Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Populationsgenetische Untersuchungen zur Entwicklung der Hunderasse Elo sowie zum Auftreten und zur Vererbung von Distichiasis

Kaufhold, Judith

The objective of the present study was to analyze the population structure of the dog breed Elo in respect of the percentages of genes of the founder breeds, of inbreeding and relationships, and of puppy losses. Further analyses focussed on distichiasis, the inheritance of which was investigated using complex segregation analyses. Stud book data of all Elo dogs from 1987 to 2002, and the results of ophthalmologic examinations of 234 Elo dogs were available for the present study. The breeding of the Elo was started in 1987 on the basis of 16 founder animals stemming from 9 different dog breeds. The Eurasian dog breed contributed about 48 % of the genes in the whole Elo dog population. Old English Sheepdog and Chow Chow contributed about 23 % and 10 % of the genes, respectively. The other dog breeds were of minor importance. In the whole Elo dog population the mean inbreeding coefficient was 11.24 %, and the relationship coefficient was 19.43 %. With the exception of 2.7 % of animals, all Elo dogs were related to each other. The mean litter size was 6.39 puppies. The percentage of stillborn puppies per litter averaged at 9.47 %. The inbreeding coefficients of the puppies and of their dams, the age of the sire and the dam at the time of birth of the puppies, the litter size, the puppies’ year of birth and the proportion of genes of the Chow Chow showed a significant effect on the number of stillborn puppies per litter. The heritability for the frequency of stillborn puppies was estimated with REML using a linear animal model. After transformation of the linear estimates to the underlying liability scale, the heritability amounted to h² = 0.15. According to the available results of ophthalmologic examinations, distichiasis is quite common in the Elo dog. 27.8% of the examined dogs showed between 1 and 31 distichia. Altogether, there were twice as many distichia in the upper than in the lower eyelid. The youngest dog affected with distichiasis was only 99 days old. The litter size, the number of examined Elo dogs per examiner and the percentage of genes of the Eurasian dog had a significant influence on the prevalence of distichiasis. The error probability for the inbreeding coefficient and the percentage of genes of the Old English Sheepdog were just above the significance limit of p = 0.05. No significance was found for the remaining effects that have been considered. Genetic parameters for distichiasis were estimated with REML using a linear animal model. After transformation of the linear observed estimate onto the underlying liability scale the heritability estimate was h² = 0.43. The inheritance of distichiasis was analyzed in the Elo dog using complex segregation analyses. The different hypotheses of monogenic, mixed-monogenic-polygenic and polygenic inheritance as well as a random diversity model were tested. In further analyses the number of examined Elo dogs per examiner and the percentages of genes of the Eurasian dogs and the Old English Sheepdog were included in the models as covariates. For the segregation analyses eleven families of dogs were assembled. The eleven families comprised a total of 296 animals with 218 examined and 65 affected dogs. The existence of a genetic component of distichiasis was verified. Mixed models with a recessive, a dominant or an arbitrary major gene effect and the polygenic model represented possible hypotheses of inheritance. The variation of data was insufficiently explained by non-genetic factors and the breed composition. Therefore, they were not considered to represent adequate hypotheses to explain the observed prevalence of distichiasis.

