Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Autoantikörper gegen Strukturen des zentralen Nervensystems bei steril-eitriger Meningitis-Arteriitis des Hundes

Schulte, Kolja

Steroid responsive meningitis-arteriitis (SRMA) is a well known disease of dogs in small animal practice since a few decades. A combined evaluation of IgA in serum and cerebrospinal fluid (CSF) seems to be an important diagnostical feature. Together with the marked response to steroids immunpathologic mechanisms are suspected to be involved in the pathogenesis of SRMA. Although the etiology is still unknown, the excessive production of IgA seems to play a central role in the pathogenesis. One reason for the uncontrolled IgA synthesis in SRMA might be an immune reaction to self antigens of the central nervous system (CNS). To examine this hypothesis CSF samples of dogs with SRMA are analysed by western blot method. After blotting canine brain material IgA, M and G in the CSF samples are tested for their affinity to CNS structures. Controll groups are dogs with other brain diseases, such as different encephalitides and intracranial tumors, and healthy dogs. In CSF samples of dogs with SRMA, different encephalitides and brain tumors positive reactions are observed (8% positive samples). Mostly IgA reacts with CNS proteins. However, the distribution of positive results is significant higher in the controll group with other brain diseases then in SRMA group (p = 0,0135). The number of positive samples in the group of dogs with SRMA does not differ from a negative result (p = 0,1535). Despite a small number of positive samples, only dogs with abnormal findings in the CSF analysis have autoantibodies in the CSF probes. There is no significant correlation between positive results and levels of IgA and cell counts in cerebrospinal fluid. Also autoantibodies and protein content do not correlate significantly. However, there is a certain trend to positive samples in dogs with high protein content. Positive antigen-antibody reactions are found with CNS proteins of different size (10-130 kDa). The proteins are not defined in the current study, a reaction with GFAP (glial fibrillary acidic protein) would be possible. The hypothesis that SRMA is caused by an autoimmune reaction is not proven by the present study.

Die steril-eitrige Meningitis-Arteriitis (SRMA) ist eine weltweit auftretende Form der Hirnhautentzündung bei Hunden mit noch unbekannter Ätiologie und Pathogenese. Wichtiges diagnostisches Merkmal ist die kombinierte Erhöhung der Konzentrationen von Immunglobulin A (IgA) in Serum und Liquor cerebrospinalis (CSF) sowie eine Besserung der klinischen Symptome auf eine Therapie mit Glukokortikoiden. Dies legt die Vermutung immunpathologisch bedingter Veränderungen nahe und obwohl IgA bei der Pathogenese eine zentrale Rolle zu spielen scheint, ist die genaue Bedeutung noch unklar. Eine mögliche Erklärung für die exzessive IgA-Synthese liegt in einer spezifischen adaptiven Immunantwort gegen körpereigene Antigene (Autoantigene) des zentralen Nervensystems (ZNS). Zur näheren Untersuchung dieser Annahme werden Liquorproben von an SRMA erkrankten Hunden mit der Methode des Western Blots untersucht und mit denen von neurologisch gesunden Hunden sowie an Erkrankungen des ZNS anderer Genese (Enzephalitiden, Tumoren) leidenden Hunden verglichen. Die im Liquor cerebrospinalis enthaltenen Antikörper der Klassen A, M und G werden hierbei auf ihre Affinität zu hirneigenen Strukturen getestet. Sowohl bei an SRMA erkrankten Hunden als auch bei Hunden der Kontrollgruppe mit anderen Erkrankungen des ZNS zeigen sich Reaktionen zwischen Hirngewebe und im Liquor enthaltenen Antikörpern der Klasse A, bei fraglichem Ergebnis auch der Klasse M. Bezüglich der Verteilung auf die verschiedenen Untersuchungsgruppen lässt sich ein signifikanter Unterschied zugunsten der Kontrollgruppe (= Erkrankungen des ZNS anderer Genese) feststellen (p = 0,0135). Innerhalb der SRMA-Gruppe unterscheidet sich die Anzahl positiver Proben nicht signifikant von einem gesamt negativen Ergebnis (p = 0,1535). Trotz der geringen Anzahl positiver Proben in der Western Blot Analyse (8%) zeigt sich, dass diese nur bei Tieren mit veränderten Liquorwerten zu finden sind. Es ist jedoch keine Korrelation mit der Höhe der veränderten IgA-Werte, Proteinkonzentrationen und Zellzahlen erkennbar. Lediglich in der einfachen Regressionsanalyse lässt sich eine Tendenz zunehmend positiver Proben mit steigendem Eiweißgehalt erkennen, die jedoch statistisch keine Signifikanz zeigt. Die Antigen-Antikörper-Reaktionen finden mit Hirnproteinen unterschiedlichster Größe (10 bis 130 kDa) statt. Eine Identifizierung der vermutlich erkannten Proteine ist aufgrund fehlender Sequenzierung nicht eindeutig möglich. Eventuell wird unter anderem GFAP (glial fibrillary acidic protein), für das vor kurzem bei der Pug Dog Enzephalitis Autoantikörper beschrieben wurden, erkannt. Eine ätiologische Bedeutung bleibt unklar. Die Hypothese einer autoimmunen Ursache für die übermäßige IgA-Produktion bei der SRMA kann mit der in dieser Studie durchgeführten Western Blot Analyse nicht bestätigt werden.

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Schulte, Kolja: Autoantikörper gegen Strukturen des zentralen Nervensystems bei steril-eitriger Meningitis-Arteriitis des Hundes. Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

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