Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Epidemiologische Untersuchung zum Bestandsmanagement in Rinder haltenden Betrieben in Niedersachsen unter besonderer Berücksichtigung von Risikofaktoren für das Auftreten von BSE und Paratuberkulose

Ovelhey, Amely

Parameters of farm structure and management can be considered as important for the development of diseases in livestock production. Often the same management parameters are of interest and these may not be affected by the type of infection or disease. Therefore, it is the aim of this study to survey information about parameters of farm management on cattle farms. A representative study population was to be generated in order to draw conclusions on the whole cattle population in Lower Saxony. The results were to be compared with information about affected populations to make a statement about the risk factors of BSE and Johne´s disease in cattle farms in Lower Saxony. Hence a cross-sectional study was conducted. The double-phase study design was twice integrated. Data was surveyed by a postal questionnaire and personal interviews on farms. By following up the nonresponders it was possible to generate a representative study population. Although the postal questionnaire was long, a response rate of 40 % was achieved due to the layout, the concept, the letter of information and the follow up letter, which was sent to nonresponders after a certain time. This made a precise enough statement possible. The results of the study corresponded with official statistics regarding the number of cattle or cows and the distribution among the counties. As there were no discrepancies between the two phases of survey, the results can be regarded as representative for the whole cattle population in Lower Saxony. Data supplied by 731 farmers was incorporated in the analysis. In 2003 the average sized farm had a cattle population of 88 animals. Between 1994 and 2003 the proportion of dairy cattle holding farms decreased from 69 % to 55 %. It was determined from the information about feeding calves and young cattle, that the use of milk replacer decreased in the years 1994 to 2003 from 45 % to 39 %. The use of milk replacer in total was lower than assumed. Comparison with the BSE population in Lower Saxony showed that BSE was found predominantly in big herds with dairy cattle during the study period. Red Holstein cattle were most at risk of a BSE infection. Furthermore, milk production was reduced in BSE-infected cattle compared to the study population. Therefore, other parameters, which were not investigated in this study, could have an influence on the risk of a BSE infection. There was no reference to an increased risk through cross-contamination, the use of milk replacer or concentrated food for calves or the purchase of cattle. The size of farms was included in the analysis of these parameters although a relevant influence of this parameter on other parameters in dairy holding cattle farms was not observed. Conclusions on risk factors for Johne´s disease were difficult due to a small number of positive samples in bulk milk. Leaving the calf with the mother postpartum seemed to have a protective effect on infection. It seemed to be likely, that the risk of MAP transmission was higher if equipment was used for both young and adult cattle and if changes of staff, responsible for feeding calves, were frequent. For more detailed conclusion further research should be made on BSE by a case-control study and on Johne´s disease concerning distribution and risk factors in Lower Saxony. A representative collective was generated in this study. It can be used in future research on several diseases for a comparison with a healthy population.

Parameter der Bestandsstruktur sowie des allgemeinen wie speziellen Managements können in vielerlei Hinsicht als bedeutsam für das Krankheitsgeschehen in der Nutztierhaltung angesehen werden. Unabhängig von der konkreten Infektion / Erkrankung stehen dabei oft dieselben Bestandsparameter im Vordergrund des Interesses. Aus diesem Grund sollten in der vorliegenden Arbeit Informationen über Parameter des Bestandsmanagements in Rinder haltenden Betrieben erhoben werden. Es sollte eine repräsentative Studienpopulation generiert werden, um Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit ziehen zu können. Die Ergebnisse sollten mit Informationen von erkrankten Populationen verglichen werden, um erste Aussagen über Risikofaktoren für BSE und MAP in Rinder haltenden Betrieben in Niedersachsen machen zu können. Dazu wurde eine Querschnittserhebung mit einem zweifach integrierten zweiphasigen Studiendesign durchgeführt, bei der Daten mit Hilfe eines Versandfragebogens und Interviews in Beständen erhoben wurden. Durch die Nachverfolgung von Non-Respondern konnte ein repräsentatives Studienkollektiv generiert werden. Trotz des langen Versandfragebogens konnte aufgrund von Layout, Konzept und Anschreiben des Fragebogens sowie eines Erinnerungsschreibens eine Responserate von 40 % erzielt werden, so dass Aussagen ausreichend präzise geschätzt werden konnten. Die Ergebnisse der Studie stimmten in Bezug auf Rinder- und Kuhzahlen ebenso wie hinsichtlich der Verteilung auf Landkreisebene mit amtlichen Statistiken überein. Auch zwischen den Befragungen der zwei Untersuchungsphasen bestanden keine inhaltlichen Unterschiede, so dass die vorliegenden Ergebnisse als repräsentativ für die Grundgesamtheit angesehen werden konnten. In die Auswertung gingen Angaben von 731 Landwirten ein. Im Jahr 2003 lag die durchschnittliche Betriebsgröße bei 88 Rindern pro Betrieb. In der Zeit von 1994 bis 2003 sank der Anteil Milchvieh haltender Betriebe von 69 % auf 55 %. Aus den Angaben zur Fütterung von Kälbern und Jungrindern wurde ermittelt, dass der Einsatz von Milchaustauschern von 1994 bis 2003 von 45 % auf 39 % der Betriebe gesunken ist und damit insgesamt geringer war als angenommen. Der Vergleich zur Population der BSE-Fälle in Niedersachsen ergab, dass BSE im Untersuchungszeitraum besonders in großen Herden mit Milchviehhaltung auftrat. Am stärksten gefährdet waren Holstein Rotbunte Rinder, sich mit BSE zu infizieren. Des Weiteren wies die geringere Milchleistung der BSE-Tiere im Vergleich zur Studienpopulation darauf hin, dass weitere Parameter Einfluss auf das Risiko einer BSE-Infektion haben, die in die vorliegende Untersuchung nicht einbezogen wurden. Hinweise auf eine erhöhte Gefahr durch Kreuzkontamination, Einsatz von Milchaustauscher oder Kälberaufzuchtfutter sowie Zukauf von Zuchttieren konnten nicht ermittelt werden. Hierbei wurde grundsätzlich die Betriebsgröße als potentieller Risikofaktor einbezogen, obwohl ein relevanter Einfluss dieses Parameters auf die Analyse anderer Parameter im Kollektiv der Milchviehbetriebe nicht festgestellt werden konnte. Aussagen über Risikofaktoren für MAP waren erschwert durch die geringe Anzahl positiv getesteter Tankmilchproben. Das Belassen des Kalbes bei der Mutter nach der Geburt schien einen protektiven Effekt auf MAP-Infektionen zu haben. Ein erhöhtes Risiko einer MAP-Übertragung durch Vektoren wie Gerätschaften u. ä. und durch wechselndes Personal bei der Kälberfütterung erschien denkbar. Für genauere Aussagen bieten sich weitere Untersuchungen sowohl im Bereich BSE z. B. in Form einer Fall-Kontroll-Studie als auch im Bereich der MAP in Form ausgeweiteter Untersuchungen zur Verbreitung und zu Risikofaktoren in Niedersachsen an. Mit der vorliegenden Untersuchung steht erstmals ein repräsentatives Kollektiv von Betriebsdaten zur Verfügung, das nachfolgenden krankheitsbezogenen Untersuchungen die Möglichkeit gibt, Vergleiche mit einer gesunden Population anzustellen.

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Ovelhey, Amely: Epidemiologische Untersuchung zum Bestandsmanagement in Rinder haltenden Betrieben in Niedersachsen unter besonderer Berücksichtigung von Risikofaktoren für das Auftreten von BSE und Paratuberkulose. Hannover 2005. Tierärztliche Hochschule.

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