Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Eitrige Klauengelenksentzündung beim Rind

Heppelmann, Maike

In a randomised prospective study, it has been the aim of this thesis to compare resection of the coffin joint as a means to retain the claw with amputation of the claw in cattle affected with purulent arthritis of the coffin joint. The study was undertaken among 52 patients of the Clinic for Cattle Diseases, Foundation School of Veterinary Medicine, Hannover, which were diagnosed with purulent arthritis of the coffin joints of the hind limbs. On a randomised basis, one half of the animals had one of their claws amputated as an exarticulation in the pastern joint with preservation of the coronary groove. The other half of the animals underwent a resection of the coffin joint through plantar approach and a resection of the distal sesamoid bone. Here the strain was taken off the operated claw via a wooden block fixed under the healthy claw, further a tipping claw prevention according to CLEMENTE (1986) was done. To diagnose purulent arthritis of the coffin joint, both clinical and radiological examinations were necessary. The radiological examination was especially important to determine the extent of osseus changes. As an additional diagnostic aid a sonographic examination was used in order to detect changes of the common synovial sheath of flexor tendons. The postoperative healing process was free of complications in 38 of the 52 animals (73,1 %). 28 days post operationem, healing was significantly advanced in animals with resection of the coffin joint as compared to animals after amputation of the claw. Six animals with claw amputation and eight animals with coffin joint resection showed postoperative complications of different kinds. All complications were cured. Within 360 days post operationem, animals with coffin joint resection showed significantly more new claw diseases of the other limb than animals with claw amputation. Here the probable reason is that animals go lame for a longer time after coffin joint resection and therefore overwork the other limb. Until day 28 post operationem, animals with coffin joint resection showed a significantly higher degree of lameness than animals after claw amputation. In eight cases of animals with claw amputation, the partner claw became damaged. Of these, two animals were culled due to this disease. The others were able to be cured, but only with high and economically questionable expenditure. There was just one case where the partner claw became diseased among animals with coffin joint resection. Here the operated claw was the problem with twelve cases of infection. Reasons suggested were faulty strain on the operated claw and the missing shock absorbent pad cushion. After 180 days, 52,9 % and after 300 to 660 days, 20 % of the animals with coffin joint resection showed tipping claws on the operated ones despite tipping claw prophylaxis. In total, after coffin joint resection only three animals showed complete osseus ankylosis of the coffin joint. For animals with coffin joint resection, postoperative expenditure was higher than for animals after claw amputation. Animals after coffin joint resection needed significantly more changing of bandages during the first 360 days post operationem. Postoperative milk yield and the number of new calvings did not show any statistically provable difference between coffin joint resection and claw amputation. During the first 360 days post operationem, cullings did not significantly differ between the two groups (coffin joint resection 53,8 %; digital amputation 46,2 %). Various factors such as age, reproductive status, stabling, pasturing, additional claw diseases, and quality of claw horn did not show any influence on the average life span. The higher intra- and postoperative expenditure for cattle with resection of the coffin joint cannot be compensated for by a longer life span of these animals. Yet a problematic point is that among animals with claw amputation the partner claw becomes more frequently diseased. This often leads to culling of the animal. Thus for young valuable cattle, which justify higher expenditure, a coffin joint resection should be recommended.

