Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Zum Bandapparat des Ellbogengelenkes des Hundes insbesondere zu Verlauf und Struktur der Kollateralbänder

Hemmes, Miriam-Jasmin

This study investigated the ligamental system of the canine elbow joint, regarding the origin, course, insertion and specific structures (bursae synovialis, sesamoid structures) of the collateral ligaments. For this purpose, 40 forelimbs of 22 dogs (German shepherds and shepherd mongrels) were used. Defined parts of the lateral and medial collateral ligaments were measured, and the values received were evaluated statistically by SAS. The microscopic observations were made on ten forelimbs of five German shepherd mongrels, using longitudinal and transverse histological sections of the samples, which had been stained with H. E., picrosirius red and orcein. In the H. E. staining, the form of the cell nuclei was checked, and the orcein samples were analysed for elastic fibres. In the picrosirius red and the H. E. sections, the course of the collagen fibre bundles was followed. The results obtained on the topography of the ligamental systems were only in accordance with the literature as far as the origin and insertion was concerned. The lateral and medial collateral ligaments, defined as connecting ligaments of humerus, ulna, and radius, and as guiding ligaments of extension and flexion movements and pronation and supination, differed in following points: In the lateral collateral ligament of each elbow joint, a cartilaginous fold could be found, which smoothed the incongruity of the joint. This fold could contain a sesamoid structure. The supinator muscle formed a cap-like thickening above a bony protuberance of the caput radii. This thickening seemed to guide the muscle during movement. Along the side of the medial collateral ligament, lateral movements were limited by a large medial epicondyle. Statistical evaluation made obvious that the origin of the lateral collateral ligament, in proportion to that one of the medial collateral ligament, was 1.8 times longer, with an insertion 2.5 times longer. The length of the “free part” of the medial collateral ligament was 1.3 times (angle of 160°), resp. 1.4 times (angle of 30°) longer than that of this part on the lateral side of the joint. According to these aspects, a longer part on the medial side of the elbow joint exists, as not closely attached to the periost, where forces could be active. This structure defined the different constructions of the collateral ligaments, as detectable by histological analysis. In the lateral collateral ligament, the collagen fibre bundles were arranged in a folding trellis-like manner, and round cell nuclei were lying between the fibre bundles. In the medial collateral ligaments, the fibre bundles were arranged parallel to each other, with long and small cell nuclei in between. The medial ligament seemed to be much more tight, and, thus, resistant to strong forces at the "free part". For a more complete functional analysis of the ligamental system of the elbow joint, data of the Lig. obliquum, Lig. olecrani and Lig. anulare radii has to be included.

In der vorliegenden Arbeit wurde der Bandapparat am Ellbogengelenk des Hundes, insbesondere die Kollateralbänder, im Seitenvergleich makroskopisch hinsichtlich Ursprung, Verlauf, Ansatz und Sondereinrichtungen (Schleimbeutel, sesamoide Einlagerungen) untersucht. Hierzu wurden 40 Vordergliedmaßen von 22 verschiedenen Hunden (DSH und DSH-Mix) verwendet. An den medialen und den lateralen Seitenbändern wurden definierte Strecken gemessen. Die erhaltenen Werte wurden dokumentiert und mit Hilfe des Statistikprogramms SAS ausgewertet. Die mikroskopische Untersuchung wurde an insgesamt zehn Vordergliedmaßen von fünf Schäferhund-Mischlingen durchgeführt. Es wurden sowohl Längs- als auch Querschnitte in den Färbungen Pikrosiriusrot, H.E. und Orcein angefertigt. Anhand der H.E. gefärbten Präparate wurde die Form der Zellkerne untersucht und mit den Orcein gefärbten Präparaten wurde das Vorhandensein elastischer Fasern nicht nachgewiesen. Der Faserverlauf in den Kollateralbändern wurde mit dem Polarisationsmikroskop an Pikrosiriusrot und H.E. gefärbten Schnitten nachgeprüft. Die Untersuchung zur Topographie des Bandapparates ergab nur teilweise Übereinstimmungen mit der Literatur in der Definition des Ursprungs und des Ansatzes. Das laterale und mediale Kollateralband als Verbindungsbänder der Knochen des Ober- und Unterarms und Führungsbänder der Beuge- und Streckbewegungen sowie unterstützend der Pronations- und Supinationsbewegungen unterscheiden sich in folgenden Punkten voneinander: Am Lig. collaterale laterale findet sich an jedem untersuchten Ellbogengelenk ein die Inkongruenz des Gelenkes ausgleichender Knorpelfalz, der eine sesamoide Struktur enthalten kann. Der M. supinator bildet über einem Knochenvorsprung am Caput radii eine kappenartige Verstärkung, die die Ursprungssehne in der Bewegung führt. Durch die statistische Auswertung wurde deutlich, dass das laterale Kollateralband im Verhältnis zum medialen Kollateralband einen 1,8 mal längeren Ursprungs- bereich und einen 2,5 mal längeren Ansatzbereich hat als das mediale Band. Hingegen ist die Länge des gesamten „freien Teils“ im Lig. collaterale mediale 1,3 mal (Winkelung 160°) bzw. 1,4 mal (30°) länger als die des lateralen Kollateralbandes. Folglich existiert am medialen Kollateralband eine größere Teilstrecke, die nicht mit dem Periost verwachsen ist und somit eine längere Strecke an der Kräfte wirken können. Im lateralen Kollateralband sind die Kollagenfasern in einer scherengitterartigen Struktur angeordnet und die rundlichen Zellkerne liegen zwischen den Fasern. Im medialen Kollateralband sind die Fasern streng parallel nebeneinander angeordnet und die länglich, schmalen Zellkerne liegen dazwischen. Es wirkt sehr straff organisiert und somit höheren Kräften an der längeren freien Strecke entgegen. Zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Bandapparates des Ellbogengelenkes sind die Daten des Lig. obliquum, Lig. olecrani und des Lig. anulare radii miteinzubeziehen.

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Hemmes, Miriam-Jasmin: Zum Bandapparat des Ellbogengelenkes des Hundes insbesondere zu Verlauf und Struktur der Kollateralbänder. Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

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