Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Pferdebestattungen auf dem frühmittelalterlichen Gräberfeld Drantumer Mühle (Gemeinde Emstek, Kreis Cloppenburg, Niedersachsen)

Babo, Verena

During an emergency dig in the year 1964 on the middle-aged cemetery at the Drantumer Mühle (municipality Emstek; district Cloppenburg) 24 burials of horses were found. The tradition to send the horse of a fallen warrior or rider as well to death is connected to the Teutons’ belief in the next world. The horse was supposed to carry the dead to Walhalla and the warrior was supposed to still command the horse in the next world. The 14C- analysis of the bone material, which was performed by the Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung, Hanover, estimates that the horse bones are approximately from the year 710 to 885 AD. The work at hand is concerned with the osteolytic analysis of 22 horse skeletons and the evaluation of the findings. At first, the skeleton material is presented. Its state of preservation can generally be seen as being between moderate and bad. Only a few bones are completely maintained. In total, 3065 bones or bone parts can be determined. The discovery of the isolated third skull in the double grave Nr. VII/10 is remarkable. It could be an indication that partial burials took place at this cemetery as well. After having performed a tooth age analysis of the several horses, it can be recognized that all age groups are represented among the sample. Most of the horses were killed when they were between 5 – 15 years old, which is usually their fittest age.  However, the age evaluation by means of the epiphyseal closure attains different results than the above mentioned tooth age analysis. The height at the withers of the horses when calculated by the Kiesewalter method, ranges between 130 and 145 cm (= 136; s = 4,75). However, when the Vitt method is used, the horses are between 126 and 143 cm (= 135; s = 5,04) tall. The deviations are statistically not significant. Within 18 of the 23 examined horse skulls, canini – or more precisely their alveoles – were found. Therefore, those horses can be identified as stallions. The sex of the other five horses cannot be classified. However, it can be assumed that those animals are also male. Apart from the necrosis of the enamel fold of one horse and the exostoses and ankyloses of the hock joint of three other horses, there are no findings of pathological-anatomical distortions.

Während einer Notgrabung im Jahre 1964 auf dem frühmittelalterlichen Gräberfeld an der Drantumer Mühle, Gem. Emstek, Kr. Cloppenburg wurden 24 Pferdebestattungen aufgefunden. Der Brauch, das Pferd des verstorbenen Kriegers bzw. Reiters mit in den Tod folgen zu lassen, hängt mit dem Jenseitsglauben der Germanen zusammen. Die Pferde sollten den Verstorbenen nach Walhall tragen. Er sollte auch im Jenseits über sein Pferd verfügen. Die durchgeführte 14C-Analyse des Knochenmaterials durch das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung in Hannover datiert die Pferdeknochen auf 710 bis 885 Jahre n. Chr.. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der osteologischen Analyse und Befunderhebung von 22 Pferdeskeletten. Einleitend wird das Skelettmaterial der Pferde dargestellt, dessen Erhaltungszustand allgemein als mäßig bis schlecht zu bewerten ist. Nur wenige Knochen sind in toto erhalten. Insgesamt können 3065 Knochen bzw. Knochenstücke bestimmt werden. Der Fund eines isolierten Schädels, der im Doppelgrab Nr. VII/10 als zusätzlicher dritter Schädel entdeckt wurde, ist bemerkenswert. Er könnte ein Hinweis darauf sein, dass  auf diesem Gräberfeld auch Teilbestattungen durchgeführt wurden. Im Rahmen der Zahnaltersschätzung der einzelnen Pferde konnte festgestellt werden, dass alle Altersgruppen vertreten sind. Die überwiegende Zahl der Pferde wurde im besten Nutzungsalter zwischen 5 und 15 Jahren getötet. Die Altersbestimmung anhand des Epiphysenschlusses ergibt Differenzen im Vergleich zu der durch die Zahnaltersschätzung. Die Widerristhöhe der Pferde, die nach der Methode von Kiesewalter bestimmt wurde, liegt zwischen 130 und 145 cm (= 136; s = 4,75). Nach der Methode von Vitt sind die Pferde zwischen 126 und 143 cm (= 135; s = 5,04) groß. Die Abweichungen sind statistisch nicht signifikant. Bei 18 der untersuchten 23 Pferdeschädel konnten Canini bzw. ihre Zahnfächer nachgewiesen werden. Daher sind diese Tiere als Hengste einzustufen. Die übrigen fünf Pferde sind geschlechtsspezifisch nicht einzuordnen. Es kann aber vermutet werden, dass es sich bei diesen Tieren ebenfalls um Tiere männlichen Geschlechts handelt. Mit Ausnahme der Schmelzbechernekrose bei einem Pferd sowie den Exostosen und Ankylosen in den Tarsalgelenken von drei Pferden sind keine pathologisch - anatomischen Veränderungen zu konstatieren.

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Babo, Verena: Pferdebestattungen auf dem frühmittelalterlichen Gräberfeld Drantumer Mühle (Gemeinde Emstek, Kreis Cloppenburg, Niedersachsen). Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

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