Ziel dieser Arbeit war es, in einer randomisierten, prospektiven Studie die Klauengelenksresektion als klauenerhaltene Maßnahme mit der Klauenamputation bei Kühen mit einer Arthritis purulenta des Klauengelenkes zu vergleichen. Zu diesem Zweck wurden 52 Patienten der Klinik für Rinder der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, die an einer Arthritis purulenta des Klauengelenkes der Hintergliedmaße erkrankt waren, in die Studie aufgenommen. Randomisiert wurde bei einer Hälfte der Tiere eine Amputation der Klaue als eine Exartikulation im Krongelenk unter Erhaltung des Kronsaumes durchgeführt. Die andere Hälfte der Tiere wurde einer Klauengelenksresektion mit plantarem Zugang und Resektion des distalen Sesambeines unterzogen. Hier wurde die operierte Klaue durch einen Klotz entlastet und eine Kippklauenprophylaxe nach CLEMENTE (1986) angelegt. Zur Diagnose der purulenten Arthritis des Klauengelenkes wurde neben einer klinischen auch eine röntgenologische Untersuchung durchgeführt. Die röntgenologische Untersuchung war vor allem wichtig, um das Ausmaß der knöchernen Veränderungen abschätzen zu können. Die sonographische Untersuchung wurde als zusätzliches Hilfsmittel bei der Diagnostik eingesetzt. Hierbei lag das Augenmerk auf Veränderungen im Bereich der Fesselbeugesehnenscheide. Einen komplikationslosen postoperativen Heilungsverlauf zeigten insgesamt 38 der 52 Tiere (73,1 %). Dieser war bei Tieren nach Klauengelenksresektion 28 Tage post operationem signifikant weiter fortgeschritten als bei Tieren nach Klauenamputation. Sechs Tiere nach Klauenamputation und acht Tiere nach Klauengelenksresektion zeigten postoperative Komplikationen unterschiedlicher Art. Alle Komplikationen konnten geheilt werden. Erneute Klauenerkrankungen an der Gegengliedmaße innerhalb von 360 Tagen post operationem traten bei Tieren nach Klauengelenksresektion signifikant häufiger als bei Tieren nach Klauenamputation auf. Hier wird ein Überlastschaden durch die länger andauernde Lahmheit bei Tieren nach Klauengelenksresektion angenommen. Bis zum 28. Tag post operationem zeigten die Tiere nach Klauengelenksresektion einen signifikant höheren Lahmheitsgrad als die Tiere nach Klauenamputation. Die Partnerklaue erkrankte bei Tieren nach Klauenamputation in acht Fällen. Hiervon gingen zwei Tiere direkt infolge dieser Erkrankung ab. Die restlichen Tiere konnten nur mit hohem, wirtschaftlich fraglichem Aufwand geheilt werden. Bei Tieren nach Klauengelenksresektion erkrankte die Partnerklaue nur in einem Fall. Hier stellte die operierte Klaue das Problem dar, sie erkrankte in zwölf Fällen. Als Ursache wurden Fehlbelastungen der operierten Klauen und das Fehlen des stoßbrechenden Ballenpolsters vermutet. Nach 180 Tagen zeigten 52,9 %, nach 300–660 Tagen 20 % der Tiere nach Klauengelenksresektion trotz Kippklauenprophylaxe eine Kippklaue an der operierten Klaue. Insgesamt zeigten nur drei der Tiere eine vollständige knöcherne Ankylose des Klauengelenkes nach Klauengelenksresektion. Der postoperative Aufwand bei Tieren nach Klauengelenksresektion war höher als bei Tieren nach Klauenamputation. In den ersten 360 Tagen post operationem benötigten die Tiere nach Klauengelenksresektion signifikant mehr Verbandswechsel. Die postoperative Milchleistung und die Anzahl erneuter Abkalbungen der mittels Klauenamputation bzw. Klauengelenksresektion behandelten Kühe war statistisch nicht absicherbar unterschiedlich. Die Abgänge innerhalb der ersten 360 Tage post operationem (Klauenamputation 46,2 % / Klauengelenksresektion 53,8 %) waren zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich. Verschiedene Faktoren wie Alter, Reproduktionsstatus, Aufstallung, Weidehaltung, zusätzliche Klauenerkrankungen und Klauenhornqualität hatten keinen Einfluss auf die durchschnittliche Überlebensdauer. Der größere intra– und postoperative Aufwand bei Tieren nach Klauengelenksresektion kann nicht durch eine längere Nutzungsdauer dieser Tiere ausgeglichen werden. Allerdings ist die häufige Erkrankung der Partnerklaue bei Tieren nach Klauenamputation kritisch zu betrachten, da dies meist zum Abgang des Tieres führt. Bei jungen, wertvollen Tieren, die einen erhöhten Aufwand rechtfertigen, wäre demnach eine Klauengelenksresektion zu empfehlen.

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Heppelmann, Maike: Eitrige Klauengelenksentzündung beim Rind. Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

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