Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Gummibeschichtete Laufflächen für Milchkühe und deren Einfluss auf Klauenwachstumsparameter und Klauengesundheit im Vergleich zu betonierten Laufflächen

Samel, Maren

In a controlled longitudinal clinical study growth, wear and net growth, hardness of claw horn and claw health in 69 dairy cows (HF, average milk yield 9000 kg / year / head), divided into two homogeneous groups according to age and milk yield kept either on concrete (Be) or rubber mat flooring (Gu) by Kraiburg in a free stall housing system, were compared. Identical diets were fed; roughage offered as MR (35,7% corn silage, 35,7% grass silage, 11,9% draff, 11,9% turnip shreds and 4,7% concentrate), additional concentrate given by transponder according to milk yield. In a one year observation period growth, wear and hardness (in Shore D) at different zones of the horn capsule were measured, so as sole angles from abaxial to axial wall. Furthermore claw health disorders were recorded. During the observation period monthly rates of horn growth, wear and net growth showed significant differences between both groups: a reduced horn growth (mean rates of monthly horn growth at dorsal walls of lateral hind claws: Gu =3.7 mm; Be = 4.9 mm) and an extremly reduced wear on rubber mat flooring (mean rates of monthly wear at dorsal walls of lateral hind claws: Gu = 0.3 mm; Be =3.5 mm) that could not reach an assimilate status of net growth as on concrete flooring. In fact net growth was significantly higher on rubber mats (mean rate of monthly net growth at dorsal walls of lateral hind claws: Gu = 3.4 mm; Be = 1.2 mm) caused by an imbalance between growth and wear. Horn was less hard on the rubber mat flooring, significantly at the sole and the lateral wall (Shore D at the soles: Gu = 52.8, Be = 59.2). Angles of sole of measured claws were significantly higher on rubber mat compared to concrete flooring probably due to growth, reduced wear and crumbling of the sole (at the lateral hind claws Gu = 7.1°; Be = 2.6°). It has to be proofed if these changes in the sole angle lead to spreading of paired claws with every step, with higher mechanical forces in the interdigital space or a deformation of the horn capsule maybe followed by higher mechanical forces in the abaxial walls.Comparing typical claw lesions between both groups, it can be stated that there was no decrease in prevalence or severity of typical claw disorders by rubber mat flooring systems. In conclusion, results of this study revealed that, claw trimming intervals in dairy cows kept on rubber mat flooring have to be shortened, as the increased net growth of the claw horn without correction leads to a deformation of the horn capsule which may result in changes in mechanical stress of the claw. changing the housing system from a non-damaged concrete to a rubber mat flooring while trimming the claws in common intervals (2 to 3 times a year) does not show an improved claw health during the 12 month observation period.

In einer longitudinalen kontrollierten Studie wurden 69 Milchkühe (HF, durchschnittliche Milchleistung 9000 kg / Jahr / Kuh) in zwei bezüglich Alter und Milchleistung homogene Gruppen geteilt und in Laufställen mit unterschiedlich gestalteten Laufflächen (Gummiauflagen der Firma Kraiburg [Gu] oder konventionellem Beton [Be]) aufgestallt. Bei gleicher Fütterung (35,7 % Maissilage; 35,7 % Grassilage; 11,9 % Biertreber; 11,9 % Rübenschnitzel und 4,7 % Kraftfutter als Mischration plus Transponderfütterung nach Leistung) beider Gruppen wurden Klauenhornwachstum, Abrieb, Zuwachs, Klauenhornhärte (in Shore D) verschiedener Lokalisationen und Winkelungen der Sohlenflächen der Klauen von der abaxialen zur axialen Wand über ein Jahr ermittelt und verglichen. Des Weiteren wurden Klauenläsionen befundet und einem entsprechenden Gruppenvergleich unterzogen. In der Versuchsphase konnten signifikante Unterschiede in Wachstum, Abrieb und Zuwachs des Klauenhornes zwischen den Gruppen festgestellt werden: Das Klauenhornwachstum in der Versuchsgruppe zeigte signifikant geringere monatliche Raten (Mittlere monatliche Wachstumsraten der Dorsalwände der hinteren Außenklauen: Gu =3,7 mm; Be = 4,9 mm). Es gab einen zu verzeichnenden Klauenhornabrieb auf gummierten Laufflächen. Dieser war bei den Tieren der Versuchsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant geringer (Mittlerer monatlicher Abriebsraten der Dorsalwände der hinteren Außenklauen: Gu = 0,3 mm; Be =3,5 mm). Durch die Imbalance zwischen Abrieb und Wachstum wurde ein deutlicher Klauenhornzuwachs bei den auf Gummiboden gehaltenen Tieren gemessen (Mittlerer monatlicher Klauenhornzuwachs der Dorsalwände der hinteren Außenklauen:Gu = 3,4 mm; Be = 1,2 mm). Die mittleren Shore D-Härten der auf Gummiboden gehaltenen Tiere waren im Bereich von Sohle (Gu = 52,8, Be = 59,2) und Seitenwand statistisch gesichert niedriger gegenüber den auf Betonboden gehaltenen Tieren. Die sich vermutlich durch Wachstum, den geringen Abrieb und Abschilferungsprozesse des Sohlenhornes verändernden Sohlenwinkel aller vermessenen Klauen der Tiere, welche auf Gummilaufflächen gehalten wurden, waren in der Versuchsphase signifikant größer als in der Kontrollgruppe (zum Beispiel an den hinteren Außenklauen  Gu = 7.1°; Be = 2.6°). Es bleibt zu prüfen, ob derartige Winkelveränderungen  zu Spreizungen der Klauenpaare bei jedem Schritt mit erhöhten mechanischen Belastungen im interdigitalen Spalt beziehungsweise zu Belastungsveränderungen innerhalb der Hornkapsel, insbesondere an den abaxialen Wandbereichen und im Zwischenklauenbereich, führen. Eine Verminderung der Prävalenzen sowie der Schweregrade von Klauenerkrankungen von auf Gummiboden gehaltenen Tieren im Vergleich zu auf nicht sanierungsbedürftigem Betonboden gehaltenen Tieren konnte nicht festgestellt werden. Zusammenfassend ist basierend auf den Ergebnissen dieser Studie festzustellen, dass 1.      bei auf Gummiboden im Vergleich zu auf Betonboden gehaltenen Tieren die Klauenpflegeintervalle verkürzt werden müssen, da der erhebliche Klauenhornzuwachs ohne Korrektur zu Deformationen des Hornschuhs und daraus resultierenden Belastungsveränderungen führt. 2.      die Umstallung von Kühen von nicht sanierungsbedürftigen Betonböden auf gummibeschichtete Laufflächen bei Durchführung von Klauenpflegemaßnahmen in üblichen Intervallen (2 bis 3 mal jährlich) innerhalb eines 12-monatigen Beobachtungszeitraumes zu keiner Verbesserung der Klauengesundheit führt.

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Samel, Maren: Gummibeschichtete Laufflächen für Milchkühe und deren Einfluss auf Klauenwachstumsparameter und Klauengesundheit im Vergleich zu betonierten Laufflächen. Hannover 2005. Tierärztliche Hochschule.

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