Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Ein Beitrag zum Befall mit Endoparasiten und zum Nachweis von Benzimidazolresistenzen bei Magen-Darm-Strongyliden der Schafe in Niedersachsen

Moritz, Enja Imke

Endoparasite infections are the most common cause of sheep disease. To avoid economic risks, the use of anthelmintic drugs is usually inevitable on sheep farms. Long-term use of anthelmintics, mostly just one substance group, the so-called (pro) benzimidazoles, has led to the development of parasite resistance. It is essential that the frequent use of anthelmintic drugs be reconsidered and that alternative treatments and substance groups be developed. The aim of this study was to investigate the qualitative and quantitative prevalence of endoparasite infections in sheep and to determine the incidence of anthelmintic resistance of strongyles in sheep in Lower Saxony. A questionnaire was used to gather data for the analysis of possible relationships between resistance and husbandry forms and farm management. Furthermore, this study attempted to test the practicability of anthelmintic assays for routine diagnostics in field trials in order to integrate the detection of resistance into herd management programs. Fecal samples were obtained from the Hannover sheep and goat health service (SZGD) and tested for the prevalence of endoparasites. During the years from 2000 to 2003 a total of 2230 collective fecal samples and 252 single fecal samples were tested from 114 farms. Of these, 76 % were found to contain oocystes of Eimeria spp., 71 % strongyle eggs, 30 % eggs of Strongyloides papillosus, 18 % eggs of Moniezia spp., 2,7 % eggs of Trichuris spp., 3 % eggs of Fasciola hepatica and 0,1 % eggs of Dicrocoelium dendriticum. Larva of Protostrongylus spp. were found in 2 % of the samples, but none of Dictyocaulus filaria. Significant differences were found in the prevalence of Eimeria spp., Trichuris spp. and S. papillosus during the years 2000 to 2003. Sheep infection with S. papillosus has increased in recent years and it is safe to assume that S. papillosus will also develop resistance to benzimidazoles. There were significant seasonal differences in the prevalences of infestation of sheep with all kinds of parasites, as was to be expected from the known epidemiology of parasites. Comparison of different husbandry systems showed that fecal egg counts were higher on farms with tended flocks. Comparison of farm size showed higher fecal egg counts of strongyles, Moniezia spp. and Eimeria spp. on farms with > 300 sheep. It was also determined that the prevalenc of all endoparasites is related to the age of sheep with higher rates of infection in lambs than in ewes. Only the eggs of Fasciola hepatica and the larva of Protostrongylus spp. were found more frequently in ewes. A fecal egg count reduction test (FECRT) and an egg hatch assay (EHA) were performed. to test the samples for resistance of strongyles to benzimidazole. A total of 556 fecal samples from sheep from 36 farms were tested and 415 samples from 28 farms fulfilled the conditions for a FECRT. Benzimidazole resistance was found on 67 % of farms and in 59 % of fecal samples. A fecal egg count reduction of < 95 % is considered indicate of resistance (COLES et al. 1992). However, only 32 samples from 12 farms fulfilled the conditions for EHA. Thus 84 % of the samples tested positive for benzimidazole resistance. LD50-values > 0,1 μg Thiabendazole / ml are considered indicative of resistance (COLES et al. 1992). A correlation was also found between husbandry system and farm size for the presence of benzimidazole resistance. Benzimidazole resistance was more frequent on small farms (21-60 sheep) and on farms with intensive grazing systems than on other farms.

