Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Erweiterte Diagnostikverfahren bei Keratitiden des Pferdes unter besonderer Berücksichtigung der Nachweishäufigkeit des equinen Herpesvirus Typ 2 (EHV-2)

Borstel, Myriam

Different forms of keratitis or keratopathies in the horse are associated with a viral aetiology. A review of the literature showed that EHV-2 is suspected as the causitive agent, but no specific clinical signs corresponding to the detection of EHV-2 have been determined. In this study 28 horses showing keratitis, keratoconjunctivitis or conjunctivitis (group 1) were examined for their general state of health and subjected to a detailed ophtalmological examination, as were 28 horses with no ocular disease (group 2). In addition, samples of the conjunctiva were taken with cotton wool swabs for microbiologic examination; for the detection of EHV-2 genome with nested PCR, samples were taken with cotton wool swabs and cytobrushes. Cotton wool swab samples from the nasal mucosa and isolated peripheral blood leukocytes were also taken and examined by nested PCR for presence of the EHV-2 genome. These investigations were carried out twice over a course of four weeks. Furthermore, conjunctival scrapings were taken with the cytobrush during the first examination for cytological evaluation. Comparison of the horses showing keratitis, keratoconjunctivitis or conjunctivitis with those without ocular diseases showed no significant difference in any of the samples examined for the presence of the EHV-2 genome. For both examination times, the rate of detection of the EHV-2 genome in the samples taken with cytobrushes was significantly higher than in those taken with cotton wool swabs (p < 0,01).   The microbiological examination showed a slightly significantly higher rate of detection of gram-positive cocci in the diseased eyes (p < 0,05). Microbiological examination revealed a wide variety of different infective agents in both diseased and healthy eyes. As none of the infective agents found are obligatorily pathogenic, a microbiological swab from the conjunctiva must always be assessed in consideration of the clinical signs. Microscopic examination of the cytological preparations revealed only a few inflammatory cells, even in the diseased eyes with conjunctivitis. Lymphocytes and neutrophile granulocytes were found in only a few cases, with no difference between diseased and healthy eyes, nor was there a correlation of these findings with the detection of the EHV-2 genome. No aetiological participation of EHV-2 in keratitis in horses was determined in this study. Use of the cytobrush was found to be a significantly more sensitive sampling method for virological examination.

Bei verschiedenen Formen von Keratitiden oder Keratopathien des Pferdes wird in vielen Fällen eine virale Ätiologie vermutet. In der Literatur wird dabei als möglicher Verursacher das equine Herpesvirus Typ 2 (EHV-2) diskutiert. Bisher konnte jedoch kein spezifisches klinisches Bild einer "Viruskeratitis" mit dem Nachweis von EHV-2 in Zusammenhang gebracht werden. In der vorliegenden Arbeit wurde bei 28 Pferden mit einer Keratitis, Keratokonjunktivitis oder Konjunktivitis (Gruppe 1) sowie 28 Kontrollpferden ohne klinische Augenerkrankung (Gruppe 2) zweimal im Abstand von vier Wochen eine klinische Allgemeinuntersuchung und spezielle ophthalmologische Untersuchung durchgeführt. Dabei wurden jeweils aus dem Konjunktivalsack beider Augen Wattetupfer zur mikrobiologischen Untersuchung sowie Wattetupfer und Cytobrushproben zur virologischen Untersuchung auf EHV-2 Genom mittels nPCR entnommen. Ferner wurden noch Nasentupfer und periphere Blutleukozyten mittels nPCR auf EHV-2 Genom untersucht. Außerdem wurde bei der Erstuntersuchung mittels Cytobrush ein zytologischer Abstrich aus dem Konjunktivalsack angefertigt und mikroskopisch untersucht. Im Vergleich der Pferde der Gruppe 1 zu den augengesunden Kontrolltieren der Gruppe 2 konnte in keiner der untersuchten Proben ein signifikanter Unterschied im Nachweis von EHV-2 Genom mittels nPCR festgestellt werden. Bei den aus dem Konjunktivalsack entnommenen Proben konnte zu beiden Untersuchungszeitpunkten im Cytobrush signifikant (p < 0,01) häufiger der Nachweis von EHV-2 Genom im Vergleich zum ebenfalls entnommenen Wattetupfer geführt werden. Bei den mikrobiologischen Untersuchungen konnte in erkrankten Augen zu beiden Untersuchungszeitpunkten ein schwach signifikant (p < 0,05) häufigerer Nachweis von grampositiven Kokken erfolgen. Die Auswertungen der mikrobiologischen Untersuchungen zeigen, dass eine große Vielzahl verschiedener Keime sowohl in erkrankten als auch in klinisch gesunden Augen nachzuweisen sind und eine Auswertung eines mikrobiologischen Konjunktivaltupfers immer unter Berücksichtigung des klinischen Erscheinungsbildes erfolgen sollte, da keine der nachgewiesenen Keime als obligat pathogen einzustufen sind. Bei den mikroskopischen Untersuchungen der zytologischen Präparate sind auch in den erkrankten Augen, welche eine begleitende klinische Konjunktivitis aufwiesen, nur sehr wenig inflammatorische Zellen zu finden. Nur in wenigen Fällen konnten vereinzelte Lymphozyten oder neutrophile Granulozyten gefunden werden, dabei ließ sich kein Unterschied im Vergleich von erkrankten und gesunden Augen feststellen. Eine Korrelation zum Nachweis von EHV-2 Genom in der virologischen Untersuchung konnte ebenfalls nicht hergestellt werden. In der vorliegenden Arbeit konnte eine ursächliche Beteiligung des EHV-2 an Keratitiden des Pferdes nicht nachgewiesen werden. Bei den virologischen Untersuchungen mittels nPCR stellt der Cytobrush jedoch eine signifikant sensitivere Methode der Probenentnahme dar.

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Borstel, Myriam: Erweiterte Diagnostikverfahren bei Keratitiden des Pferdes unter besonderer Berücksichtigung der Nachweishäufigkeit des equinen Herpesvirus Typ 2 (EHV-2). Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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