Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Genetische und umweltbedingte Einflüsse auf das Auftreten von Torsio uteri bei Milchkühen

Kruse, Monika

The objective of the first part of this study was to analyse obstetrical results and gestation length of 71 cows affected by uterine torsion. For the cows with uterine torsion and 125 cows with uncomplicated parturition body traits and external characteristics were considered to verify the differences. The animals were recruited from 33 dairy herds in the districts Ravensburg and Friedrichshafen (Baden-Wuertemberg). In 92.9% of the cases the torsion was postcervical. Counter-clockwise torsion was presented in 85.7% of the cases. The severity of the uterine torsion was predominantely 180° (67.2%) and 270° (30.0%). In this study no torsion greater than 360° occurred. In 53.5% of the cases the cervix was completely or partially dilated allowing the legs and head of the fetus to enter the cervical canal. Posterior presentation of the fetus occurred in 11.4% of the cases and 10% of the fetuses were found in wrong posture. In this study manual correction was the most common approach to correct the torsion (63.4%). Correction by rolling the cow was successful in 33.8% of the cases. Rolling the cow was done significantly more often in German Holsteins than in German Browns. The occurrence of uterine torsion was not influenced significantly by the fetal gender. Concerning the two breeds, fetuses of German Browns were more often alive after retorsion in contrast to fetuses of German Holsteins. Following manual correction the rate of dead calves was significantly lower compared to rolling the cow. A significantly higher death rate was found in cows affected by uterine torsion than in cows with uncomplicated parturition. German Browns with uterine torsion had a significant smaller abdomen, a lesser amount of body fat and a weaker ligament in the centre of the udder compared to cows with uncomplicated parturition. German Holsteins affected by uterine torsion had a significant lesser inclination of the pelvis compared to cows with uncomplicated parturition. German Holstein fetuses delivered after correction showed higher birth weights and greater body traits than fetuses of controll cows. The gestation period of German Holsteins affected by uterine torsion was five days longer. In conclusion German Holsteins with a high gestation length had a significant higher risk for uterine torsion.   The aim of the second part was to analyse the prevalence of collateral diseases in 77 cows after uterine torsion and 125 cows with uncomplicated parturition. The animals were recruited from 36 dairy herds in the districts Ravensburg and Friedrichshafen (Baden-Wuerttemberg). The prevalence of traumatic injuries of the birth canal during parturition was 22.4% in cows affected by uterine torsion. Serous inflammations of the genital tract mucosa were found with a prevalence of 23.3% and leg diseases with a prevalence of 17.8% in cows with uterine torsions. Traumatic injuries and serous inflammations were significantly higher in cows with uterine torsion than in cows with uncomplicated parturition. Leg diseases also occurred more often in cows affected by uterine torsion. There were no statistically significant differences for the prevalence of placental retention, mastitis and milk fever. Endometritis, vaginal prolapse, digestive disorder, ketosis and displacement of the abomasum occurred only in a few individual cases.   In the third part of this study a lactational incidence for uterine torsion of 1.38% was found in 9088 calvings of the breeds German Brown, German Holstein, German Fleckvieh and crossbreeds in the districts Ravensburg and Friedrichshafen (Baden-Wuerttemberg). Uterine torsions occurred with a lactational incidence of 2.38% in German Brown and with a lactational incidence of 0.78% in German Holsteins. German Brown cows were at a significantly higher risk compared with German Holsteins and German Fleckvieh. Seasonal effects were found only for a few months. The number of lactation, the gender of the fetus and breed of the AI-bull as sire of the calf had no influence on the incidence of uterine torsion. Births from commercial crosses of German Fleckvieh bulls with German Brown cows were found significantly more often affected by uterine torsion. The herd had an influence on the incidence of uterine torsion in German Holsteins. The heritability estimates for uterine torsion were h2 = 0,0003 ± 0,0006 for German Brown and h2 = 0,013 ± 0,008 for German Holsteins. Thus, there seems to be no genetic disposition for uterine torsion within these breeds in this region. A genetic correlation (rg = 0,569 ± 0,256) between incidence of uterine torsion and gestation length was found for German Holsteins and for German Brown (rg = 0,851± 0,17).

