Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Zur Entwicklung von früh erkannten Lungenabszessen beim Fohlen ohne Behandlung

Gravert, Inke

The present study was conducted on a group of untreated foals with pulmonary abscesses in order to determine whether spontaneous recovery was possible without treatment, and if so, how frequently. The study has taken place on a stud farm in northern Germany where endemic Rhodococcus equi (R. equi) had been isolated from ill foals for several years. Although R. equi was indeed found in this study in the tracheobronchial secretions of some of the foals, it was not possible to rule out the possibility that other pathogens were involved in the development of the pulmonary abscesses. The study was based on routine general and specific examination of the respiratory tract of all foals on the stud farm five months old and younger. If these examinations revealed any suspicious findings, an ultrasound examination was also carried out. Abscessing bronchopneumonia was diagnosed if ultrasound visualization revealed an abscess at least 10 mm in diameter. Foals found to have pulmonary abscesses were not treated for the time being if the following criteria were met:   Ø              The total diameter of all abscesses (abscess score) was 50 mm or less. Ø              The leukocyte cell count was below 18.000 cells per microliter blood. Ø              The foal did not have fever (internal body temperature below 39.0°C). Ø              The foal was not in great discomfort.   The foals were treated immediately if one or more of these criteria were not fulfilled. In order to monitor the development of the pulmonary abscesses and the animal's clinical status under these conditions, the untreated foals were examined twice a week clinically and by sonography of the thorax, and laboratory tests were conducted. Foals were classified as free of pulmonary disease and removed from the study if the results of three consecutive ultrasound examinations of the lung were negative and the animals presented no serious clinical symptoms. Spontaneous healing of the pulmonary abscesses occurred in 82 of the 144 foals (56.9 %) of this study, while 62 foals (43.1 %) subsequently had to be treated. The foals fell ill between the twelfth and 156th day of life. Foals that fell ill between the first and 39th day of life had to be treated significantly more frequently than the older ones. The development of the pulmonary abscesses was assessed according to the parameters clinical score, blood leukocyte count, abscess score, number of abscesses and number of pneumonias. The likelihood that treatment would have to be started rose with increases in the values of these parameters. There were nonetheless spontaneous recoveries at every value documented, which confirms the appropriateness of the levels set for initiation of treatment. The examination protocol used in this study was successfully applied on this stud farm, where it resulted in less and more specific use of antibiotics, and the rate of recovery was a 100 % for all 144 foals.

In der vorliegenden Studie wurde eine Gruppe von Fohlen mit Lungenabszessen nicht behandelt, um zu ermitteln, ob und wenn ja, wie oft eine Spontanheilung der Abszesse möglich ist. Die Untersuchungen wurden in einem Pferdezuchtbetrieb in Norddeutschland durchgeführt, in dem in den vergangenen Jahren eine nachgewiesene endemische Besiedlung mit Rhodococcus equi (R. equi) bestand. Auch im Rahmen dieser Studie wurde bei einem Teil der Fohlen ein Nachweis von R. equi aus Tracheobronchialsekret erbracht. Allerdings konnte eine Beteiligung anderer Erreger an der Entstehung der Lungenabszesse nicht ausgeschlossen werden. Grundlage der Studie war die routinemäßig durchgeführte, allgemeine und spezielle Untersuchung des Respirationstraktes, der alle Fohlen des Betriebes bis zum Alter von fünf Monaten unterzogen wurden. Ergaben sich hierbei Auffälligkeiten, wurde eine sonographische Untersuchung des Thorax angeschlossen. Die sonographische Darstellung eines im Durchmesser mindestens 10 mm großen Abszesses galt als Diagnose einer abszedierenden Bronchopneumonie. Fohlen mit Lungenabszessen wurden zunächst nicht behandelt, wenn folgende Kriterien gegeben waren:   Ø              Summe aller Abszessdurchmesser (Abszess-Score) höchstens 50 mm, Ø              Leukozytenzahl unter 18.000 Zellen pro µl Blut, Ø              kein Fieber (Körperinnentemperatur unter 39,0°C), Ø              kein hochgradig gestörtes Allgemeinbefinden.   Wurden einer oder mehrere dieser Punkte überschritten, erfolgte eine sofortige Behandlung der Fohlen. Die Fohlen ohne Behandlung wurden zweimal wöchentlich klinisch, labordiagnostisch und sonographisch untersucht, um zu beobachten, wie sich die Lungenabszesse und der klinische Zustand unter diesen Bedingungen entwickelten. Wies ein Fohlen drei aufeinander folgende befundlose Ultraschalluntersuchungen der Lunge auf und zeigte keine schweren klinischen Befunde, wurde es als „lungengesund“ bezeichnet und aus der Studie entlassen. Von den 144 Fohlen der Studie zeigten 82 Fohlen (56,9 %) eine Spontanheilung der Lungenabszesse. 62 Fohlen (43,1 %) mussten nachfolgend behandelt werden. Die Fohlen erkrankten zwischen dem 12. und 156. Lebenstag. Fohlen, die zwischen dem ersten und 39. Lebenstag erkrankten, mussten signifikant häufiger behandelt werden als ältere Fohlen. Um die Entwicklung der Lungenabszesse zu dokumentieren, wurden die Parameter Klinischer Score, Blutleukozytenzahl, Abszess-Score, Abszess-Anzahl und Pneumonie-Anzahl erfasst. Mit zunehmender Höhe dieser Parameter wurde eine steigende Wahrscheinlichkeit für den Beginn einer Behandlung beobachtet. Dennoch wurden bei jedem Wert, den die Parameter annahmen, Spontanheilungen festgestellt. Die festgelegten Werte für den Beginn einer Behandlung zeigten sich somit als angemessen. Auf dem Betrieb, auf dem die Studie durchgeführt wurde, bewährte sich das erprobte Untersuchungsprotokoll und führte zu einem reduzierten und zielgerichteter eingesetzten Antibiotikaverbrauch. Bei allen 144 Fohlen erfolgte eine Ausheilung der Lungenabszesse. Über Auswirkungen auf die Lungenfunktion und ein späteres Leistungsvermögen der Fohlen können jedoch ebenso wenig Aussagen gemacht werden wie über der Mechanismus, der zur Spontanheilung der Lungenabszesse führte.

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Gravert, Inke: Zur Entwicklung von früh erkannten Lungenabszessen beim Fohlen ohne Behandlung. Hannover 2006. Tierärztliche Hochschule.

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