Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Wirkung von niedermolekularem Heparin auf den klinischen Verlauf und das Hämostasesystem bei Hunden mit Magendrehung

Wüst, Christian

The aim of the present study was the examination of the effectivity of a low molecular weight heparin (LMWH) on the disseminated intravascular coagulopathy (DIC) in dogs suffering from gastric dilatation-volvulus syndrome (GDVS) based on clinical and laboratory parameters including a blood coagulation profile and blood cell count. The GDVS in dogs seemed to be suited because it is often associated with the occurrence of DIC. The treatment schedule for the LMWH was based on a schedule which had been proofed in healthy Beagles. The study was carried out on clinical patients of the Small Animal Clinic, Hannover Veterinary School, which underwent surgery due to GDVS (n=60). After a randomised distribution into the groups the dogs were treated without anticoagulants (control, group 1) or received three times daily subcutaneous injections of 75, 100 or 150 anti-factor-Xa-Units [anti-FXaU.]/kg body mass (BM) for seven days. At different times, clinical examinations were performed including controls of the surgical wound, of the general behaviour and the lungs. Blood samples were collected on days 1 to 3, 5 and 7 before the first LMWH administration of the day as well as 2, 4 and 8 hours after the LMWH injection. In dogs of the control group, blood collections were performed at the same times. Part of the patients received additional sample collections before surgery. Prothrombin time (PT), activated partial thromboplastintime (aPTT), and factor V activity were measured coagulometrically. The antithrombin activity, heparin activity (anti-factor Xa activity), and the concentration of soluble fibrin were measured using chromogenic substrate tests. Platelet count and the other haematological parameters (haematocrit, red blood cell count, haemoglobin, white blood cell count) were measured using an automatic blood cell counter. Additional blood analyses included a clinicochemical profile as well as a blood gas analysis. The study revealed the following main results: Statistical group comparisons of the results of the clinical examination as well as blood coagulation, clinicochemical and blood gas analyses did not indicate any antithrombotic effect of the LMWH or positive influence on the course of the disease. For example, the factor V activity decreased and the concentration of soluble fibrin remained high in the control group and in the groups which were treated with LMWH. The two groups receiving high LMWH dosages (100 or 150 anti-FXaU. LMWH/kg BM) showed a significantly higher incidence of haemorrhages in the surgical wound than the control group. Because every dog receiving 150 anti-FXaU. LMWH/kg BM (n=6) developed severe haemorrhages, this dosage schedule was stopped. Subcutaneous heparin application of 75, 100 and 150 anti-FXaU./kg BM tid led to maximum plasma heparin activities of 0,43 ± 0,17, 0,60 ± 0,21, and 1,01 ± 0,39 anti-FXaU./ml (mean ± standard deviation). There was no indication for a distinct accumulation of the plasma heparin activity, but a significant variation of the values within the groups. The comparison of the results obtained before and after surgery showed a significant decrease of the blood levels of blood coagulation components. This result mainly reflects a dilution effect, because the decrease was similar to that of the total protein concentration. The results indicate, that dosages of the studied LMWH of 100 anti-FXaU./kg BM tid or higher induce severe haemorrhages in dogs receiving surgery and, thus, are contraindicated. The distinct haemorrhages and there consequences on the results of blood coagulation tests and other parameters may be the reason for the fact that the present study was not able to show any positive effect of LMWH during the postoperative phase in dogs suffering from GDVS. Based on the results of this study, the use of LMWH in dogs suffering from GDVS cannot be recommended.

