Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Beobachtungen zum Verhalten von Schlachtrindern auf Ferntransporten

Richthofen, Isabelle-Beatrice

One can be assumed that every cattle is transported at least once in its lifetime. During transport the animal is exposed to a multitude of stressful events that might have consequences on its well-being. If the well-being is reduced not only the health of the animal is affected but also its meat quality. The term of transportation is not the only stressful factor: Other factors including resting times, loading densities, vehicle equipment and design, driving manner, the treatment of the animal by humans as well as the fodder and water supply of the animals are of great importance. National and EU rules and regulations were enacted in order to minimize stressful events during transportation as well as to satisfy the public interest in animal protection. These regulations contain directives like maximal transport time, minimal space allowance, e.g. There is still not much known about cattle behaviour during transportation. Therefore further field experiments should be carried out. Four commercial livestock transports, containing a total of 204 bulls and 63 steers, were accompanied from northern Germany to the harbour of Koper/Slovenia and the harbour of Trieste/Italy. During these transports the behaviour of cattle was observed. For video recording cameras were installed inside the transport vehicles. The behaviour of the animals was recorded throughout the duration of the entire transport. Certain behaviour characteristics were analysed afterwards. The transports took place during the period of September 2000 to July 2001, so that apart from ethological observations also the weather conditions as well as physiological and biochemical factors were ascertained. The results show that the behavioural repertoire of cattle during transport is clearly reduced. Only few signs for coping like ruminating or laying showing that the animals are getting used to the situation of transportation could be observed during that time. Reduced ruminating during transport is an important indication for lowered well-being. Reduced feed intake seems rather to be dependent on the kind and quality of the feed that is offered. The duration of transport is not the main problem. The well-being of cattle is also dependent on loading density, climate, position inside the vehicle, arrangements of breaks, fodder and water supply. The behaviour is also under the influence of the extern climate. For the better unterstanding of behavioural patterns physiological and biochemical reactions on transportation should be evaluated. The reduced repertoire of behaviour, coming up during the period of transportation, is an indicator for lowered well-being of cattle during that time. The transports should be taking place as rapid as possible. Fodder and water has to be of good quality, suitable for ruminats and contain sufficient energy. Also simplifications of the organisation of transport e.g. at the borders of the EU could improve the duration of transport. These observations during commercial livestock transports can only gain a small insight into the behaviour of cattle being transported and their ethological reactions to the situation. Further experiments are necessary to get more information about behaviour. Therefore especially the camera gear has to be improved. Also the vehicle technology especially in regard to vibration and suspension systems is underestimated and further research in this field must be conducted.

