Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Verträglichkeit der Anwendung von Porcilis Glässer bei tragenden Sauen und Saugferkeln sowie zur Methodik der Genotypisierung von Haemophilus-parasuis-Stämmen

Köchling, Monika

H. parasuis is a widespread pathogen in swine production. The infection with H. parasuis can cause Glaessers Disease, but H. parasuis is also discussed to be the cause of respiratory diseases. Its combat can be preventive by the induction of an immune response via vaccination. Basic experiences in the use of vaccines under field conditions have shown that the induction of population immunity often is a crucial prerequisite for a successful combat of diseases. This study has been carried out to check the compatibility of a vaccine (Porcilis® Glässer, Intervet Deutschland GmbH) in sows in their last third of pregnancy and to check the side-effects and the influence in suckling pigs. Up to now the vaccine had only been approved for use in weaned piglets. This study had been carried out in a pig stock in the Northwest of Germany where, before, the pathogen had been found several times. The study population consisted of 158 sows and 1524 piglets. The study was a blind study. The sows were divided randomly into two similar treatment groups and were injected Porcilis® Glässer and. Adjuvans Diluvac® Forte respectively six and two weeks before farrowing. Local reactions (size and type of dermal reactions at the injection site) and systemic reactions (general condition, rectal temperature, feed intake) were recorded in order to evaluate side-effects. Additionally, the reproductive index as well as therapeutic measures and the mortality were documented. The offspring of each sow is divided equally into two control groups so that there were four treatment groups for the piglets. The piglets had been injected Porcilis® Glässer and Diluvac® Forte respectively in their second and fourth week of life. The side-effects were examined and evaluated for local and systemic reactions according to the same criteria as for the sows. The influence of the piglet’s vaccination was recorded by means of the growth between their second and their fourth and between their fourth and their eleventh week of life as well as by clinic symptoms of the Glaessers Disease.   The results can be concluded and evaluated as follows: In some cases, the sows showed local reactions and a short-time increase of rectal temperature after vaccination. It has to be considered that the sow population had been given several different vaccinations before. An influence on the reproductive index by the vaccination could not be stated. Thus, the vaccination of pregnant sows, in total, can be considered to be compatible. For the piglets as well, local reactions and a slight momentary increase of rectal temperature could be stated in some cases; the general condition was unaffected. The application of Porcilis® Glässer for suckling piglets can therefore be considered to be compatible. The influence of the vaccination could not be evaluated, since the owner administered antibiotic medicine to all treatment groups unaccordingly for two weeks. There is a need for diagnostic methods to improve the epidemiologic understanding of the transmission and perpetuation of H. parasuis within and between different herds. The aim of the second part of this study was the establishment of methods for genotyping H. parasuis which are used in routine diagnostics. For the establishment of genotyping methods two PCR based methods were verified: the ERIC-PCR and a RFLP-PCR. For this, 30 H. parasuis strains were isolated from Glaessers Disease cases in the work of routine diagnostics. In this study ERIC-PCR products („finger prints“) could be amplified for two randomly chosen H. parasuis strainspermitting the distinction of the strains. Due to the chosen method the amplification pattern cannot be reproduced in repeated studies and disqualifies the ERIC-PCR as a method in routine diagnostics. The genotyping by RFLP of a PCR amplificate of the tbpA gene of H. parasuis, however, has been evaluated as applicable to routine diagnostics. The RFLP groups („finger prints“) for H. parasuis reference strains defined by REDONDO et al. (2003) were also found in the specimen of this study. The field isolates as well could be assigned to RFLP patterns. There was a significantly higher reproducibility of this method compared to the ERIC-PCR so that the tbpA RFLP in total can be considered as a diagnostic method for the clarification of epidemiologic connections.

