Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Standardisierung und klinische Anwendung visuell evozierter Potentiale (VEP) beim Hund

Krause, Antje

The present work examined the measurement of visual evoked potentials (VEP) after light stimulation in healthy dogs and tested the applicability and validity of this measurement in selected intracranial diseases in the visual pathways. The first part of the investigation examined the ability to derive visual evoked potentials in awake, sedated, and anaesthetized dogs. VEP curves could not be derived in awake dogs because of a high artefact rate, while the measurement in acepromazine-sedated dogs led to the derivation of reproducible VEP curves. In the anaesthetised dogs (premedication: levomethadone/diazepam or propofol, anaesthesia: isoflurane) no VEP curve could be derived. The second part of the study tested the influence of three different light sources on the VEP with changing positions for the active electrodes. Stimulation was by unpatterned white and red light. It could be shown that stimulation with unpatterned light produced an electroretinogram up to the occipital region. By stimulation with patterned light, a further derivation of the electroretinogram only as far as the position „Fz“ on the os frontale was observed. This part of the study also showed that the position „Cz“ central on the scalp as the active electrode position delivered somewhat larger VEP after stimulation with the patterned red light source than the position „Oz” on the os occipitale. The third part of the study served as the evaluation of the reference electrode positioning. Examination of the reference electrode position „Fpz“ between the eyes took place under sedation and anaesthesia. It could be shown that electroretinographic components resulted when the reference electrode was placed in proximity to the retina. For the evaluation of the reference electrode „Base of Ear“, measurements were taken under sedation and general anaesthesia. It was evident that positioning the reference electrode in proximity to the visual cortex caused a diminution of the VEP. The positioning of the reference electrode on the chin was best suited for the derivation of VEP curves in dogs. Based on this study, an investigation followed to determine the reference values and the physiologic bandwidth for the VEP in beagles. VEP curves were measured in 15 beagles after stimulation with patterned red light and the electrode position Cz(+) – Ch(-). For all measurements two positive and negative peaks (N1, P1, N2, P2) could be derived. The average latency (± standard deviation) was for N1 36,3 ms (± 5,2 ms), for P1 48,4 ms (± 5,6 ms), for N2 81,8 ms (± 3,9 ms) and for P2 120,5 ms (± 5,3 ms). The average amplitude height (± standard deviation) was for N1P1 3,7 µV (± 2,4 µV) and for P1N2 18,1 µV (± 6,7 µV). The clinical pool for VEP measurement was demonstrated by nine patients of the Clinic of Small Animals of the College of Veterinary Medicine in Hannover in whom a focal lesion in the area of the visual pathways of the central nervous system was established. Three of these patients were completely blinded. In these dogs there was a complete effacement of the VEP curves after stimulation of both eyes. The remaining six patients, who showed varying visual deficits, exhibited different changes in the VEP curves. Latency changes, remnant potentials and changes in curve shape were observed. In all these patients it was possible to match localisation of the intracranial process with changes in the VEP of a specific side. In one case with a histopathologically confirmed lesion in the peripheral visual pathway, a latency delay in the VEP could be established. The use of the VEP in patients has shown, that the localization of a lesion in the central or peripheral visual pathway seems to be possible.

