Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Randomisierte Blindstudie zur präemptiven Schmerztherapie beim Hund

Bergmann, Hannes

The purpose of this randomized blind study was to show preemptive effects of carprofen (Rimadyl®) and local anesthetic techniques with mepivacaine (Mepivacain 2%) and to evaluate side effects of pre- or postoperatively administered carprofen on hemostasis and renal function in dogs.   60 client-owned dogs undergoing fracture repair or carpal arthrodesis were randomly assigned to one of 4 groups. Carprofen (4 mg/kg SC) was administered in group Cpost and LCpost after ex­tubation, in group Cprä and LCprä 1 hour before induction. An epidural anesthesia or a paravertebral brachial plexus nerve block was performed in group LCpost and LCprä with mepivacaine 2% (5 mg/kg) 15 min before surgical incision. Anesthesia was induced with levomethadone (0.6 mg/kg IV) and diazepam (1 mg/kg IV) and maintained with isoflurane in an oxygen / nitrous oxide mixture. Each group received carprofen (4 mg/kg SC) once daily on the 4 consecutive days. The patients were monitored closely for the period of 5 days. If the pain score was above 30 in a 100 mm visual analogue scale (VAS) at any time, additional opioid analgesics were administered. Tests were performed to evaluate renal function and hemostasis at various times before and after surgery.   In group LCpost and LCprä significantly less isoflurane was needed to maintain anesthesia. During the first 6 hours after surgery, group LCpost and LCprä had significant lower pain scores and less opioid consumption than group Cpost and Cprä. In contrast to group Cpost an earlier improvement of lameness and on days 2 to 5 after surgery lower pain scores and less opioid consumption could be noticed in group Cprä, LCpost and LCprä; these results were, however, not significant. The visual analogue system and the determination of postoperative opioid-consumption seemed to be the most sensitive methods of pain assessment in this study. Mechanical threshold testing, heart- and respiratory rate, blood pressure and plasma glucose- and corti­sole-concentration were no reliable methods of pain assessment. Renal function tests and hemostatic variables did not show significant differences among the 4 groups. Respective preoperative values, however, where not within reference value in many patients. All changes that occurred initially improved considerably, in most cases reached reference value within an observation period of 5 days.   Preincisional local anaesthesia and preoperatively administered carprofen - to a minor degree - were  efficient for postoperative pain release. No preemptive carprofen-effect could be seen if local anesthesia was performed preoperatively. Carprofen did not cause clinical relevant side effects after 5 days of treatment when administered preoperatively or given to patients with trauma induced altered kidney function or hemostasis. Patients with elevated plasma urea nitrogen and plasma creatinine or patients with prolonged capillary bleeding time were excluded from the study. In patients undergoing fracture repair the postoperative administration of carprofen is sufficient if preincisional local anesthesia is performed.

