Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Hörschwellenbestimmung mittels früher akutisch evozierter Potentiale zur klinischen Diagnostik bei gesunden und erkrankten Kaninchen mit Kopfschiefhaltung

Claaßen, Wiebke

The purpose of this study was to determine through examination of the hearing level under clinical conditions and the measurement of early acoustic evoked potentials (EAEP), if an improvement of the diagnostics of rabbits with head inclination is possible. Therefore 94 animals, i.e. 74 rabbits with healthy ears, 15 with an Encephalitozoon cuniculi infection and 5 with an otitis media were examined in a clinical study. First of all the hearing threshold, amplitudes at 60dB nHL and the latencies PII at 60, 50, 40, 30 , 20, 10, 5 and 0 dB nHL were determined in healthy rabbits and compared with the diseased animals. A significantly sensitive hearing threshold (p£ 0,05) was shown in healthy animals (-5 dB) compared to the diseased rabbits (2,5 dB). Ampiltudes in healthy rabbits at potential 0 at 60dB had a mean value of 0,4mV, potential I value of 1,2mV, potential II of 1,6mV, potential III of 1,4mV, potential IV of 0,7mV and potential V of 0,5mV. Compared to these values the amplitudes in the diseased group differed significantly: potential 0 had a mean value of 0,0mV, potential I of 0,7mV, potential II of 1,2mV, potential III of 0,95mV, potential IV of 0,4mV and potential V of 0,0mV. The latencies occurred in diseased rabbits at all tested sound pressure levels earlier than in healthy rabbits.A statistic significance could only be verified at 60dB nHL and 50dB nHL. The differences between hearing threshold, amplitudes and latencies in the diseased group yielded no explicit results. Comparing the EAEP of rabbits with Otitis media or Encephalitozoonosis among themselves and to the healthy rabbits revealed deviations in the amplitude and the hearing threshold, but these were not pronounced enough to ensure a correct diagnosis of Otitis media or Encephalitozoonosis. The comparison of hearing thresholds of different age groups showed significant deviations between young and old animals. The reason of hearing loss may be damaged hair cells or the deterioration of the flexibility of auditory ossicles. The examination of the hearing threshold between different weight groups only shows an alteration related to the age of the animal. Ram rabbits had a clearly higher hearing threshold compared to other rabbit breeds.The influence of breeding selection on the external ear could be the cause. Non visible inner ear changes were possibly passed on to next generations. To verify this hypothesis, further studies with ram rabbits and other breeds should be conducted.

Ziel der Studie war es, durch Bestimmung des Hörvermögens unter Praxisbedingungen sowie der Messung der frühen akustisch evozierten Potentiale (FAEP) zu prüfen, ob die Möglichkeit zur Verbesserung der Diagnostik von Kaninchen mit Kopfschiefhaltung besteht. Dazu wurden 94 Tiere, davon 74 gesunde mit 15 an Encephalitozoonose und 5 an Otitis media et interna erkrankte Kaninchen verglichen. Zunächst wurden die Hörschwelle, die Amplituden bei 60 dB nHL und die Latenzen PII bei 60, 50, 40, 30, 20, 10, 5 und 0 dB nHL von gesunden Tieren ermittelt und mit denen der erkrankten Tiere verglichen. Dabei zeigte sich eine deutlich niedriger Hörschwelle (p£ 0,05) bei gesunden (-5) dB im Gegensatz zu erkrankten Kaninchen (2,5) dB. Die Amplitude bei den gesunden Kaninchen in Potential 0 betrug bei 60 dB im Median 0,4 µV, in Potential I 1,2 µV, in Potential II mit 1,6 µV, in Potential III mit 1,4 µV, in Potential IV 0,7 µV und in Potential V 0,5 µV. Im Vergleich dazu wichen die Amplitudenhöhen bei den erkrankten Tier auffällig ab. So zeigten die Amplituden dieser Tiere bei 60 dB nHL folgende Werte: Potential 0 weist im Median 0,0 µV auf, Potential I 0,7 µV, Potential II 1,2 µV, Potential III 0,95 µV, Potential IV 0,4 µV und Potential V 0,0 µV auf. Bei den erkrankten Kaninchen waren die Latenzen bei allen dB – Schalldruckpegeln früher als bei den gesunden Kaninchen. Eine statistische Signifikanz ist nur bei 60 dB nHL und bei 50 dB nHL feststellbar. Die Unterschiede der Hörschwellen, Amplituden und Latenzen innerhalb der kranken Gruppe (Otitis media et interna und Encephalitozoonose) ergab keine auffälligen Resultate. Die FAEP bei an Otitis media et interna und an Encephalitozoonose erkrankten Tieren untereinander sowie im Vergleich mit den gesunden Tieren zeigten zwar Abweichungen in der Amplitude und der Hörschwelle, jedoch waren diese nicht so deutlich, daß damit die Diagnosen Otitis media et interna oder Encephalitozoonose cuniculi abgesichert werden. Im Vergleich der Hörschwellen verschiedener Altersgruppen traten auffällige Abweichungen von jungen zu alten Tieren auf. Als Ursache muß eine Schädigung der Haarzellen und / oder die fehlende Flexibilität der Gehörknöchelchen angesehen werden. Bei der Betrachtung der Hörschwelle zwischen unterschiedlichen Gewichtsgruppen zeigt sich unter Einbeziehung der Altersstruktur nur eine altersabhängige Hörschwellenveränderung. Bei der vergleichenden Betrachtung von Widder - Kaninchen zu anderen Kaninchenrassen zeigte sich eine deutlich höhere Hörschwelle bei Widdern. Als Ursache hierfür kommt der züchterische Einfluß auf die äußere Ohrform (Schlappohren) in Betracht. So wurden möglicherweise durch die Zuchtselektion äußerlich nicht erkennbare Veränderungen am Gehör an die Nachkommen weitergegeben. Weiterführende Untersuchungen mit Widderkaninchen und anderen Rassekaninchen sollten deshalb zukünftig durchgeführt werden.

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Claaßen, Wiebke: Hörschwellenbestimmung mittels früher akutisch evozierter Potentiale zur klinischen Diagnostik bei gesunden und erkrankten Kaninchen mit Kopfschiefhaltung. Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

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