Es ist davon auszugehen, dass jedes Rind mindestens einmal in seinem Leben transportiert wird. Dabei wird es vielen äußeren Einflussfaktoren ausgesetzt, die ihm unbekannt sind und denen es sich nicht entziehen kann. Die dadurch entstehenden Ängste, Stressreaktionen und physischen Belastungen können ein herabgesetztes Wohlbefinden bedingen, welches sich sowohl auf die Gesundheit als auch auf die Fleischqualität auswirken kann. Um das Tier so gut wie möglich bei Transporten schützen zu können und um dem öffentlichen Interesse an tierschutzgerechten Transporten nachzukommen, wurden in Europa und in Deutschland Richtlinien, Verordnungen und Gesetze erlassen, die u.a. die Transportdauer und die Ladedichten begrenzen und Versorgungspausen vorschreiben. Viele der dort festgeschriebenen Werte sind nicht oder nur unzureichend durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Es mangelt besonders an systematischen Praxisversuchen, die neben physiologischen und biochemischen auch das tatsächlich auftretende Verhalten von Rindern auf Ferntransporten als Belastungsindikatoren mit einbeziehen. Es wurden daher Verhaltensbeobachtungen auf vier kommerziellen Ferntransporten 204 Schlachtbullen und 63 Schlachtochsen von Norddeutschland nach Slowenien bzw. Italien vom Ausgangs- bis zum Zielort begleitet. Jeder Transport wurde mit zwei Transportfahrzeugen durchgeführt. Es wurden Kameras in den Fahrzeugen installiert, um Belastungen der Tiere während des Transportes anhand von Verhaltensänderungen einschätzen zu können. Dazu wurden Videoaufnahmen während der gesamten Transportzeit im Inneren der Fahrzeuge aufgenommen, welche dann nach Ende der Transporte nach bestimmten Verhaltensmerkmalen und Funktionskreisen ausgewertet wurden. Die Transporte fanden im Zeitraum von September 2000 bis Juli 2001 statt. Neben ethologischen Beobachtungen wurden auch die Witterungsverhältnisse mit untersucht. In parallelen Studien wurden an diesen Tieren eine Reihe von physiologischen und biochemischen Belastungsindikatoren erhoben (SCHMEIDUCH 2002) sowie das Verhalten der Tiere in den Versorgungsstationen beobachtet (KOS 2001). Aus den durchgeführten Beobachtungen zum Verhalten von Rindern auf Ferntransporten kann geschlossen werden, dass sich der Transport belastend auf Rinder auswirkt. Verglichen mit dem Verhalten im Stall oder auf der Weide ist der Umfang der Verhaltensäußerungen deutlich reduziert, was insbesondere bei den sozialen Interaktionen sowie dem Komfortverhalten zum Ausdruck kommt. Die eingeschränkte Wiederkauaktivität der Rinder während der Transporte ist als wichtiges Anzeichen für ein beeinträchtigtes Wohlbefinden anzuführen. Die geringe Futteraufnahme ist dagegen eher auf die Wahl, die Menge und die Qualität des Futtermittels zurückzuführen. Um diesem entgegen zu wirken, sollten die Rinder vor dem Transport an die Futtermittel gewöhnt werden, die auf den Transporten angeboten werden. Eine Gewöhnung an die Belastungen des Transportes z.B. durch vermehrtes Liegen und Wiederkauen, war nur bedingt erkennbar. Es stellt sich allerdings heraus, dass die Transportdauer nicht als Hauptproblem beim Rindertransport angesehen werden darf, sondern verschiedene Faktoren eng miteinander verflochten sind und gemeinsam Einfluss auf das Wohlbefinden nehmen können. Zu diesen Faktoren gehören neben der Ladedichte, die Fahrzeugausstattung, die Position der Tiere im Fahrzeug, die Versorgung mit Futter und Wasser, das Klima, die Gruppenzusammensetzung und die Organisation des Transportes. Des weiteren stellten sich die Pausengestaltungen als problematisch dar. Die einstündige Pause war zu kurz für die Tiere, um ausreichend Futter in Ruhe aufnehmen zu können, bevor sich die Fahrzeuge wieder bewegten. In der 24-stündigen Pause war besonders die Gestaltung der Stallungen der Versorgungsstationen nicht für Bullen geeignet, da sie sofort nach dem Abladen mit Aufspringen und Rangkämpfen begannen und sich kaum ausruhten oder sich mit der Futter- und Wasseraufnahme beschäftigten. Da so viele Parameter das Verhalten und somit das Wohlbefinden beeinflussen, kann jeder Transport neue Probleme aufwerfen, da oftmals das Zusammenspiel einzelner oder mehrerer Parameter nicht gelingt. Es ist also von dringender Notwendigkeit, dass Transporte langfristig geplant und von fachkundigem Personal durchgeführt werden. Während dieser Untersuchung konnten keine Indikatoren für unzumutbare Belastungen der Rinder festgestellt werden, doch darf nicht vergessen werden, dass die Rinder nach der 24-stündigen Versorgungspause einen mehrtägigen Schiffstransport antreten. Auch aus diesen Gründen sollte der Straßentransport so schonend und so zügig wie möglich durchgeführt werden. Die Versorgung der Tiere unterwegs sollte nur mit Trinkwasser und wiederkäuergerechtem Futter guter Qualität erfolgen. Auch könnten Vereinfachungen organisatorischer Maßnahmen erhebliche Verbesserungen für die Tiere bringen. So sollten z.B. die Standzeiten an den EU-Außengrenzen möglichst gering gehalten werden. Die vorgelegten Praxisbeobachtungen konnten nur einen ersten Einblick in das Verhalten der Tiere auf den Transporten und ihre ethologischen Reaktionen darauf geben. Weitere Versuche, auch mit verbesserter Kameraausrüstung, sind notwendig. Die Unterschiede im Verhalten der Tiere in den beiden Etagen der Transportfahrzeuge verdeutlichen, dass Verbesserungen an den Fahrzeugen besonders im Bezug auf Vibration und Federung von erarbeitet werden sollten. Dies trifft auch auf die Lüftungssysteme der Fahrzeuge zu.

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Richthofen, Isabelle-Beatrice: Beobachtungen zum Verhalten von Schlachtrindern auf Ferntransporten. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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