Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Krippenfuttermittel für Pferde, Entwicklungen vom Beginn des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts (Mitteleuropa und Nordamerika)

Bernemann, Ulrike

This dissertation is based on publications of relevant literature (i.e. magazines, books) on the use of trough feed from 1800 until 1950. The aim of this thesis is to trace back the motivation and the final success of the various feeding examples and trial feeding, which could only be evaluated empirically. The analysis of the relevant literature reveals, that the so-called “new” trough feed in the keeping of horses got into use from 1800 onwards and was used in addition and /or as a substitute to oat, bran or pulses, which  were the exclusive feedstuff  until then. This “new” trough food consisted of turnip, carrots, potatoes and food of animal origin (meat and blood meal). Later on maize, the remains of brewery and distillery, oil processing and especially of sugar beet processing (molasses and sugar beet pulp) were also used. The change in the horse diet was triggered off by the modified methods in agriculture (transition from three-field-system to rotation of crops), and by the new technologies in the processing of different raw materials. The most reports based on empirical experiences, often with only a few horses. The results were sometimes very different according to the accepting and digestibility. The great number of recognizes showed sometimes knowledge, which is now based on scientific investigations. Table 9 shows the chronological introduction of the feedstuffs mentioned. Table 10 shows the extent of investigation on that matter in the relevant books. The experiences on the ideal diet have partly been collected on a large number of horses and can be summed up for single feestuffs as follows: Æ-daily intake (kg) max. daily intake  (kg)  amount in exchange for 1 kg oat grain (kg) Carrots                15                 40                1,75 Potatoes, raw                  9,3                 18,75                2,5         „    , cooked                14,6                 39                3,3         „    , dried                  2,9                   9,75                1,1 Maize                  3,6                   8,5                1 Molasses                  1,2                   3,3                1,6 sugarbeet pulp                  5,2                   6,3                1 Sugar                  1,7                   4,3                1,5 brewers´grains/pulp                  3,1                 10                1 Well before 1800 mixtures of food consisting of bread, cakes, biscuit or rusk were produced for a whole range of advantages: The food taste and the digestibility were improved, the bad and /or inedible food (as for example animal products like meat and blood meal, which were often fed) were made use of and the transportation was facilitated. Out of this approach the first commercial food came up from 1865/70 onwards. This development was enhanced by the introduction of molasses as animal food around 1890. From 1870 onwards the German military forces have experimented on a complete diet for horses. This was partly successful until the first world war (Pressfutter) and finally in the second world war resulted successfully in a mixed meal (Heeresfutterkonserve). The Russian troops also disposed of a baked complete diet for horses at the same time. The USA formed pellets out of rough food as well as out of trough food and then mixed the two components to a complete diet during WWII. The essential motives for the use of the various feedstuffs mentioned was to reduce the costs of feeding, especially in non-agricultural enterprises. In the military sector it was also meant to assure a sufficient troop supply and to facilitate the logistic. Alongside the introduction of “new“ feedstuffs  for horses new diseases appeared. On one hand these diseases can easily be traced back to the new feeding diets (like oesophageal obstruction after feeding sugar beet pulp or equine paralytic myohaemoglobinaemia after giving a great amount of sugar), but on the other hand the explanation pertaining to the pathogenesis of colics or tympanie was difficult. To reveal the connection between the new feedstuffs and the new diseases was the reason for many veterinary investigators to examine the different feedings, regarding the fact that the most efficient prevention of colic’s now and then is a diet which comes up to the animal’s requirements according to hygiene and  nutrition. The numerous recognitions on the feeding of various feedstuffs, inclusive those, which were fed in times of war or bad harvest from 1800 to 1950, still stimulate the knowledge in science and practice.