Ziel der vorliegenden Arbeit war die Analyse der Populationsstruktur der Hunderasse Elo hinsichtlich der Genanteile der Gründerrassen, der Inzucht- und Verwandtschaftsverhältnisse und der Höhe der Welpenverluste. Weiterhin wurde die Prävalenz der Distichiasis untersucht und der Erbgang dieser Augenerkrankung mit Hilfe von komplexen Segregationsanalysen analysiert. Für die Untersuchung standen sämtliche Zuchtbuchunterlagen der Elo Zucht- und Forschungsgemeinschaft e.V. seit Beginn der Zucht des Elo bis Ende 2002 sowie Augenuntersuchungsbefunde von 234 Elos zur Verfügung. Im Jahr 1987 wurde mit der Zucht dieser Hunderasse auf der Basis von 16 Gründertieren aus 9 verschiedenen Rassen begonnen. Die Elos ließen sich zu 48 % auf den Eurasier zurückführen, 23 % der Genanteile brachte der Bobtail in die Population ein, und mit 10 % stand der Chow-Chow an dritter Stelle. Die anderen Gründerrassen, nämlich Samojede, Dalmatiner, Pekingese und Klein-, Mittel- und Japanspitz, kamen zu einem deutlich geringeren Prozentsatz vor. Der durchschnittliche Inzuchtkoeffizient der Gesamtpopulation betrug 11,24 % bei einem Maximum von 31,84 %. Der mittlere Verwandtschaftskoeffizient erreichte einen Wert von 19,43 % bei einem Maximalwert von 82,13 %. Bis auf 2,7 % der Tiere waren alle Verwandtschaftskoeffizienten größer als Null. Die mittlere Wurfgröße lag bei 6,39 Welpen pro Wurf, und die Höhe der Welpenverluste betrug 9,47 %. Ein signifikanter Einfluss auf die Welpenverluste konnte für die Effekte Inzuchtkoeffizient des Welpen, Inzuchtkoeffizient der Mutter, Alter des Vaters und Alter der Mutter bei der Geburt der Nachkommen, Wurfgröße, Geburtsjahr des Welpen und Genanteile des Welpen vom Chow-Chow festgestellt werden. Die Schätzung der Heritabilität mittels REML in einem linearen Tiermodell ergab für die Welpenverluste nach Transformation in das Schwellenwertmodell einen Wert von h2 = 0,15. Die Auswertung der Augenuntersuchungsbefunde zeigte, dass bei der Hunderasse Elo die Distichiasis häufig vorkommt. In einem Zeitraum von vier Jahren wurden 234 Hunde untersucht und bei 27,8 % der untersuchten Tiere wurde eine Distichiasis diagnostiziert. Die Anzahl der festgestellten Distichien schwankte zwischen 1 und 31. Insgesamt wurden am Oberlid fast doppelt so viele Distichien gefunden wie am Unterlid. Der jüngste Elo, bei dem eine Distichiasis festgestellt wurde, war erst 99 Tage alt. Ein signifikanter Einfluss auf das Auftreten von Distichiasis wurde für die Wurfgröße, für die Anzahl der pro Tierarzt beim Elo durchgeführten Augenuntersuchungen und für die Genanteile vom Eurasier festgestellt. Die Effekte Inzuchtkoeffizient und Genanteile vom Bobtail überschritten die Signifikanzgrenze von 0,05 nur knapp. Die anderen untersuchten Einflussfaktoren waren nicht signifikant. Die Schätzung der Heritabilität in einem linearen Tiermodell ergab für die Distichiasis nach Transformation in das Schwellenwertmodell einen Wert von h2 = 0,43. Die Untersuchungen zur Vererbung von Distichiasis wurden mit Hilfe von komplexen Segregationsanalysen durchgeführt. Die Hypothesen umfassten monogene, gemischt-monogen-polygene und polygene Erbgänge sowie Modelle mit nur umweltbedingter Streuung. In zusätzlichen Analysen wurden die pro Tierarzt beim Elo durchgeführten ophthalmologischen Untersuchungen sowie die Genanteile der Rassen Eurasier und Bobtail als Kovariable in die Modelle aufgenommen. In den Segregationsanalysen wurden sieben Familien mit insgesamt 296 Tieren, wovon 218 ophthalmologisch untersucht und 65 Hunde von Distichiasis betroffen waren, verwendet. Für das Auftreten von Distichiasis konnte eine genetische Komponente nachgewiesen werden. Die gemischten Modelle mit rezessivem, dominantem oder willkürlichem Hauptgeneffekt und das Modell für einen polygenen Erbgang wurden als mögliche Erbgangshypothesen angenommen. Nicht-genetische Faktoren und die Rassenzusammensetzung konnten die Datenstreuung nur unzureichend erklären und kamen damit nicht als alleinige Erklärungshypothesen für die beobachtete Prävalenz von Distichiasis in Betracht.

Quote

Citation style:

Kaufhold, Judith: Populationsgenetische Untersuchungen zur Entwicklung der Hunderasse Elo sowie zum Auftreten und zur Vererbung von Distichiasis. Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

Rights

Use and reproduction:
All rights reserved

Export