum tendinis in der Fesselbeugesehnenscheide der Schulter- und Beckengliedmaßen des Pferdes. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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