In der vorliegenden Arbeit wurde die Messung visuell evozierter Potentiale (VEP) nach Lichtstimulation beim gesunden Hund untersucht und die Anwendbarkeit und Aussagekraft dieses Messverfahrens bei ausgesuchten intrakraniellen Erkrankungen im Bereich der Sehbahn geprüft. Im ersten Untersuchungsabschnitt wurde die Ableitbarkeit von visuell evozierten Potentialen am wachen, sedierten und narkotisierten Hund untersucht. VEP-Kurven konnten am wachen Hund aufgrund einer hohen Artefaktrate nicht abgeleitet werden, während die Messung beim mit Azepromacin sedierten Hund zu einer Ableitung reproduzierbarer VEP-Kurven führte. Bei narkotisierten Hunden (Prämedikation: Levomethadon/Diazepam bzw. Propofol, Narkose: Isofluran) konnten keine VEP-Kurven abgeleitet werden. Im zweiten Untersuchungsabschnitt wurde der Einfluss drei verschiedener Lichtquellen auf das VEP bei wechselnder Positionierung der Ableitelektroden getestet. Stimuliert wurde mit ungemustertem Weiß- und Rotlicht und gemustertem Rotlicht. Es konnte gezeigt werden, dass bei Stimulation mit ungemustertem Licht ein Elektroretinogramm bis in die Okzipitalregion abzuleiten war. Bei Stimulation mit gemustertem Rotlicht war eine Weiterleitung des Elektroretinogrammes nur bis an die Position „Fz“ auf dem Os frontale zu beobachten. Dieser Untersuchungsteil zeigt ebenfalls, dass die Position „Cz“ zentral auf dem Schädel als Ableitelektrodenposition nach Stimulation mit der gemusterten Rotlichtquelle ein etwas größeres VEP lieferte, als die Position „Oz“ am Os occipitale. Der dritte Untersuchungsabschnitt diente der Überprüfung der Positionierung der Referenzelektrode. Die Untersuchung der Referenzelektrodenposition „Fpz“ zwischen den Augen erfolgte in Sedation und Narkose. Es konnte gezeigt werden, dass elektroretinographische Komponenten durch eine Positionierung der Referenzelektrode in der Nähe der Retina entstehen. Für die Untersuchung der Referenzelektrodenposition „Ohrbasis“ erfolgten Messungen in Sedation und in Vollnarkose. Es wurde deutlich, dass durch diese Positionierung der Referenzelektrode in der Nähe des visuellen Kortex eine Verkleinerung des VEP’s hervorgerufen wird. Die Positionierung der Referenzelektrode am Kinn (Position „Ch“) eignete sich zur Ableitung der VEP-Kurven des Hundes am besten. Basierend auf diesen Untersuchung erfolgte die Ermittlung von Referenzwerten und der physiologischen Bandbreite für das VEP am Beispiel des Beagles. Die Messung der VEP-Kurven wurde bei 15 Beaglen nach Stimulation mit gemustertem Rotlicht und der Elektrodenpositionierung Cz(+) – Ch(-) durchgeführt. Bei allen Messungen konnten zwei positive und zwei negative Gipfel (N1, P1, N2 und P2) abgeleitet werden. Die durchschnittliche Latenz (± Standardabweichung) betrug für N1 36,3 ms (± 5,2 ms), für P1 48,4 ms (± 5,6 ms), für N2 81,8 ms (± 3,9 ms) und für P2 120,5 ms (± 5,3 ms). Die Amplitudenhöhe betrug durchschnittlich (± Standardabweichung) für N1P1 3,7 µV (± 2,4 µV) und für P1N2 18,1 µV (± 6,7 µV). Der klinische Einsatz der Messung des VEP’s wurde am Beispiel von neun Patienten der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover aufgezeigt, bei denen eine fokale Läsion im Bereich der Sehbahn des zentralen Nervensystems festgestellt werden konnte. Drei dieser Patienten waren vollständig erblindet. Bei diesen Hunden kam es zu einer vollständigen Auslöschung der VEP-Kurven nach Stimulation beider Augen. Die übrigen sechs Patienten, die Seheinschränkungen unterschiedlichen Ausmaßes zeigten, wiesen verschiedene Veränderungen der VEP-Kurven auf. Es wurden Latenzveränderungen, Restpotentiale und Kurvenformveränderungen beobachtet. Bei diesen Patienten war es in jedem Falle möglich, Seitenbetonungen des intrakraniellen Prozesses mit Veränderungen des VEP’s einer bestimmten Seite zu zuordnen. In einem Fall mit einer pathohistologisch bestätigten Läsion in der peripheren Sehbahn konnten Latenzverzögerung des VEP’s festgestellt werden. Der Einsatz des VEP’s am Patienten konnte zeigen, dass eine Lokalisierung einer Läsion im Bereich der peripheren oder zentralen Sehbahn möglich erscheint.

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Krause, Antje: Standardisierung und klinische Anwendung visuell evozierter Potentiale (VEP) beim Hund. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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