In der vorliegenden randomisierten Blindstudie sollte die antinozizeptive Effizienz von präoperativ appliziertem Carprofen (Rimadyl®) und präoperativ durchgeführter Lokalanästhesie mit Mepivacain (Mepivacain 2%®) überprüft werden. Darüber hinaus sollte das Ausmaß an Nebenwirkungen von Carprofen auf die Nierenfunktion und die Blutgerinnung nach prä- und postoperativer Applikation untersucht werden.   Hunde mit Femur-, Becken- oder Humerusfrakturen und Hunde, an denen eine Karpalgelenksarthrodese durchgeführt werden sollte, wurden in 4 Gruppen unterteilt. Den Gruppen Cpost und LCpost wurde Carprofen (4 mg/kg SC) zum Zeitpunkt der Extubation, den Gruppen Cprä und LCprä 1 Stunde vor Narkoseeinleitung verabreicht. In Gruppe LCpost und LCprä wurde zusätzlich 15 Minuten vor dem chirurgischen Eingriff eine Epiduralanästhesie oder eine paravertebrale Plexus-Brachialis-Blockade mit Mepivacain (0,5 ml/10cm SSL bzw. 1 ml / 4,5 kg KM) durchgeführt. Zur Narkoseeinleitung wurde Levomethadon (0,6 mg/kg IV, max. 25 mg) und Diazepam (1 mg/kg IV max. 25 mg) verwendet. Die Narkose wurde mit Isofluran in einem Sauerstoff-Lachgasgemisch aufrechterhalten. Alle Patienten der vier Gruppen erhielten Carprofen (4 mg/kg SC) 1-mal täglich an den 4 darauf folgenden Tagen. Die Untersuchungen erfolgten präoperativ, am Tag der Operation in stündlichen Abständen bis 6 Stunden postoperativ sowie an den folgenden Tagen vormittags und nachmittags. Bei stark erhöhten Schmerzgraden wurden zusätzlich Opioide appliziert.   Die präoperative Epiduralanästhesie oder paravertebrale Plexus-Brachialis-Blockade in Kombination mit einer systemischen Opioidapplikation führte zu einer deutlichen Reduktion des intraoperativen Isofluranverbrauchs, deutlich niedrigeren VAS-Schmerzgraden und einem deutlich geringeren zusätzlichen Bedarf an Opioiden während der ersten 6 Stunden post operationem. Während vor allem bei Patienten, bei denen keine Lokalanästhesie durchgeführt wurde, in den ersten 6 Stunden postoperativ zusätzliche Analgetika appliziert werden mussten, war ab Tag 2 in den allermeisten Fällen Carprofen als alleiniges Analgetikum ausreichend. Die präoperative Applikation von Carprofen in Gruppe Cprä führte zu tendenziell niedrigeren VAS-Schmerzgraden, besseren Belastungsgraden und zu einem geringeren Opiodverbrauch im Vergleich zu Gruppe Cpost. Während die Schmerzbeurteilung mittels VAS-System oder anhand des postoperativen Opioid­verbrauchs am sensitivsten erschien, war in vorliegender Studie die Messung der mechanisch nozizep­tiven Schwelle, der Herz- und Atemfrequenz und die Messung von Blutdruck, Glukose- oder Kortisol­konzentration ungeeignet zur Beurteilung des Analgesiegrades. In der präoperativen Untersuchung wurden bei vielen Patienten trotz einer unveränderten kapillären Blutungszeit eine pathologisch veränderte Thrombozytenaggregation und eine verlängerte Prothrom­bin- und partielle Thromboplastinzeit festgestellt. Ebenso wiesen viele Patienten in der Eingangsunter­suchung eine pathologisch reduzierte glomeruläre Filtrationsrate, einen erhöhten Urin-Pro­tein/Kreatinin- Quotienten und ein pathologisch verändertes Urinelektrophoresemuster auf, obwohl die Harnstoff- und Kreatininkonzentrationen bei allen Patienten innerhalb des Referenzbereichs lagen. In der überwiegenden Zahl der Fälle trat jedoch innerhalb des Untersuchungszeitraumes eine deutliche Verbesserung auf; mit wenigen Ausnahmen wurde an Tag 5 der Referenzbereich erreicht. Somit führte weder der postoperative Einsatz von Carprofen über 5 Tage noch die präoperative Anwendung zu einer klinisch relevanten Beeinträchtigung der Nierenfunktion und Blutgerinnung. Gastrointestinale oder hepatische Nebenwirkungen konnten ebenfalls nicht beobachtet werden.   Der präoperative Einsatz von Carprofen ist als Ergebnis der eigenen Untersuchung auch bei traumati­sierten Patienten unbedenklich. Es wurden jedoch nur Patienten ohne schwere Schocksymptomatik, ohne erhöhte Harnstoff- und Kreatininkonzentrationen oder verlängerte kapilläre Blutungszeiten zur Prüfung der Wirkung und Nebenwirkung von Carprofen in die Studie aufgenommen. Bei gleichzeitiger Durchführung einer Lokalanästhesie und dem präoperativen Einsatz von Levomethadon als präemptive und multimodale Schmerztherapie scheint die postoperative Applikation von Carprofen bei Frakturpa­tienten auszureichen

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Bergmann, Hannes: Randomisierte Blindstudie zur präemptiven Schmerztherapie beim Hund. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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