Der Endoparasitenbefall ist eine der häufigsten Erkrankungsursachen des Schafes. Um wirtschaftliche Schäden zu vermeiden, ist der Einsatz von Anthelminthika in Schafbetrieben meist unumgänglich. Durch den langjährigen Anthelminthikumeinsatz, meist nur einer Wirkstoffgruppe, der (Pro)Benzimidazole, haben sich bei den Parasiten Resistenzen gebildet, die es notwendig machen, den häufigen Antiparasitikaeinsatz zu überdenken und alternative Behandlungsmethoden und neue Wirkstoffgruppen zu entwickeln. Ziel dieser Arbeit war zum einen die Ermittlung des qualitativen und quantitativen Endoparasitenbefalls der Schafe und zum anderen der Nachweis von Anthelminthikaresistenzen bei Magen-Darm-Strongyliden der Schafe in Niedersachsen. Eine Fragebogenerhebung sollte Aufschlüsse über mögliche Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von Resistenzen und dem Weide- und Betriebsmanagement der Schafbetriebe geben. Zusätzlich war das Ziel dieser Arbeit die Praktikabilität der Resistenztests zur Routinediagnostik im Feldversuch zu testen, um Möglichkeiten der Resistenzdiagnostik in das Bestandsbetreuungsprogramm integrieren zu können. Im Rahmen des Schaf- und Ziegengesundheitsdienstes Hannover (SZGD) wurden Kotproben von Schafen aus den betreuten Betrieben auf das Vorkommen von Endoparasiten untersucht. Es wurden die Daten von 2230 Sammel- und 252 Einzelkotproben der Jahre 2000-2003 von Schafen aus 114 Betrieben ausgewertet. Es handelt sich um ein stark selektiertes Datenkollektiv, sodass die Ergebnisse dieser Untersuchung nur als Tendenzen gewertet werden dürfen: in 76 % der Kotproben wurden Oozysten von Eimeria spp., in 71 % der Proben Eier von Magen-Darm-Strongyliden, in 30 % der Proben Eier von Strongyloides papillosus, in 18 % der Proben Eier von Moniezia spp., in 2,7 % der Proben Eier von Trichuris spp., in 3 % der Proben Eier des großen Leberegels und in 0,1 % der Proben Eier des kleinen Leberegels nachgewiesen. Larven des kleinen Lungenwurms kamen in 2 % der Kotproben vor. Larven des großen Lungenwurms wurden nicht  nachgewiesen. Der Vergleich des Parasitenvorkommens der Jahre 2000 bis 2003 ergab signifikante Unterschiede beim Auftreten von Eimeria spp, Trichuris spp und Strongyloides papillosus. Der Befall der Schafe mit S. papillosus ist in den letzten Jahren angestiegen, was die Vermutung zulässt, dass es auch bei S. papillosus zu Resistenzentwicklungen gegen die eingesetzten Anthelminthika gekommen sein könnte. Signifikante saisonale Unterschiede des Parasitenvorkommens wurden bei allen Parasitenarten festgestellt, was aufgrund der bekannten Saisondynamiken der jeweiligen Parasiten zu erwarten war. Bei der Untersuchung der Haltungsarten bezüglich des Parasitenvorkommens wurden Unterschiede festgestellt. Es wurden höhere Eizahlen im Kot von Schafen aus Hütehaltungen festgestellt. Untersuchungen der Herdengröße ergaben einen höheren Befall mit Oozysten von Eimeria spp. und Eiern von Magen-Darm-Strongyliden sowie Moniezia spp. bei Schafen aus Großbetrieben. Ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Schafe und dem Endoparasitenvorkommen wurde bei allen Endoparasitenarten festgestellt. Jungtiere zeigten höhere Eiausscheidungen als Alttiere. Nur  Leberegeleier und Larven des kleinen Lungenwurms wurden von Alttieren mehr ausgeschieden. Zur Untersuchung der Benzimidazolresistenz bei Magen-Darm-Strongyliden wurden der Eizahlreduktionstest und der Larvenschlupfhemmtest angewendet. Im Zeitraum von September 2001 bis Juli 2002 wurden 556 Kotproben von Schafen aus 36 Betrieben untersucht, von denen 415 Proben aus 28 Betrieben die Bedingungen für den Eizahlreduktionstest erfüllten. Eine Benzimidazolresistenz konnte hier in 67 % der Betriebe, bzw. in 59 % der Kotproben, festgestellt werden. Als Schwellenwert diente eine Eizahlreduktion von < 95 % (COLES et al. 1992). Für den Larvenschlupfhemmtest waren nur 32 Proben aus 12 Betrieben auswertbar. Eine Resistenz wurde in 84 % der Proben festgestellt, wobei als Schwellenwert ein LD50-Wert von 0,1 μg  TBZ / ml diente (COLES et al. 1992). Die Daten können nicht als repräsentativ gelten, für genauere Aussagen sind weitere Untersuchungen auf Resistenzen erforderlich. Bezüglich der Haltungsart und Betriebsgröße konnte ein Zusammenhang zu dem Resistenzgeschehen festgestellt werden. Kleinbetriebe und Betriebe mit Koppel- und Schafhaltung wiesen mehr Resistenzen auf, als andere Betriebe.

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Moritz, Enja Imke: Ein Beitrag zum Befall mit Endoparasiten und zum Nachweis von Benzimidazolresistenzen bei Magen-Darm-Strongyliden der Schafe in Niedersachsen. Hannover 2005. Tierärztliche Hochschule.

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