Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Retrospektive Studie zur ätiologischen Abklärung unklarer nicht-eitriger Meningoenzephalitiden bei Hund und Katze

Schwab, Stephanie

Aim of this study was to determine the cause of 90 cases of non-suppurative meningoencephalits of to date unknown etiology in dogs and cats by immunohistochemistry, in-situ-hybridization and PCR using formalin-fixed, paraffin-embedded tissue. New infectious agents were included as well as such, which have to date not been demonstrated in canine or feline CNS tissue respectively which are not known to infect dogs and/or cats at all. 56 dogs and 34 cats with non-suppurative meningoencephalits of unknown etiology were examined for the presence of 18 different infectious agents. In 14 out of 56 (25,0%) cases in dogs and 13 out of 34 (38,2%) cases in cats an infectious agent could be determined in the central nervous system. In spite of clear immunohistochemical reactions, in a few of those cases the final etiologic diagnosis remains to be elucidated. One dog showed an infection with porcine herpesvirus-1 in the CNS. In 3 cats the feline infectious peritonitis virus was determined in the CNS. In one cat E. coli-antigen was detected in the CNS. In one cat an infection of the CNS with the feline leukemia virus is suspected. In 5 dogs and one cat a parvovirus infection with unusual neurophathological findings was evident in the CNS. The observed lesions represent a new, so far not described disease pattern of parvovirus infections of the CNS of dogs and cats. Immunohistochemically, 5 dogs and 4 cats showed sings of an infection with the West Nile virus. These findings could not be verified by RT-PCR for the detection of WNV-specific RNA. In one of the dogs with signs of West Nile virus infection, an infection of the brain with the canine parainfluenzavirus was proven as well. Further more, one dog and one cat with signs of West Nile virus infection additionally showed immunohistochemical reactions specific for encephalomyocarditisvirus. Those signs for infection with encephalomyocarditisvirus were also found in 3 other dogs and 3 other cats. Considering the histopathological and immunohistochemical findings as well as the negative results in RT-PCR for the detection of WNV-specific RNA and the epidemiological situation in Germany both the infections with the West Nile virus and those with the encephalomyocarditisvirus remain questionable. This study provides evidence for infections of the CNS of dogs and cats with known causative agents and describes a new disease pattern of parvovirus infections in the CNS of dogs and cats. Especially the immunohistochemical reactions for West Nile virus and encephalomyocarditisvirus need to be further investigated concerning a possibly underlying molecular mimicry.

Ziel dieser Arbeit war es, mit Hilfe immunhistochemischer und molekularbiologischer Nachweismethoden an Formalin-fixiertem, Paraffin-eingebettetem Material retrospektiv einen Beitrag zur Klärung der Ätiologie nicht-eitriger Meningoenzephalitiden bei Hunden und Katzen zu leisten. Dabei wurden sowohl neue Erreger einbezogen als auch solche, für die bei Hund und/oder Katze bislang keine ZNS-Manifestation beschrieben ist bzw. die bislang bei diesen Spezies gar nicht nachgewiesen werden konnten. Es wurden 56 Hunde und 34 Katzen mit ungeklärter nicht-eitriger Meningoenzephalitis auf 18 verschiedene Erreger untersucht. Die Klärung gelang in 14 von 56 Fällen nicht-eitriger Meningoenzephalitis beim Hund (25,0%) und in 13 von 34 Fällen bei der Katze (38,2%). Allerdings kann bei einem Teil dieser Fälle trotz der eindeutigen immunhistochemischen Reaktionen keine abschließende Diagnose gestellt werden. Bei einem Hund fand sich eine Infektion des ZNS mit dem porzinen Herpesvirus-1. 3 Katzen wiesen eine Infektion des ZNS mit dem felinen Infektiöse Peritonitis-Virus auf. Bei einer Katze konnte E. coli-Antigen im ZNS nachgewiesen werden. Bei einer weiteren Katze besteht der Verdacht einer FeLV-Infektion des ZNS. 5 Hunde und eine Katze wiesen in Zusammenhang mit ungewöhnlichen neuropathologischen Befunden eine Infektion des ZNS mit Parvovirus auf. Bei den beobachteten Veränderungen handelt es sich um neue, bislang nicht beschriebene Krankheitsbilder der Parvovirus-Infektion des ZNS bei Hund und Katze. Bei 5 Hunden und 4 Katzen fanden sich immunhistochemisch Hinweise auf eine Infektion des ZNS mit dem West Nile-Virus, die mittels RT-PCR jedoch nicht verifiziert werden konnten. Bei einem Hund konnte neben immunhistochemischen Präzipitaten bei der Untersuchung auf WNV-Antigen zusätzlich eine Infektion mit kaninem Parainfluenzavirus im ZNS nachgewiesen werden. Bei einem weiteren der Hunde und einer der Katzen mit immunhistochemischen Präzipitaten bei der Untersuchung auf WNV-Antigen, fanden sich immunhistochemisch zusätzlich Hinweise auf eine Infektion des ZNS mit dem Enzephalomyokarditisvirus. Immunhistochemische Hinweise auf eine Infektion des ZNS mit dem Enzephalomyokarditisvirus fanden sich bei weiteren 3 Hunden und 3 Katzen. In Anbetracht der immunhistochemischen Reaktionen beim Nachweis von West Nile-Virus- und Enzephalomyokarditisvirus-Antigen, der mit ihnen in Zusammenhang stehenden histopathologischen Veränderungen, des negativ verlaufenen molekularbiologischen Nachweises von WNV-spezifischer RNA im ZNS sowie der epidemiologischen Situation in Deutschland erscheinen sowohl eine Infektionen mit dem West Nile-Virus als auch eine mit dem Enzephalomyokarditisvirus fraglich. In der vorliegenden Studie werden im ZNS von Hund und Katze sowohl bekannte Erreger nicht-eitriger Meningoenzephalitiden nachgewiesen als auch neue Krankheitsbilder der Parvovirus-Infektion des ZNS beschrieben. Insbesondere die immunhistochemischen Reaktionen beim Nachweis von West Nile-Virus- und Enzephalomyokarditisvirus-Antigen werfen Fragen bezüglich eines möglicherweise zugrunde liegenden „Molecular Mimicry“ auf und bedürfen weitergehender Untersuchungen.

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Schwab, Stephanie: Retrospektive Studie zur ätiologischen Abklärung unklarer nicht-eitriger Meningoenzephalitiden bei Hund und Katze. Hannover 2004. Tierärztliche Hochschule.

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