Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Grundsätzliches zur Angioarchitektur peripherer Lymphgefäße am Beispiel der Hinterextremität des Pferdes

Rothe, Kristin Juliette

On the basis of the presented macroscopic study it is for the first time possible to divide unequivocally the lymphatic system of collectors in superficial (epifascial) and deep (subfascial) collectors in an animal species. It is presented in the hind leg of the horse with the usage of a nomenclature in analogy to the human anatomy. But the topographic anatomy of both systems of collectors is indeed different in horse, when compared to man: In the horse a thick subcutaneous tissue is missing. Furthermore the venous saphena system with his deep collectors and the superficial fascia are not unequivocally defined in the horse. The presented results and suggested nomenclature is now used in the dissertations of Harland (2003), Risse (2004) and Braun (2004). Concerning the epifascial system of collectors the collectors were not only to be found in the subcutis rsp. hypodermis but for the first time in the dermis as a "dermal system of collectors". These lymphatic vessels were up to now believed to belong to the initial lymphatic system. The caliber of more than 150 µm and the occurrence of myofibroblasts in the subendothelial intima identifies them unequivocally as collectors. This new finding is from a physiological and pathological point of view and regarding to the human anatomy of significance. For the aetiology of equine lymph oedema and for the interpretation of lymphatic angiographies in the horse the demonstration of the lymphvascular angioarchitecture of the foot is high significance. Here the lymph vessels of the skin from the hoof to the distal third of the Metatarsus drain via short hypodermal collectors in the deep collector system. This finding is up to now only demonstrated in the horse. Since also the hoof is drained via the deep system, the subfascial collector system might be the major draining system of the hind leg. In contrary to the human anatomy with the epifascial located collectors as major draining system also for the foot. The presented anatomical findings are of significance, especially for the understanding of the manual lymphatic drainage (ML) in the horse. This concerns the strategy of treatment and the usage of the massage technique along the collector pathways. Furthermore the findings demonstrates that both epifascial and subfascial collectors can be animated to contract by ML massage technique because both systems are located close to the skin. In contrast to man, with a significant subcutaneous tissue that hinders the animation of the subfascial collector pump in the wall of the vessel. These findings explain, why ML-drainage shows even more success in the horse. In human lymphology is the individual classification of the collector system in "vessel-rich" and "vessel-poor" of clinical significance, because hypoplasias are the most common reason for primary lymphatic oedemas. Therefore the presented study demonstrates variations of lymphatic vessels in different horses. In contrast to the situation in man the epifascial and subfascial major collector vessels varies only insignificantly in the horse. Horse do show significant variations in the number of short superficial rsp. hypodermal located collectors. This finding is most striking in the foot region and could be one of the reasons for the particular inclination of horses to develop leg oedema and finally elephantiasis.

Aufgrund der vorliegenden makroskopischen Studie, ist es erstmals bei einer Tierspezies möglich, das System der Kollektoren eindeutig in oberflächliche (epifasziale) und tief verlaufende (subfasziale) Kollektoren einzuteilen und analog der Verhältnisse beim Menschen zu benennen. Dabei stellt sich die Topographie der Kollektorensysteme zu benachbarten Strukturen beim Pferd anders dar, als deren Lage beim Menschen. Beim Pferd fehlt, im Vergleich zum Menschen, eine dicke Subcutis. Außerdem liegt das venöse Saphenasystem mit den tiefen Kollektoren zusammen und die oberflächliche Faszie ist am Pferdefuß anatomisch nicht eindeutig definiert. Die vorliegenden Ergebnisse und Nomenklaturvorschläge finden bereits in den Dissertationen von HARLAND (2003), RISSE (2004) und BRAUN (2004) Berücksichtigung. In Bezug auf das epifasziale Kollektorensystem wurden Kollektoren nicht nur in der Subcutis bzw. Hypodermis sondern auch erstmals in der Dermis als "dermales Kollektorennetzsystem" beschrieben. Diese Lymphgefäße wurden bisher als Anteil des initialen Lymphgefäßnetzes angesehen. Die Kalibergröße von mehr als 150 µm und das Vorhandensein von Myofibroblasten in der subendothelialen Intima weisen sie eindeutig nicht als Präkollektoren sondern als Kollektoren aus. Dieser Neubefund ist aus physiologischer und pathologischer Sicht auch in Bezug auf den Menschen von Bedeutung. Für die Genese equiner Lymphödematisierungen und die Interpretation von Lymphangiographien dürfte die Abklärung der lymphvaskulären Angioarchitektur des Fußes von Bedeutung sein, indem die Lymphgefäße der Haut vom Hufsaum bis zur distalen Drittelgrenze des Metatarsus über kurze hypodermale Kollektoren in das tiefe Kollektorensystem drainiert wird. Das ist bisher nur beim Pferd nachgewiesen worden. Da auch der Huf über das tiefe System drainiert wird repräsentieren die subfaszialen Kollektoren das Hauptdrainagesystem der Beckengliedmaße. Dagegen bilden beim Menschen, auch in Bezug auf den Fuß, die epifaszialen Kollektoren den Hauptdrainageweg. Die vorliegenden anatomischen Befunde sind aber auch für das Verständnis der Manuellen Lymphdrainage beim Pferd im Bereich der Beckengliedmaße von Bedeutung. Das betrifft die Behandlungsstrategie in Hinblick auf die zur Anwendung kommenden ML-Griffe in Bezug auf die Kollektorenverläufe, aber auch die Erkenntnis, dass beim Pferd sowohl die epifaszialen als auch die subfaszialen Kollektoren mittels der ML-Griffe zur Kontraktion angeregt werden können, da beide Systeme sehr nah der Haut positioniert sind. Beim Menschen verhindert das ausgeprägte subkutane Fettdepot die Anregung der subfaszialen Kollektorenwandpumpe. Dadurch wird verständlich warum, die Manuelle Lymphdrainage beim Pferd bessere Lymphdrainageerfolge zeigt. In der Humanlymphologie ist die individuelle Einteilung der Kollektorensituation in einen "gefäßarmen und gefäßreichen Typ" von klinischer Bedeutung, da z.B. Hypoplasien die häufigste Ursache primärer Lymphödeme sind. Beim Menschen sind lediglich die Variationen der epifaszialen (subkutanen) Hauptkollektoren erfaßt worden. Beim Pferd variiert im Gegensatz zum Menschen, die Anzahl sowohl der epi- als auch subfaszialen Hauptkollektoren nur geringfügig. Pferde zeigen dagegen eine deutlich variierende Anzahl kurzer oberflächlich verlaufender, also hypodermaler Kollektoren. Dieser Befund ist im Bereich des Pferdefußes besonders ausgeprägt, wodurch sich möglicherweise die besondere Neigung des Pferdes zu angelaufenen Beinen, zur Phlegmone und Elephantiasis ableiten läßt.

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Rothe, Kristin Juliette: Grundsätzliches zur Angioarchitektur peripherer Lymphgefäße am Beispiel der Hinterextremität des Pferdes. Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

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