Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Vergleich verschiedener Verfahren zur Beurteilung der mikrobiellen Kontamination der Melkzeuge bzw. der Melkanlage und mögliche Beziehungen zur Melktechnik und Eutergesundheit

Zimmermann, Andrea

·  The study presented was performed in 31 dairy farms, where two milking clusters of each milking parlour were examined at four locations (teat cup liner, clawpiece, short and long milk tube). Three different swab methods were used to evaluate the bacteriological contamination after cleaning and disinfection. One of these swab methods was a standardized procedure (DIN ISO 6887-1:1999). All swab procedures presented in this study are suitable for testing the bacteriological contamination of the milking equipment. However, compared with the standardized procedure, medium swabs were more reliable for the determination of total aerobe bacteria and swabs without medium for the determination of coliform bacteria. ·  The bacterial contamination detected by the standardized swab procedure was higher in the inner part of the cluster (milk tubes, clawpiece) than in the outer area (teat cup liner). Nevertheless, the bacterial contamination of clusters was not associated with the location of clusters in the milking parlour. ·  In our study, samples of the first milk entering the bulk tank were collected. The measured bacteriological contamination was regarded as bacterial contamination of the milking pipeline. Furthermore the three month geometric mean of bulk tank milk bacterial count and somatic cell count was determined. The bacterial contamination of clusters did not influence the bacterial contamination of the milk pipelines and the geometric mean of bulk tank milk bacterial count or somatic cell count. ·  Furthermore, an other objective was to compare different techniques of milking hygiene and their effect on the bacterial count at various cluster locations, of milking pipelines and of bulk tank milk. Our study presents the following results: - A simple grading system of external contamination (none, mild, moderate, severe) of the rubber pieces correlated to the bacterial contamination. In contrast, the kind of rubber material and its age was not correlated with the bacterial contamination of the rubber material. The same results were observed concerning the milking cluster pick-up. - The cleaning and disinfection of the milking machine resulted in a complete elimination of cow-associated udder pathogens, but not of environmental bacteria in the milking machine. Furthermore, there was a significant increase in Pseudomonas ssp. and coliform bacteria, when cleaning water with a temperature below 42°C was used compared with higher temperatures. - When clusters were kept out of the cluster pick-up during the time between milking, there was a rise in total bacterial count and yeasts, especially at teat cup liners and in the samples of the first milk entering the milk tank. - Disinfection of milking clusters between milking cows, independent of the method, reduced the total bacterial count at various cluster locations and milking pipelines. - Furthermore, it was shown that bedding material influenced bacterial contamination of milking clusters and bulk tank milk. Bedding material consisting of small particles (saw dust), led to contamination of the clusters. Larger dirt particles (e.g. straw / hay) caused bacterial contamination in the inner parts of the milking machine (especially milking pipeline) and the bulk tank milk. - In this study, a program of teat sanitation with different udder clothes before milking and teat disinfection following milking did not influence the bacterial contamination of the milking equipment and bulk tank milk by environmental bacteria. However, a wet teat sanitation before milking was associated with a significant higher total bacterial count in the long milk tube at one location compared with a dry teat sanitation. ·  In 21 dairy herds, quarter milk samples were collected three times in a seven day interval to examine microbiological contamination. It was found that cow-associated udder pathogens occurred exclusively in quarter milk samples and were not detected in the milking equipment. Therefore, milking clusters might not be a reservoir for cow-associated bacteria. In contrast, environmental bacteria were detected in milking clusters and quarter milk samples. For this reason, milking clusters could be regarded as a reservoir for environmental bacteria. ·  Different age and material of teat cup liners did not influence the three month mean of somatic cell count in bulk tank milk. In addition, various udder preparation procedures, postmilking teat disinfection and different bedding material did not influence the somatic cell count in the bulk tank milk. However, the somatic cell count in bulk tank milk should be regarded as a parameter of limited value for the assessment of herd udder health.