H. parasuis ist ein in der Schweinepopulation weit verbreiteter Erreger. Die Infektion mit H. parasuis kann die Glässer’sche Krankheit verursachen, wird aber auch als Ursache von respiratorischen Erkrankungen diskutiert. Die Bekämpfung kann vorbeugend durch die Induktion einer Immunreaktion mittels Impfung erfolgen. Grundsätzliche Erfahrungen aus der Anwendung von Impfstoffen unter Feldbedingungen haben gezeigt, dass die Induktion einer Populationsimmunität vielfach eine entscheidende Voraussetzung für die erfolgreiche Krankheitsbekämpfung ist. Die vorliegende Untersuchung wurde mit dem Ziel durchgeführt, die Verträglichkeit der Anwendung eines bislang nur für Absetzferkel zugelassenen Impfstoffes (Porcilis® Glässer, Intervet Deutschland GmbH) bei Sauen im letzten Trächtigkeitsdrittel sowie der Verträglichkeit und des Einflusses auf Zuwachs und Vitalität bei Saugferkeln zu prüfen. Die Studie wurde in einem Schweinebestand im Raum Weser-Ems durchgeführt, in dem der Erreger zuvor mehrfach nachgewiesen worden war. Die Studienpopulation bestand aus 158 Sauen und 1524 Ferkeln. Die Untersuchung wurde als Blindstudie durchgeführt. Die Sauen wurden zufällig zwei gleich großen Behandlungsgruppen zugeteilt und bekamen sechs und zwei Wochen vor der Abferkelung Porcilis® Glässer bzw. das Adjuvans Diluvac® Forte injiziert. Zur Beurteilung der Verträglichkeit wurden lokale (Umfang und Typ der Hautreaktionen an der Injektionsstelle) und systemische (Allgemeinbefinden, Rektaltemperatur, Futteraufnahme) Reaktionen erfasst. Weiterhin wurden die Reproduktionsleistung sowie therapeutische Maßnahmen und die Mortalität dokumentiert. Die Nachkommen jeder Sau wurden gleichmäßig auf zwei Behandlungsgruppen verteilt, so dass insgesamt vier Behandlungsgruppen bei den Ferkeln entstanden sind. Den Ferkeln wurde in der zweiten und vierten Lebenswoche Porcilis® Glässer bzw. Diluvac® Forte injiziert. Die Verträglichkeit wurde ebenfalls anhand lokaler und systemischer Reaktionen nach den gleichen Kriterien wie bei den Sauen untersucht und bewertet. Der Einfluss der Impfung bei den Ferkeln wurde anhand des Zuwachses zwischen der 2. und 4. sowie 4. und 11. Lebenswoche sowie klinischen Symptomen der Glässer’schen Krankheit erfasst. Die Ergebnisse können folgendermaßen zusammengefasst und bewertet werden: Bei den Sauen konnten in einzelnen Fällen nach der Impfung lokale Reaktionen und ein kurzzeitiger Anstieg der Rektaltemperatur festgestellt werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Sauenpopulation bereits vorab mehrfach verschiedene Impfungen verabreicht worden war. Ein Einfluss der Impfung auf die Reproduktionsleistung konnte nicht festgestellt werden, so dass die Impfung tragender Sauen insgesamt als verträglich bewertet werden kann. Auch bei den Ferkeln waren in wenigen Einzelfällen lokale Reaktionen sowie ein geringer, schnell vorübergehender Anstieg der Rektaltemperatur festzustellen; das Allgemeinbefinden war ungestört. Die Anwendung von Porcilis® Glässer bei Saugferkeln kann daher als verträglich angesehen werden. Die Untersuchungen zum Einfluss der Impfung konnten nicht bewertet werden, da der Tierhalter unplanmäßig allen Behandlungsgruppen während zwei Wochen antibiotisch wirksame Medikamente verabreicht hatte. Weiterhin besteht der Bedarf nach diagnostischen Methoden, mit deren Hilfe das epidemiologische Verständnis der Übertragung und Perpetuation von H. parasuis innerhalb und zwischen verschiedenen Herden verbessert werden kann. Ziel des zweiten Teils dieser Arbeit war die Etablierung von Verfahren zur Genotypisierung von H. parasuis, die in der Routinediagnostik genutzt werden können. Für die Etablierung von Verfahren zur Genotypisierung wurden zwei PCR-basierte Verfahren geprüft: die ERIC-PCR und eine RFLP-PCR. Hierzu wurden 30 H. parasuis-Stämme verwendet, die im Rahmen der Routinediagnostik von Fällen Glässer’scher Krankheit isoliert wurden. In der vorliegenden Studie konnten exemplarisch bei zwei zufällig ausgewählten H. parasuis-Stämmen ERIC-PCR-Produkte („finger prints“) amplifiziert werden, die eine Unterscheidung der Stämme ermöglichten. Methodisch bedingte mangelnde Reproduzierbarkeit der Amplifikationsmuster bei Wiederholungsuntersuchungen machten die ERIC-PCR als Methode der Routindediagnostik allerdings untauglich. Die Genotypisierung durch RFLP eines PCR-Amplifikates des tbpA Genes von H. parasuis wurde dagegen als in der Routinediagnostik einsetzbar beurteilt. Die von REDONDO et al. (2003) definierten RFLP-Gruppen („finger prints“) für Hps-Referenzstämme wurden auch im eigenen Untersuchungsgut bestätigt. Auch den Feldisolaten konnten RFLP-Muster zugeordnet werden. Die Reproduzierbarkeit dieser Methode war gegenüber der ERIC-PCR deutlich verbessert, so dass die tbpA RFLP insgesamt als diagnostische Methode für die Klärung epidemiologischer Zusammenhänge in Betracht gezogen werden kann.

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Köchling, Monika: Untersuchungen zur Verträglichkeit der Anwendung von Porcilis Glässer bei tragenden Sauen und Saugferkeln sowie zur Methodik der Genotypisierung von Haemophilus-parasuis-Stämmen. Hannover 2006. Tierärztliche Hochschule.

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