Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Aktivität der Plasma-Cholinesterase bei gesunden und erkrankten Zwergkaninchen

Ludwig, Anja

In the present study, the activity of the plasma-cholinesterase (CHE-activity) was investigated in healthy and sick  rabbits in order to evaluate the diagnostic validity of CHE measurements in rabbits. Using the laboratory results of 30 healthy animals (reference value group), a reference range of CHE in rabbits of 178 – 3914 U/l was established. No influence of gender was found. The influence of starvation, as it may occur in many sick animals  in the form of anorexia, was investigated in a group of 10 animals. Repeated blood samples were obtained from these rabbits during and after a 24-hour feed withdrawl period, and the CHE-activity was measured. CHE-activities were significantly reduced 30 hours after the beginning of the experiment. This was interpreted to be a result of a catabolic state. Compared to immense difference of CHE-activity among the rabbits, CHE-activity in the individual animals was quite constant for the duration of the study. However, due to the short examination period of 30 hours it is not possible to say how long the CHE-activity remained stable in individual animals. The influence of different diseases on the level of CHE-activity was investigated in              89 rabbits, which were presented to the Small Animal Clinic of the School of Veterinary Medicine Hannover because of disease symptoms. These animals were divided into four different disease groups according to the diagnosis made (DG 1: different malignomas, DG 2: dental disease and/or diseases of the jaw, DG 3: organic diseases without involvement of the liver, DG 4: organic diseases with involvement of the liver ). The reference value group showed significant differences regarding CHE-activity compared to the disease groups 2, 3 and 4. No significant differences were found among the disease groups. Compared to the healthy animals, sick animals had reduced CHE-activities. By dividing each group into two subgroups each according to the severity of illness, it was evaluated whether the severity of an illness as measured by the overall appearance of the animal and its feed intake correlates with the level of CHE-activity. Comparison of these two degrees of illness showed that animals with reduced overall appearance and feed intake had generally lower CHE-activities. The results of this study lead to the conclusion that both animals with different organic diseases as well as animals in a catabolic state due to inanition have reduced CHE-activity. CHE measurement as a single value in clinical cases, has no diagnostic value due to the high individual differences in CHE-activity in rabbits. According to our investigations, the diagnostic utility of CHE measurements in rabbits is limited to the estimation of the degree of a catabolic state or the severity of an illness.

In der vorliegenden Arbeit wurde die Plasma-Cholinesterase-Aktivität (CHE-Aktivität) bei gesunden und erkrankten Zwergkaninchen untersucht, um die diagnostische Aussagekraft der CHE-Bestimmung beim Zwergkaninchen beurteilen zu können. Anhand der Laborergebnisse von 30 gesunden Tieren (Referenzwertgruppe) wurde ein Referenzbereich für die CHE beim Zwergkaninchen von 178 – 3914 U/l ermittelt. Eine Geschlechtsabhängigkeit konnte nicht nachgewiesen werden. Der Einfluss eines Hungerzustands, wie er bei vielen kranken Tieren in Form einer Anorexie vorliegen kann, wurde an einer Gruppe von 10 Tieren untersucht. Diesen wurden, während und nach einem 24-stündigem Futterentzug, wiederholt Blutproben entnommen und die CHE-Aktivitäten gemessen. 30 Stunden nach Versuchsbeginn waren die CHE-Aktivitäten signifikant erniedrigt, was als Folge der Entwicklung einer katabolen Stoffwechsellage interpretiert wurde. Im Vergleich zu den erheblichen Unterschieden der CHE-Aktivität zwischen den Kaninchen, fallen die weitgehend konstanten CHE-Werte der Einzeltiere während der Versuchsdauer auf. Über die Dauer der Konstanz der CHE-Aktivität für das Einzeltier kann wegen des kurzen Untersuchungszeitraums von 30 Stunden keine Aussage getroffen werden. Der Einfluss verschiedener Erkrankungen auf die Höhe der CHE-Aktivität wurde an              89 Zwergkaninchen, die wegen Krankheitssymptomen in der Tierärztlichen Hochschule Hannover vorgestellt wurden, untersucht. Die Tiere  wurden nach der gestellten Diagnose in vier verschiedene Diagnosegruppen eingeteilt (DG 1: verschiedenartige Malignome, DG 2: Zahn- und/oder Kiefererkrankungen, DG 3: Erkrankungen der Organsysteme ohne Beteiligung der Leber, DG 4: Erkrankungen der Organsysteme mit Beteiligung der Leber). Signifikante Unterschiede hinsichtlich der CHE-Aktivität bestanden zwischen der Referenzwertgruppe und den Diagnosegruppen 2, 3 und 4, jedoch nicht zwischen den einzelnen Diagnosegruppen. Gegenüber den gesunden Tieren wiesen die erkrankten Tiere reduzierte CHE-Aktivitäten auf. Anhand der Unterteilung in zwei verschiedene Krankheitsgrade wurde geprüft, inwieweit der Schweregrad einer Erkrankung, der durch das Allgemeinverhalten und die Futteraufnahme beurteilt wurde, mit der Höhe der CHE-Aktivität korreliert. Der Vergleich der beiden Krankheitsgrade zeigte, dass Tiere mit einem gestörten Allgemeinverhalten und einer eingeschränkten Futteraufnahme insgesamt niedrigere CHE-Aktivitäten aufwiesen. Die eigenen Ergebnisse lassen die Schlussfolgerung zu, dass sowohl Tiere mit unterschiedlichen Erkrankungen der Organsysteme, als auch Tiere die sich aufgrund einer Hungerphase in einer katabolen Stoffwechsellage befinden, reduzierte CHE-Aktivitäten aufweisen. Die CHE-Bestimmung als Einzelmessung im Krankheitsfall, besitzt durch die starken individuellen Unterschiede der CHE-Aktivität beim Kaninchen keine diagnostische Aussagekraft. Der diagnostische Einsatz der CHE-Bestimmung beim Zwergkaninchen beschränkt sich nach diesen Untersuchungen auf die Einschätzung des Ausmaßes einer katabolen Stoffwechsellage bzw. des Schweregrads einer Erkrankung.

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Ludwig, Anja: Untersuchungen zur Aktivität der Plasma-Cholinesterase bei gesunden und erkrankten Zwergkaninchen. Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

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