Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Rekonvaleszenz und Verbleib von Kühen nach Behebung der linksseitigen Labmagenverlagerung mittels perkutaner Abomasopexie nach GRYMER und STERNER im Vergleich zur Omentopexie nach DIRKSEN

Freital, Julia

It was the aim of this study to compare the effect of two basically different surgical approaches for the treatment of left sided abomasal displacement (LDA) on post-surgical convalescence in dairy cows. The two surgical methods used were (a) transcutaneous abomasopexy according to GRYMER and STERNER (1982) and (b) right sided laparotomy with omentopexy according to DIRKSEN (1967). A total of 188 German HF dairy cows suffering from LDA (less than 50 days post partum and without other substantial concurrent diseases (as mastitis, endometritis or lameness) were housed for 5 days under controlled clinical conditions. Cows were assigned by a randomised procedure to one of the surgical methods (percutaneous fixation: N = 88; omentopexy: N = 100). Surgery was carried out at day 1. On day 1 and day 5 venous blood samples and liver bioptates for clinical biochemistry were obtained; serum levels of  Non Esterified Fatty Acids (NEFA), ß-hydroxybutyrat (ß-HBA), glutamat dehydrogenase (GLDH), aspartat amino transferase (AST), γ-glutamyl transferase (γGT), total bilirubin, creatinine kinase (CK) and cholesterol, plasma concentrations of ammonia, plasma ratio of branched chain (valine, leucine, isoleucine) and aromatic amino acids (tyrosine, phenylalanine) and liver triacylglycerol were determined.  In addition, a clinical investigation was carried out from day 1 to day 5 including daily feed intake and milk yield. The energy balance was calculated. The prevalence of liver failure was estimated using a discriminant analysis (parameter included plasma amino acid ratio and blood levels of ammonia, AST and cholesterol). Finally, follow-up examinations were performed up to 24 months after release of the patient from the clinic by questionnaires at regular intervals. Mean feed intake and daily milk yield of the cows increased marginally but significantly faster following percutaneous fixation of the abomasum as compared to laparotomy; the energy balance was more negative in the latter group compared to the cows treated by percutaneous fixation. On average, blood chemistry showed no statistical significant differences between the two groups. At day 1 the majority of cows in both groups mobilized body fat extensively, exhibited ketosis and moderate to severe fatty liver. On average, mobilization of body fat as indicated by serum levels of NEFA and ß-HBA decreased in cows of both groups post surgery to nearly the same extent. However, by means of the discriminant analysis 20 out of 188 cows (11%) were identified as suffering from transient liver failure on day 5 post operationem. There was no evidence for a significant effect of the surgical procedure on the likelihood of the occurrence of liver failure. Follow-up examinations revealed no difference in the culling rate of both groups. Overall, culling rate 12 and 24 month after surgery was approximately 32 % and 23 %, respectively. Main reasons for culling were infertility, mastitis, lameness and poor milk yield. These figures found for the surgically-treated cows are in close agreement to the culling rate for the entirety of cows in regional herdbook cooperations.   In conclusion, to sustain the economic value of dairy cows suffering from left sided abomasal displacement the surgical method choosed appears to be of minor importance. The advantage which might be visible at the side of the percutaneously treated cows by faster return to normality in feed intake and milk yield appears in this study, however,  to be without substantial consequences for the health status of the patients in the medium and long run.

