Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Genetische Einflüsse auf die BSE-Empfänglichkeit des Rindes

Sander, Petra

Different alleles of the prion protein gene (PRNP) of human and sheep are known to be associated with varying susceptibilities to transmissible spongiform encephalopathies. However, no polymorphisms in the bovine PRNP gene with an effect on susceptibility to prion diseases have been identified so far. This study was dedicated to the detection of such polymorphisms in German cattle breeds. Forty-eight healthy animals from six different German cattle breeds and 43 BSE affected cattle were analyzed by re-sequencing the region of the three exons and the promoter. A total of 60 polymorphisms in the PRNP gene of German cattle were detected. 36 of these 60 polymorphisms were newly identified, whereas 24 of these polymorphisms had been described before. No novel polymorphisms affecting the amino acid sequence of the prion protein could be detected. However a 23 bp insertion/deletion polymorphism (indel) in the putative PRNP promoter region and a 12 bp indel in the first intron were discovered, which differ between the allele and/or genotype distribution. BSE affected cattle show more frequently deletions at the indels 12 bp and 23 bp. A plausible hypothesis explaining this observation could be that the bovine PRNP promoter polymorphisms cause changes in PRNP expression, which might be responsible for differences in BSE incubation time and/or BSE susceptibility. In order to test this hypothesis a functional promoter analysis of the different bovine PRNP promoter alleles was performed by reporter gene assays in vitro and by measuring PRNP mRNA levels in calves with different PRNP genotypes in vivo. Two variable sites, a 23 bp indel polymorphism containing the binding site for the transcription factor RP58, and a 12 bp indel polymorphism containing an SP1 binding site were investigated. Band shift assays indicated that there were differences in transcription factor binding to the different alleles at the two polymorphisms. Reporter gene assays demonstrated an interaction between the two postulated transcription factors. The ins/ins allele showed lower expression levels than the del/del allele which is consistent with the notion that the 23 bp deletion allele was associated with a higher susceptibility to BSE in German cattle. The in vivo data revealed substantial individual variation of PRNP expression in different tissues. In intestinal lymph nodes expression levels differed between the different PRNP genotypes.

Sowohl beim Menschen als auch beim Schaf sind Polymorphismen im Prion Protein Gen (PRNP) bekannt, die zu unterschiedlicher Empfänglichkeit von Transmissiblen Spongiformen Enzephalopathien führen. Entsprechende Polymorphismen sind im PRNP Gen des Rindes bisher noch nicht entdeckt worden. Diese Studie hatte das Ziel, PRNP Mutationen bei Rindern aufzudecken, und deren möglichen Einfluss auf die Empfänglichkeit für BSE zu überprüfen. Achtundvierzig gesunde Tiere aus sechs deutschen Rinderrassen und 43 an BSE erkrankte deutsche Rinder wurden im Rahmen einer Mutationsanalyse im Bereich der drei Exons und des regulatorisch wichtigen Promotors vergleichend untersucht. Dabei konnten insgesamt 60 Polymorphismen identifiziert werden, von denen 36 neu entdeckt und 24 bereits zuvor beschrieben wurden. Keiner dieser Mutationen führt zu einer Änderung der Aminosäuren-Sequenz. Ein 23 bp Insertions/Deletions-Polymorphismus (Indel) in der putativen Promotorregion und ein 12 bp Indel im Intron 1 des PRNP Gens zeigten jedoch eine unterschiedliche Genotyp- und/oder Allelverteilung zwischen den gesunden und den an BSE erkrankten Rindern. Letztere weisen häufiger an den Indels 23 bp und 12 bp Deletionen auf. Eine plausible Hypothese als Erklärung für diese Beobachtung ist, dass Polymorphismen im bovinen PRNP Promotor zu einer Veränderung der PRNP Expression führt, was weiterhin die Inkubationszeit und Empfänglichkeit für BSE beeinflusst. Um diese Hypothese zu überprüfen, wurden funktionelle Promotor-Studien in vitro und quantitative Real-Time-PCR-Experimente in vivo zur Ermittlung der PRNP Expressionsrate unter Berück­sichtigung des PRNP Genotyps durchgeführt. Dabei wurden der 23 bp und der eng gekoppelte 12 bp umfassende Indel, die Bindungssequenzen für RP58 bzw. für SP1 enthalten, untersucht. In electrophoretic mobility shift assays konnte gezeigt werden, dass diese Trans­kriptionsfaktoren unterschiedlich stark an die verschiedenen Allele binden. Weiterhin offenbarten die Promotor-Studien einen interagierenden Einfluss zwischen den beiden Transkriptionsfaktoren. Der Haplotyp mit beiden Deletionen erzielte höhere PRNP-Expressionsraten als der Haplotyp mit beiden Insertionen, was sich in der Tatsache widerspiegelt, dass das 23 bp Deletionsallel mit höherer Empfänglichkeit für BSE assoziiert ist. Die in vivo Versuche deckten erhebliche Unterschiede in der PRNP mRNA Menge zwischen unterschiedlichen Geweben auf, wobei der Genotyp im Mesenteriallymphknoten einen signifikanten Einfluss auf die Expressionsrate zeigte.

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Sander, Petra: Genetische Einflüsse auf die BSE-Empfänglichkeit des Rindes. Hannover 2005. Tierärztliche Hochschule.

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