Ziel des ersten Abschnitts dieser Arbeit war es, geburtshilfliche Befunde und Trächtigkeitsdauer von 71 Kühen mit Torsio uteri als Geburtskomplikation zu analysieren und an diesen Kühen erhobene Körpermaße und Exterieurmerkmale anhand einer Vergleichsgruppe aus 125 Kühen auf signifikante Unterschiede zu prüfen. Die Kühe gehörten den Rassen Deutsches Braunvieh und Deutsche Holsteins an und wurden in 33 Milchviehbetrieben in den Landkreisen Ravensburg und Friedrichshafen (Baden-Württemberg) gehalten. Bei 92,9% der Kühe wurde eine Torsio uteri et vaginae diagnostiziert und in 85,7% der Fälle handelte es sich um eine Torsio uteri sinistra. Die Torsion der Gebärmutter besaß bei 67,2% der Tiere einen Torsionsgrad von 180° und bei 30,0% der Tiere 270°. Torsionen der Gebärmutter von mehr als 360° wurden nicht beobachtet. Die Zervix war in 53,5% der Fälle offen oder wies eine geringgradige mangelnde Öffnung auf. 11,4% der Kälber wiesen eine Hinterendlage auf und 10% eine fehlerhafte Haltung. 63,4% der Torsionen konnten mit Hilfe des Kamerschen Griffes eröffnet werden, während in 33,8% der Fälle eine Wälzmethode durchgeführt wurde. Torsionen bei Deutschen Holstein Kühen wurden signifikant häufiger mit einer Wälzmethode eröffnet. Das Geschlecht des Kalbes besaß keinen signifikanten Einfluss auf das Auftreten einer Torsio uteri. Kälber aus Kühen der Rasse Deutsche Holsteins wurden nach Retorsion signifikant seltener lebend entwickelt als Kälber aus Kühen der Rasse Deutsches Braunvieh. Bei Anwendung einer Wälzmethode kam es zu einem signifikant höherem Anteil an Totgeburten als nach Anwendung des Kamerschen Griffes. Der Anteil an totgeborenen Kälbern war bei den Kühen mit Torsio uteri signifikant höher als bei den Vergleichskühen. Kühe mit Torsio uteri der Rasse Deutsches Braunvieh wiesen eine signifikant geringere Körpertiefe, einen geringeren Körperfettansatz und ein schwächeres Zentralband auf als Tiere der Vergleichsgruppe. Kühe mit Torsio uteri der Rasse Deutsche Holsteins hatten ein signifikant weniger stark abfallendes Becken als die Vergleichstiere. Kälber aus Kühen mit Torsio uteri der Rasse Deutsche Holsteins wurden um durchschnittlich 5 Tage länger getragen, besaßen ein höheres Körpergewicht und wiesen größere Körpermaße auf. Demnach stellt sich eine verlängerte Trächtigkeitsdauer als ein Risikofaktor für Torsio uteri bei Deutschen Holstein Kühen dar.   Im Rahmen des zweiten Teils der vorliegenden Untersuchung wurde das Auftreten von Begleit- und Folgeerkrankungen bei 77 Kühen mit Torsio uteri als Geburtskomplikation und 125 Kühen mit komplikationsloser Geburt aus 36 Milchviehbetrieben in den Landkreisen Ravensburg und Friedrichshafen (Baden-Württemberg) analysiert. Verletzungen der Geburtswege traten bei Kühen nach einer Torsio uteri mit einer Frequenz von 22,4% auf, Genitalkatarrhe nach Abschluss des Puerperiums mit 23,3% und Gliedmaßenerkrankungen mit 17,8% auf. Für Verletzungen der Geburtswege und Genitalkatarrh konnte ein signifikant häufigeres Auftreten bei Kühen mit Torsio uteri ermittelt werden als bei Kühen mit komplikationsloser Geburt. Letztgenannte erkrankten auch seltener an Gliedmaßenerkrankungen. Unterschiede im Auftreten von Nachgeburtsverhaltungen, Gebärparese und Mastitis zwischen Kühen nach einer Torsio uteri und Kühen mit komplikationsloser Geburt konnten nicht statistisch abgesichert werden. Endometritiden, Prolaps vaginae, Indigestionen, Ketosen und Labmagenverlagerungen wurden nur in Einzelfällen beobachtet.   Im dritten Abschnitt der vorliegenden Untersuchung wurde anhand von 9088 dokumentierten Abkalbungen von Kühen der Rassen Deutsches Braunvieh, Deutsche Holsteins, Deutsches Fleckvieh und Kreuzungstieren in Milchviehbetrieben der Landkreise Ravensburg und Friedrichshafen (Baden-Württemberg) eine Laktationsinzidenz für Torsio uteri von 1,38% berechnet. Torsionen der Gebärmutter traten mit einer Laktationsinzidenz von 2,38% bei Kühen der Rasse Deutsches Braunvieh und mit einer Laktationsinzidenz von 0,78% bei Kühen der Rasse Deutsche Holsteins auf. Kühe der Rasse Deutsches Braunvieh erkrankten signifikant häufiger an einer Torsio uteri als Tiere der Rasse Deutsche Holsteins und Deutsches Fleckvieh. Saisonale Einflüsse auf das Auftreten von Torsio uteri konnten nur für einige Monate statistisch abgesichert werden. Die Laktationsnummer, das Geschlecht des Kalbes und die Rasse des Besamungsbullen hatten keinen Einfluss auf das Auftreten einer Torsio uteri. Einzig Besamungsbullen der Rasse Fleckvieh konnten bei Kühen der Rasse Deutsches Braunvieh in einen Zusammenhang mit häufigerem Auftreten gebracht werden. Ein Betriebseffekt wurde nur für Kühe der Rasse Deutsche Holsteins gefunden. Die Heritabilität von Torsio uteri betrug für Kühe der Rasse Deutsches Braunvieh h2 = 0,0003 ± 0,0006. Für Kühe der Rasse Deutsche Holsteins konnte eine Heritabilität von h2 = 0,013 ± 0,008 ermittelt werden. Eine genetische Disposition zur Torsio uteri scheint damit für Kühe dieser Rassen in dieser Region nicht gegeben zu sein. Es konnte eine genetische Korrelation zwischen Torsio uteri und der Trächtigkeitsdauer für Kühe der Rasse Deutsche Holsteins von rg = 0,569 ± 0,256 und für Kühe der Rasse Deutsches Braunvieh von rg= 0,851 ± 0,17 gefunden werden.

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Kruse, Monika: Genetische und umweltbedingte Einflüsse auf das Auftreten von Torsio uteri bei Milchkühen. Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

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