In einer prospektiven klinischen Studie an 188 Rindern mit linksseitiger Labmagenverlagerung wurde die postoperative Entwicklung nach direkter Abomasopexie, durchgeführt als perkutane Fixation nach GRYMER u. STERNER (1982), mit der nach rechtsseitiger Laparotomie mit Omentopexie nach DIRKSEN (1967) verglichen. Die Patienten wurden über ein randomisiertes Auswahlverfahren einem der beiden chirurgischen Verfahren zur Behebung der Labmagenverlagerung zugeteilt und 5 Tage unter kontrollierten Bedingungen in der Klinik für Rinder der Tierärztlichen Hochschule Hannover gehalten. Die jeweilige Labmagenfixation erfolgte am Tag 1, am Tag 5 wurden letztmalig klinische (Tag 1 bis Tag 5) und laborklinische (Tag 1 und Tag 5) Parameter erfasst. Klinisch wurden täglich Futteraufnahme und Milchleistung quantitativ ermittelt sowie die nutritive Energiebilanz unter Berücksichtigung der Körpermasse bestimmt. Laborklinisch wurden die Serumspiegel von unveresterten Fettsäuren (NEFA), Beta-Hydroxybutyrat (ß-HBS), Glutamatdehydrogenase (GLDH), Aspartat-Aminotransferase (AST), Gamma-Glutamyltransferase (gGT), Gesamtbilirubin (GB), Creatininkinase (CK) und Cholesterin, der Plasmaspiegel von Ammonium, der Triglyceridgehalt im Lebergewebe sowie der Plasma-Aminosäurenindex (ASI) gemessen. Mit Hilfe diskriminanzanalytischer Berechnungen wurde die Prävalenz einer Leberfunktionsstörung der untersuchten Kühe erfasst. Zusätzlich wurden die Tiere postoperativ mehrfach, bis zu 24 Monaten, im Heimatbetrieb im Bezug auf ihren Verbleib, bzw. Grund des Abgangs nachkontrolliert. Hierzu konnten verlässlich Angaben von 150 Tieren gesammelt werden. Folgende Ergebnisse wurden erzielt: Die perkutan fixierten Tiere steigerten postoperativ sowohl die durchschnittliche Futteraufnahme als auch die Milchleistung geringfügig aber signifikant rascher als die laparotomierten Kühe. Ebenso verringerten sie das Ausmaß des bestehenden mittleren Energiedefizits schneller als die laparotomierten Patienten. Die laborklinischen Parameter ergaben im Mittel keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Tieren der beiden Operationsgruppen. Am Tag 1 zeigten die meisten Tiere eine beachtliche Rate an Körperfettmobilisation, wiesen eine Ketose auf und hatten mittlere bis hohe Leberfettgehalte. Im Durchschnitt fielen die durch die Gehalte an NEFA und ß-HBS identifizierten Körperfettmobilisationsraten postoperativ in beiden Behandlungsgruppen nahezu parallel ab. Die Diskriminanzanalyse filterte 20 Tiere mit Leberinsuffizienz heraus, allerdings ließ sich auch hier keine Verbindung zu einer bestimmten Operationsmethode feststellen. Bei der Nachkontrolle des Verbleibs der Tiere war die postoperative Verwertung durch den Halter unabhängig von der gewählten Operationsmethode sowie der Feststellung einer perioperativen manifesten Leberfunktionsstörung. Hauptgründe für die Merzung der Tiere waren für die Tierhalter vornehmlich Unfruchtbarkeit, Eutergesundheitsprobleme, Lahmheiten sowie mangelhafte Milchleistung. In beiden Gruppen verließen in den ersten 12 Monaten post operationem etwa 32% der Tiere die Herde. Weitere 23% der ehemaligen Patienten wurden in den folgenden 12 Monaten verwertet, so dass 24 Monate nach Klinikentlassung noch etwa 45% der ehemaligen Patienten aus beiden Operationsgruppen im Betrieb standen. Die aufgezeigte postoperative Abgangsgsrate unter den ehemaligen Patienten entspricht etwa den in der niedersächsischen Herdbuchzucht vorhandenen Angaben. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die möglichst rasche Behebung einer bestehenden linksseitigen Labmagenverlagerung zur Erhaltung der Wirtschaftlichkeit des Nutztieres im Vordergrund steht und die Wahl der Methode nur zweitrangigen Charakter besitzt. In der Regel spielt eine die Labmagenverlagerung begleitende Leberinsuffizienz nur eine sehr kurzfristige und vorübergehende Rolle und kann durch gleichzeitige Therapie der vorhandenen Stoffwechselstörungen (Ketose, Lipomobilisation) transient bleiben. Der sich bei den perkutan fixierten Tieren scheinbar ergebende Vorteil durch die geringfügig raschere Normalisierung der Futteraufnahme und Milchleistung, lässt sich mittel- und langfristig nicht weiter verifizieren.

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Freital, Julia: Rekonvaleszenz und Verbleib von Kühen nach Behebung der linksseitigen Labmagenverlagerung mittels perkutaner Abomasopexie nach GRYMER und STERNER im Vergleich zur Omentopexie nach DIRKSEN. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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