In der vorliegenden Dissertation wurden die Veröffentlichungen in der einschlägigen Literatur (Zeitschriften, Bücher) über Krippenfuttermittel, die ab 1800 zusätzlich zu den konventionellen Produkten (Hafer, Kleie, Leguminosen) in der Pferdefütterung verwendet wurden, analysiert. Der Einsatz neuer Futtermittel wurde ermöglicht durch veränderte Anbaumethoden in der Landwirtschaft (Übergang von der Dreifelderwirtschaft zur ertragreicheren Fruchtfolgewirtschaft mit Kartoffel-Rübenanbau), aber auch durch neue Technologien bei der Verarbeitung verschiedener Rohstoffe und den anfallenden Nebenprodukten. Andererseits bestand vor allem in den nichtlandwirtschaftlichen Betrieben und im militärischen Bereich, in denen mehr als ein Drittel aller Pferde gehalten wurde, das Interesse an einer kostengünstigen Fütterung und der Sicherung einer ausreichenden Versorgung und vereinfachten Logistik. Zu den neuen Futtermitteln zählen Rüben, Möhren, Kartoffeln, Futtermittel tierischer Herkunft (Fleischmehl und Blut), später auch Mais, Rückstände aus der Brauerei, Brennerei und Ölproduktion und insbesondere aus der Zuckerrübenverarbeitung (Melasse, Schnitzel). Bei der Auswertung mussten überwiegend nicht objektivierbare Erfahrungsberichte, oft mit Beobachtungen bei wenigen Pferden, berücksichtigt werden. Dabei wurden z.T. kontroverse Erfahrungen über Akzeptanz oder Verträglichkeit der Futtermittel deutlich. Aus der großen Zahl der Beobachtungen, in einigen Fällen auch mit großen Tierzahlen und exakten Versuchsbedingungen, schälen sich jedoch einige sichere Erkenntnisse, die auch durch neuere wissenschaftliche Daten gestützt werden. Die zeitliche Einführung der genannten Futtermittel ergibt sich aus Tabelle 9 sowie aus der Behandlung dieser Futtermittel in den einschlägigen Büchern zur Pferdefütterung (Tab. 10). Aus den diversen Angaben können für einige Einzelfuttermittel Empfehlungen für den quantitativen Einsatz bei mittelschweren Pferden abgeleitet werden:   Æ-Tagesmenge (kg) Max. Tagesmenge (kg) Austauschwert gegen 1 kg Hafer (kg) Möhren                15                 40                1,75 Kartoffeln , roh                  9,3                 18,75                2,5         „       , gekocht                14,6                 39                3,3         „       , getrocknet                  2,9                   9,75                1,1 Mais                  3,6                   8,5                1 Melasse                  1,2                   3,3                1,6 Schnitzel                  5,2                   6,3                1 Zucker                  1,7                   4,3                1,5 Treber / Pülpe                  3,1                 10                1 Die Verträglichkeit dieser Futtermittel in den angegebenen Mengen hing jedoch von der Mahlzeitengröße, der Zubereitung (quetschen, mahlen, brühen, quellen, kochen, schnitzeln) sowie von der Kombination mit anderen Futtermitteln ab. Bei den meisten stärkereichen neuen Futtermittel, insbesondere Mais und Kartoffeln fiel bei verstärktem Einsatz eine vermehrte Wärmeproduktion und Schweißbildung auf. Wenn auch die Ursache (erhöhte mikrobielle Verdauung im Dickdarm) damals nicht bekannt war, wurden z. T. doch sinnvolle Maßnahmen getroffen, um dieser Erscheinung entgegen zu wirken, wie geringerer Einsatz im Sommer als im Winter, Fütterung nur zur Abendmahlzeit, Zubereitung der Futtermittel oder Verteilung auf mehrere Mahlzeiten. Der Wunsch nach leicht handhabbaren, konzentrierten Futtermitteln vom Militär aber auch von städtischen Pferdehaltern führte zur Entwicklung von Futtermischungen und schließlich zu Mischfuttern. Schon vor 1800 wurden erste Futtermischungen im Form von Brot, Kuchen, Biskuit oder Zwieback hergestellt zur Geschmacksverbesserung des Futters, zur Verbesserung der Verträglichkeit, zur Nutzung von verdorbenen und/oder nicht schmackhaften Futtermittel (hierzu zählen auch die vielfach eingesetzten tierischen Produkte, wie Fleisch- und Blutmehl)  und zur Vereinfachung des Transports. Aus diesem Ansatz entwickelten sich ab etwa 1865/70 die ersten kommerziellen Mischfutter. Die Entwicklung wurde durch die Einführung der Melassen als Futtermittel (um 1890) verstärkt. Ab 1870 wurde beim deutschen Militär versucht, Alleinfutter für Pferde zu entwickeln, was auch bis zum 1. Weltkrieg eingeschränkt (Pressfutter) und im 2. Weltkrieg uneingeschränkt (Heeresfutterkonserve) gelang. Auch Russland stand im 2. Weltkrieg ein gebackenes Alleinfutter für die Pferde zur Verfügung. Die USA formten während des 2. Weltkrieges Pellets aus Rauh-, sowie Krippenfutter und mischten sie zu einem Alleinfuttermittel. Zeitgleich mit den neuen Futtermitteln traten verschiedene Erkrankungen auf, die z. T. relativ einfach auf die veränderte Fütterung zurückzuführen (Schlundverstopfung nach Schnitzelfütterung, Verschlag nach starker Zuckerfütterung) z. T. aber in ihrer pathogenetischen Entwicklung (Tympanien, Koliken) nicht leicht zu erkennen waren. Sie erweiterten in jedem Fall aber das tierärztliche Wissen und Handeln. Die zahlreichen Beobachtungen bei der Fütterung diverser Futtermittel einschließlich von Not- und Ersatzfuttermitteln bei Kriegen und Missernten aus der Zeit von 1800 bis 1950 geben auch heute noch viele Anregungen für Wissenschaft und Praxis.

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Bernemann, Ulrike: Krippenfuttermittel für Pferde, Entwicklungen vom Beginn des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts (Mitteleuropa und Nordamerika). Hannover 2005. Tierärztliche Hochschule.

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