Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Der Einfluss von Aufzucht und Haltung auf das Auftreten von Osteochondrose (OC) beim Reitpferd

Wilke, Annette

Osteochondrosis is a disturbance of endochondral ossification, a process in which cartilage is mineralised and transformed into bone. Cracks and fissures occurred in the degenerated and necrotic parts of the cartilage. This leads to formation of cartilage flaps and eventually to loose bodies called chips or joint mice. Horses with OC have a higher risk for locomotion problems and culling. The aetiology of OC appears to be multifactorial. The aim of this study was to evaluate the effects of locomotion and growth rate of Warmblood foals reared under field conditions during their first months of age on the frequency of OC. Within this research project other aspects like feeding management, endocrinal and genetic aspects were studied. In 2001 a randomly selected group of 694 mares and their foals kept on 83 breeding farms widely distributed in Lower Saxony were monthly visited in their stables to collect information about their rearing conditions and locomotion. Weight, height at withers, and cannon bone measurements were obtained on the foals each time they were visited. In autumn 2001 most of the mares (n=596) and their offspring (n=624) were radiographed (foals must have finished their 4th month of live). The osteochondrotic score in the metacarpophalangeal / metatarsophalangeal joints and the tarsocrural joints was defined as OC-positive or OC-negative. The radiographic findings show 31 % of the foals being OC-positive. In the fetlock there are 18 % foals diagnosed OC-positive out of 624 foals studied, and in the hock 10 % foals found OC-positive. Only 3 % of all foals are affected in both joints; so OC in the fetlock and OC in the hock seem to depend on a different aetiology. The location of the findings is significantly influenced by sex, females are mostly affected in the fetlocks, males in the hocks. Analysing the influence of weight, withers height and cannon bone circumference on the development of OC, different results depending on location of OC are found. Light foals with a small cannon bone circumference are significantly more affected in the fetlocks. Large foals with a big cannon bone circumference show significantly more often positive findings in the hocks. With respect to the fact that sex of the foals influences their development significantly (colts are heavier, larger and have a bigger cannon bone circumference than fillies) it is not clear if the influence of growth an OC is a primary cause or if it depends secondary on the different development of males and females. The time of birth affects the frequency of OC also significantly. Early born foals are more frequently affected (+ 10 %) than late born foals. The main seasonal factor seems to be related to locomotion (free exercise) of the foals. Foals with very little locomotion (less than four hours per day) within their first months of life show highest incidences of OC. From the results of the present study it can be concluded that OC of the fetlock joints is a consequence of a deficit in locomotion during the first months of life. Differences due to the different rearing conditions can partly be explained by the higher metabolism and greater maturation of tissues in foals maintained on pasture with free exercise. Free exercise is best for the development of healthy cartilage resistant to injury. Lack of exercise leads to a retardation of the normal development of the joint. A certain level of exercise seems essential for the functional adaptation of the articular cartilage and withholding exercise in early life may result in a delay in this adaptation. Calm but efficient locomotion for several hours a day seems to be adequate for growing horses. Based on the limited results of this study, it is not possible to explain in which way locomotion influences the development of OC. This is an important area for future research. In view of preventing osteochondrosis, current foal management should be reviewed. Non-optimal conditions combined with reduced pasture turn out should not be practised in horse breeding any more. The breeder should allow the foals pasture-like locomotion in paddocks or boxes which are large enough for locomotion. The foals should not be allowed to exercise to fatigue or exhaustion in riding-arenas. Excessive stress or trauma to the young growing bones and joints must be avoided and as much as possible regular daily locomotion is to be preferred.