In den Melkständen von 31 Milchkuhbetrieben wurden jeweils 2 Melkzeuge an je vier Lokalisationen (Zitzengummi, Sammelstück, kurzer und langer Milchschlauch) mittels dreier verschiedener Tupferentnahmeverfahren nach Reinigung und Desinfektion der Anlage unmittelbar vor Beginn des Melkens auf den mikrobiologischen Kontaminationsstatus untersucht. Bei einem der Tupferverfahren handelte es sich um ein standardisiertes Tupferverfahren nach DIN ISO 6887-1:1999. Unsere Studie ergab, dass sich alle drei getesteten Tupferverfahren für die bakteriologische Diagnostik der Melkanlagenhygiene eignen. Dennoch lassen sich einige Keimarten mit bestimmten Tupfermethoden zuverlässiger nachweisen (Gesamtkeimgehalt mittels Mediumtupfer, koliforme Keime mittels Trockentupfer). Der mittels des rein quantitativen, standardisierten Tupferverfahrens nachgewiesene Keimgehalt in den inneren Bereichen der Melkzeuge (Milchschläuche und Sammelstücke) war stets höher als in den äußeren Bereichen (Zitzengummis). Die Lage der Melkzeuge innerhalb des Melk- standes (nah bzw. fern des Milchabscheiders) spielte keine Rolle hinsichtlich des bakteriellen Kontaminationsstatus. Des weiteren wurde kurz nach Beginn des Melkens eine Probe der Milch der ersten Ausschleusung entnommen, deren Keimgehalt die bakteriologische Kontamination der Rohrleitungen widerspiegeln sollte. Aus den Daten der Tankmilchabrechnung wurde das geometrische Mittel des Tankmilchzell- und keimgehaltes aus drei Monaten ermittelt. Diese Studie ergab, dass der Hygienestatus der Melkzeuge keinen Einfluss auf die bakteriologische Kontamination der Rohrleitungen, der Tankmilch und auf den Tankmilch- zellgehalt aufwies. Dagegen schien der Tankmilchkeimgehalt durch eine bakteriologische Kontamination der Rohrleitungen beeinflusst zu werden. Tankmilchzell- und keimgehalt beeinflussten sich nicht gegenseitig. Darüber hinaus wurden melktechnische und melkhygienische Parameter in Bezug mit dem mittels des quantitativen Tupferverfahrens ermittelten Keimgehalt der Melkzeuglokalisationen, dem Keimgehalt der Rohrleitungen sowie dem Tankmilchkeimgehalt gesetzt. Unsere Untersuchung wies folgende Ergebnisse auf: - Eine subjektive Zustandsbeurteilung der Melkzeuggummiteile gibt mehr Hinweise auf eine mögliche bakterielle Kontamination als die Art des Materials und das Alter. Das gleiche galt für die Zustandsbeurteilung von Melkzeugaufnahmen. - Die Melkanlagenreinigung- und desinfektion bewirkte eine Eliminierung von kuhassoziierten Mastitiserregern, hatte aber weniger Einfluss auf ein Vorkommen von Umwelterregern in der Melkanlage. Des weiteren ist eine Unterschreitung von Spültemperaturen unter 42°C zu vermeiden, da hierbei ein deutlicher Hinweis auf ein verstärktes Auftreten von koliformen Keimen und Pseudomonaden gegeben war. - Bei Melkzeugen, die während der Zwischenmelkzeit außerhalb der Auf- nahme aufbewahrt wurden, zeigte sich sowohl an einigen Melkzeug- lokalisationen (vor allem an den Zitzengummis) wie auch im Keimgehalt der Milch der ersten Ausschleusung eine verstärktes Wachstum des Gesamtkeimgehaltes und des Hefekeimgehaltes. - Eine Melkzeugzwischendesinfektion, unabhängig von der Art ihrer Durchführung, reduzierte den Gesamtkeimgehalt einiger Melkzeugloka- lisationen und den der Rohrleitungen der Anlage. - Es ergaben sich deutliche Hinweise darauf, dass eine mikrobielle Kontami- nation der Melkanlage bzw. der Tankmilch durch unterschiedliche Einstreu- materialien anzunehmen ist. Einstreu, welche kleinere Schmutzpartikel verursacht, führte zu Verschmutzungen innerhalb der Melkzeuge. Größere Einstreupartikel verursachten bakterielle Kontaminationen in hinteren Bereichen der Melkanlage (Rohrleitungen) sowie in der Tankmilch. - In dieser Studie zeigten sich keine Hinweise darauf, dass die Anwendung unterschiedlicher Eutertücher zur Zitzenreinigung vor dem Melken sowie Zitzendesinfektionsmaßnahmen im Anschluss an den Melkvorgang einen Einfluss auf die mikrobiologische Kontamination durch Umwelterreger der Anlage bzw. der Tankmilch nahm. Dennoch konnte in einem langen Milchschlauch ein verstärktes Wachstum des Gesamtkeimgehaltes nachgewiesen werden, nachdem eine feuchte Zitzenreinigung erfolgte. In einer weiteren Untersuchung wurden in 21 der untersuchten 31 Betriebe je dreimal im wöchentlichen Abstand Viertelgemelksproben entnommen und diese bakteriologisch untersucht. Beim Vergleich der Keimverteilung der Melkanlagen und der Milchproben wird deutlich, dass die sogenannten kuhassoziierten Mastitiserreger ausschließlich in den Milchproben auftraten und nicht innerhalb der Anlage nachgewiesen werden konnten. Die Annahme, dass gereinigte Melkzeuge ein Reservoir für kuhassoziierte Mastitiserreger darstellen, ist abzulehnen. Umwelterreger wurden dagegen sowohl in der Melkanlage als auch in den Milchproben nachgewiesen. Das Dreimonatsmittel des somatischen Tankmilchzellgehaltes wurde in dieser Studie nicht durch Zitzengummis unterschiedlichen Alters und Materials beeinflusst. Verschiedene Zitzenreinigungsmethoden, die Zitzendesinfektion im Anschluss an den Melkvorgang und unterschiedliche Einstreumaterialien zeigten keinen Einfluss auf den Tankmilchzellgehalt. Der Tankmilchzellgehalt konnte nur bedingt als Parameter zur Beurteilung der Eutergesundheit angesehen werden.  

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Zimmermann, Andrea: Vergleich verschiedener Verfahren zur Beurteilung der mikrobiellen Kontamination der Melkzeuge bzw. der Melkanlage und mögliche Beziehungen zur Melktechnik und Eutergesundheit. Hannover 2003. Tierärztliche Hochschule.

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