Das Ziel der vorliegenden Studie war es, am Krankheitsbild der Magendrehung beim Hund die Wirksamkeit von niedermolekularem Heparin (NMH) bei der disseminierten intravasalen Koagulopathie (DIC) anhand des klinischen Verlaufs und verschiedener hämostaseologischer sowie anderer Labormessgrößen zu überprüfen. Das Krankheitsbild der Magendrehung des Hundes erschien dafür besonders geeignet, da bei der Magendrehung die DIC eine häufige Komplikation darstellt. Die Dosierungen des eingesetzten NMH, Dalteparin, basierten auf einem bei gesunden Beagles erprobten Behandlungsschema für diesen Wirkstoff. Die Untersuchung erfolgte an Patienten der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die wegen einer Magendrehung operiert wurden (n=60). Die den Gruppen randomisiert zugeteilten Hunde erhielten über sieben Tage post operativ entweder keine Antikoagulanzien (n=19) oder 3x täglich subkutan 75 (n=21), 100 (n=14) oder 150 (n=6) Anti-Faktor-Xa-Einheiten [Anti-FXaE.] NMH/kg Körpermasse [KM]. Regelmäßige klinische Untersuchungen umfassten die Kontrolle der Operationswunde, des Allgemeinverhaltens und der Lunge durch Adspektion und Auskultation. Die Entnahme von Blutproben erfolgte an den Tagen 1–3, 5 und 7 jeweils unmittelbar vor der ersten Heparinapplikation des Tages und zwei, vier und acht Stunden nach der Applikation. Bei den Hunden der Kontrollgruppe wurden zu den analogen Zeitpunkten Blutentnahmen durchgeführt. Bei einem Teil der Patienten wurden zudem zusätzlich vor der Operation Blutproben entnommen. Es erfolgten koagulometrische Messungen der Prothrombinzeit (PT), aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (aPTT) und Faktor V-Aktivität. Die Antithrombinaktivität wurde wie die Heparinaktivität (Anti-Faktor-Xa-Aktivität) und die Konzentration des löslichen Fibrins mit chromogenen Substrattests bestimmt. Die Thrombozytenzahl und die anderen hämatologischen Messgrößen (Hämatokrit, Erythrozytenzahl, Hämoglobin, Leukozyten) wurden mit einem automatischen Hämatologiesystem gemessen. Weitere Blutuntersuchungen umfassten ein klinisch-chemisches Profil und eine Blutgasanalyse. Es wurden folgende wesentlichen Ergebnisse erzielt: Anhand der statistischen Gruppenvergleiche ließ sich für die geprüften Dosierungsschemata weder für den klinischen Verlauf noch anhand der hämostaseologischen, hämatologischen, klinisch-chemischen oder Blutgasanalysen eine antithrombotische Wirksamkeit bzw. positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufs durch NMH nachweisen. Sowohl in der Kontrollgruppe wie in den mit NMH behandelten Gruppen sank u. a. die Faktor V-Aktivität in der frühen postoperativen Phase noch deutlich ab, die Konzentration des löslichen Fibrins blieb in allen Gruppen hoch. Die beiden hoch dosierten Gruppen (3x täglich 100 bzw. 150 Anti-FXaE. NMH/kg KM s.c.) zeigten im Vergleich zur unbehandelten Kontrollgruppe eine deutlich höhere Inzidenz für erhebliche Blutungskomplikationen im Wundbereich. Nach 3x täglicher Gabe von 150 Anti-FXaE. NMH/kg KM s.c. waren alle Hunde betroffen, so dass diese Versuchsgruppe nach den ersten sechs Patienten abgebrochen wurde. Nach 3x täglicher subkutaner Applikation von 75, 100 bzw. 150 Anti-FXaE. NMH/kg KM betrug die maximale Plasmaheparinaktivität 0,43 ± 0,17, 0,60 ± 0,21 beziehungsweise 1,01 ± 0,39 Anti-FXaE./ml (arithmetischer Mittelwert ± Standardabweichung). Eine Akkumulation der Plasmaheparinaktivität konnte nicht nachgewiesen werden. Auffallend war jedoch in allen Dosierungsgruppen eine deutliche Variation der Messwerte, die je nach Dosierungsgruppe im Mittel ungefähr bei ca. 42–66 % lag. Der Vergleich der vor und nach der Operation gemessenen Werte zeigte eine deutliche Abnahme der Blutspiegel der hämostaseologischen Komponenten, deren Ausmaß der Abnahme der Proteinkonzentration entsprach und somit v. a. einen Verdünnungseffekt widerspiegelt. Die Ergebnisse zeigen, dass Dosierungen des geprüften NMH von dreimal täglich 100 Anti-FXaE. NMH/kg KM s.c. und darüber bei frisch operierten Hunden zu erheblichen Blutungskomplikationen führen und daher kontraindiziert sind. Die erheblichen Blutungskomplikationen und deren Auswirkungen auf Messgrößen der Hämostase und andere Parameter können auch eine wesentliche Ursache dafür sein, warum in der vorliegenden Studie kein positiver Effekt für die Anwendung von NMH in der postoperativen Phase bei Hunden mit Magendrehung gezeigt werden konnte. Nach den Ergebnissen dieser Studie kann die Anwendung von NMH bei der Magendrehung des Hundes nicht empfohlen werden.

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Wüst, Christian: Wirkung von niedermolekularem Heparin auf den klinischen Verlauf und das Hämostasesystem bei Hunden mit Magendrehung. Hannover 2005. Tierärztliche Hochschule.

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