Osteochondrose ist durch Verdickung, Degeneration und Nekrose des Knorpels, sowie durch eine Störung der enchondralen Ossifikation gekennzeichnet. In den veränderten Knorpelzonen kommen Brüche und Fissuren vor, die zur Bildung von Knorpel-Flaps oder freien Gelenkkörpern führen können. Die klinische Manifestation von Osteochondrose kann zu einer sekundären degenerativen Gelenkerkrankung beim erwachsenen Pferd führen. Die Ätiologie von Osteochondrose scheint multifaktoriell zu sein. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, umweltbedingte Faktoren, die die Entstehung von Osteochondrose möglicherweise begünstigen, zu identifizieren. Das Wachstum der Fohlen wird dargestellt und anschließend zur Häufigkeit von Osteochondrose in Beziehung gesetzt. Weiterhin wird – im Sinne einer Bestandsaufnahme – die Zuchtstuten- und Fohlenhaltung in Niedersachsen beschrieben und letztere im Hinblick auf die Entstehung von Osteochondrose analysiert. Es wird der Frage nachgegangen, ob der Züchter über das Management der Fohlenaufzucht (insbesondere der Bewegungsintensität während der ersten Monate) die Häufigkeit des Auftretens von Osteochondrose beeinflussen kann. Im interdisziplinären Forschungsprojekt zur Osteochondrose werden zudem Untersuchungen zur Fütterung, zu metabolischen und endokrinologischen Blutparametern, zur Kartierung von Genen sowie zur Vererbung von Osteochondrose durchgeführt. Im Jahr 2001 wurden 694 Fohlen und deren Mütter über ein halbes Jahr monatlich unter den praxisüblichen Haltungsbedingungen auf Betrieben in Niedersachsen besucht, um die Haltungsbedingungen einschließlich der Bewegungsmöglichkeiten der Stuten und Fohlen zu dokumentieren. Bei jedem Besuch wurde das Gewicht, die Größe und der Röhrbeinumfang der Fohlen erfasst. Im Herbst 2001 wurden die Stuten (n=596) und deren Fohlen (n=624) geröntgt, wobei das Mindestalter zum Röntgen der Fohlen bei vier Monaten lag. Die Merkmale Osteochondrose-gesamt bzw. Osteochondrose im Fessel- bzw. Sprunggelenk wurden definiert als OC-positiv oder OC-negativ. 31 % der Fohlen waren OC-positiv. Im Fesselgelenk traten bei 18 % der Fohlen, im Sprunggelenk bei 10 % osteochondrotische Veränderungen auf. Nur 3 % der Fohlen waren in beiden Gelenken betroffen, was auf eine unterschiedliche Ätiologie beider Manifestationen von OC schließen lässt. Die Lokalisation der Befunde wird signifikant vom Geschlecht beeinflusst, Stutfohlen sind überwiegend im Fesselgelenk betroffen, Hengstfohlen zeigen die meisten Befunde im Sprunggelenk. In Bezug auf den Einfluss von Gewicht, Größe und Röhrbeinumfang der Fohlen auf die Häufigkeit von Osteochondrose sind unterschiedliche Ergebnisse im Hinblick auf die betroffenen Gelenke aufgetreten. Fohlen mit einem geringen Gewicht und einem geringen Röhrbeinumfang sind vermehrt im Fesselgelenk betroffen, bei großen Fohlen mit einem großen Röhrbeinumfang tritt häufiger Osteochondrose im Sprunggelenk auf. Angesichts des engen Zusammenhangs von Wachstumsparametern und Geschlecht (Hengstfohlen sind größer, schwerer und haben einen größeren Röhrbeinumfang als Stutfohlen) ist es nicht eindeutig, ob das Wachstum der Fohlen der primäre Effekt auf Osteochondrose ist, oder ob es sich hier um einen sekundären Effekt durch den Geschlechtsdimorphismus in den Wachstumsparametern der Fohlen handelt. Der Geburtszeitpunkt hat einen signifikanten Einfluss auf die Häufigkeit von OC: Frühgeborene sind häufiger betroffen (+10 %) als spätgeborene Fohlen. Der größte saisonale Einfluss ist die Bewegung der Fohlen. Bei Fohlen mit sehr wenig Bewegung (weniger als 4 Stunden täglich) innerhalb der ersten vier Lebensmonate ist die höchste Frequenz von Osteochondrose festzustellen. Aus den Ergebnissen der vorliegenden Studie kann der Schluss gezogen werde, dass Osteochondrose im Fesselgelenk aus einem Defizit an Bewegung innerhalb der ersten Lebensmonate resultiert. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Haltungsbedingungen sind zum Teil durch den intensiveren Stoffwechsel und der infolgedessen verbesserten Struktur des Knorpels bei viel bewegten Fohlen zu erklären. Bewegung fördert die Entstehung eines gesunden und widerstandsfähigen Knorpels, ein Mangel an Bewegung führt zu Beeinträchtigungen in der normalen Entwicklung des Gelenks. Ein bestimmtes Maß an Bewegung scheint für eine optimale funktionelle Adaptation des Knorpels essentiell zu sein, ein Fehlen der Bewegung kann möglicherweise eine entsprechende Adaptation verhindern. Demzufolge erscheint ruhige und ausgiebige Bewegung der Fohlen für mehrere Stunden täglich angemessen. Auf der Basis der Ergebnisse der vorliegende Studie ist es nicht möglich, den Einfluss der Bewegung der Fohlen auf die Entstehung von Osteochondrose ursächlich zu erklären. Hier besteht der Bedarf nach einer grundlegenden Forschungsarbeit. Daher bedarf die Haltung der Fohlen unter Praxisbedingungen einer kritischen Betrachtung. Eine unangepasste Bewegung – durch die unregelmäßige und kurzfristigen Hochbelastung der Gliedmaßen – ist zu vermeiden. Der Züchter sollte seinen Fohlen folglich immerwährend eine Fläche zur Verfügung stellen, die die erforderliche Bewegung ermöglicht. Eine Nutzung von Boxen mit permanent zur Verfügung stehenden, witterungsunabhängigen Auslaufmöglichkeiten ist hier ebenso denkbar wie die Aufstallung in Bewegungsboxen.

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Wilke, Annette: Der Einfluss von Aufzucht und Haltung auf das Auftreten von Osteochondrose (OC) beim Reitpferd. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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