Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Retrospektive Untersuchung zum Vorkommen von Erkrankungen in einer Weißbüschelaffenkolonie unter besonderer Berücksichtigung des Wasting Marmoset Syndroms

Quohs, Andrea

The Wasting Marmoset Syndrome is a disease occurring in captive callitrichids causing considerable maintenance problems. Although numerous descriptions and theses to this syndrome are present, it has not been possible so far to find out the pathogenetical development and the causal connections of this disease. The main symptom of a WMS is the continuous and drastic weight loss while the food intake of the animals is constantly good. Against this background necropsy reports of common marmosets (Callithrix jacchus) at the GPC were evaluated for the years 1977 – 2000. Apart from registration of different alterations of organs in animals with and without WMS, light-microscopical investigations in the gastrointestinal tract and the liver were performed in the collected material of WMS-animals in order to gain an additional on organ systems mostly involved. The results are summarized as follows: 1.    Of 1342 evaluated protocols symptoms of a WMS were found in preliminary reports and in necropsies of 77 animals. 2.    The disease rate for WMS in the diverse age groups totalled between 4 % and 6 %. Mostly female animals were affected. Animals were preferentially between five and seven years old. At the time of necropsy the weight of these individuals mainly was between 261 g and 290 g. 3.    Organ alterations, assessed to be dominant in the context with a WMS were found in the gastrointestinal region (98,7 %), the liver (94,8 %), the kidneys (63,6 %), the locomotor system (36,4 %) and the pancreas (29,9 %). 4.    In the gastrointestinal region chronic inflammations dominated. These were documented likewise in light-microscopical investigations performed by the author as the alterations of the liver (haemosideroses, interstitial infiltrates of inflammatory cells), which were present in numerous animals. 5.    Analysis of necropsy reports of animals without WMS had the following results: Most of the animals (n = 232) showed alterations in the respiratory tract, 164 animals were euthanised within the scope of scientific, biological keeping reasons, or animal welfare reasons and showed no further necropsy results. In 223 animals the investigation had no special results or no further specifications. Animals with unclear syndromes and with only insignificant incidental results formed the next frequent group with 102 animals. In the urinary and the sexual organs 96 animals revealed main results. The tumour incidence amounted to 1,5 %. 19 animals showed neoplasias, lymphomas dominating. 6.    The Wasting Marmoset Syndrome is a polyfactorial disease, in which single or diverse organ alterations in the context with exogenous factors result in a relatively uniform clinically picture. A standardized veterinary surveillance programme, which considers diverse aspects of a WMS, recognizes animals in the initial stage of disease and prevents a progression of this syndrome by means of prophylactic measures, has to be recommended.

Das Wasting Marmoset Syndrom ist eine Erkrankung, die bei Callithrichiden in Obhut des Menschen auftritt und erhebliche Probleme bei der Haltung dieser Tiere verursacht. Obwohl zahlreiche Beschreibungen und Thesen zu diesem Krankheitsbild vorliegen, ist es bisher nicht gelungen die pathogenetische Entwicklung und kausalen Zusammenhänge dieser Erkrankung festzustellen. Das Leitsymptom eines WMS ist der stetige und drastische Verlust an Gewicht bei gleichbleibender guter Futteraufnahme der Tiere. Vor diesem Hintergrund wurden die vorliegenden Sektionsprotokolle von Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus) am DPZ für die Jahre 1977 – 2000 ausgewertet. Neben einer Erfassung der verschiedenen Organalterationen bei Tieren mit und ohne WMS wurden lichtmikroskopische Untersuchungen am Magen-Darmtrakt und der Leber an asserviertem Material von WMS-Tieren durchgeführt, um sich zusätzlich einen eigenen Eindruck von den am meisten involvierten Organsystemen zu verschaffen. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: 1.   Von 1342 ausgewerteten Protokollen fanden sich bei 77 Tieren vorberichtliche und bei der durchgeführten Sektion Anzeichen eines WMS. 2.   Die Erkrankungsrate für WMS lag in den verschiedenen Altersgruppen zwischen 4 % und 6%. Es waren überwiegend weibliche Tiere betroffen. Es handelte sich bevorzugt um Tiere im Alter zwischen fünf und sieben Jahren. Das Gewicht der betroffenen Tiere lag zum Zeitpunkt der Sektion hauptsächlich zwischen 261 g und 290 g. 3.   Die Organveränderungen, die im Zusammenhang mit WMS als dominierend bewertet wurden, waren im Bereich des Magen-Darmtrakts (98,7 %), der Leber (94,8 %), der Nieren (63,6 %), des Bewegungsapparates (36,4 %) und des Pankreas (29,9 %) zu finden. 4.   Im Bereich des Magen-Darmtrakts dominierten chronische Entzündungen. Diese wurden in den eigenen lichtmikroskopischen Untersuchungen ebenso dokumentiert wie die bei zahlreichen Tieren vorhandenen Veränderungen an der Leber (Haemosiderosen, interstitielle Entzündungszellinfiltrate). 5.   Die Analyse der Sektionsprotokolle der Tiere ohne WMS ergab folgende Ergebnisse: Die meisten Tiere (n = 232) hatten Veränderungen im Bereich des Respirationstraktes, 164 Tiere wurden im Rahmen von wissenschaftlichen, haltungsbiologischen oder Tierschutzgründen euthanasiert und wiesen keine weiteren Sektionsbefunde auf, bei 223 Tieren war die Untersuchung ohne besonderen Befund oder ohne weiter Angaben. Tiere mit einem unklaren Krankheitsbild und unwesentlichen Nebenbefunden bildeten die nächst häufigste Gruppe mit 102 Tieren. Im Bereich des Harn- und Geschlechtsapparates zeigten 96 Tiere einen Hauptbefund. Die Tumorinzidenz lag bei 1,5 %. 19 Tiere zeigten Neoplasien, wobei Lymphome dominierten. 6.   Das Wasting Marmoset Syndrom ist eine polyfaktorielle Erkrankung, bei dem einzelne oder verschiedene Organalterationen in Zusammenhang mit exogenen Faktoren in einem relativ einheitlichen klinischen Bild resultieren. Ein standardisiertes tiermedizinisches Überwachungsprogramm ist anzuraten, daß die verschiedenen Aspekte eines WMS berücksichtigt, Tiere im Anfangsstadium der Erkrankung erkennt und über prophylaktische Maßnahmen eine Progression des Krankheitsbildes verhindert.

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Quohs, Andrea: Retrospektive Untersuchung zum Vorkommen von Erkrankungen in einer Weißbüschelaffenkolonie unter besonderer Berücksichtigung des Wasting Marmoset Syndroms. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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