Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Felduntersuchung zur Bekämpfung der Moderhinke bei Schafen mittels Vakzinen und genetischer Marker

Lottner, Sophia

Two sheep farms having problems with footrot infections for several years were elected to compare the efficacy of paucivalent specific vaccines with the commercial polyvalent vaccine (Footvax®, ESSEX Tierarznei, Munich). Furthermore it was investigated whether certain DQA2-haplotypes cause enhanced footrot-tolerance. 807 ewes belonging to the breeds German Mutton Merino (n = 439), German Merino (n = 142) and German Blackheaded Mutton (n = 226) were examined. Prior to the actual trial, Dichelobacter nodosus-strains were isolated from both flocks. These strains were used to produce a pentavalent vaccine (containing serogroups A, B, G, H und I) to be used in flock 1 and a quadrivalent vaccine (serogroups B, E, G and I) for the use in flock 2. During the 16-week trial the ewes were inspected three times (in week 1, 4 and 16). The vaccination was applied in the course of the first and the second investigation. Altogether the prevalence of footrot - measured by the number of claws with underrun horn - decreased from 20,20 % to 5,90 %. Depending on the kind of vaccination, the footrot-prevalence decreased from 12,3 % to 2,5 % within the polyvalent, commercial vaccinated group, whereas the autogenous vaccinated sheep showed an improvement from 28,4 % to 8,9 %. Due to the design of the trial neither of the vaccines can be qualified superior in regarding the prophylactic and therapeutic effect. Conditional on the fact that the application of Footvax® which contains mineral oil as an adjuvant, caused a significant (p = < 0,0001) greater number of reactions at the injection site, autogenous vaccines containing milder adjuvants (e.g. aluminium hydroxide) are to be preferred for reasons of animal welfare. The DQA2-locus of 538 ewes was analysed to assess genetic footrot-tolerance. A total of 21 allels and 96 genotypes were detected. The most common DQA2-allel to be found was D (n = 263), which was also part of the most frequent genotype B1/D (n = 44). 23,4 % of all confirmed allels consisted of a DQA2-allel and an additional DQA2-like sequence. The odds that animals carrying such a duplicated DQA2-haplotype would suffer from footrot were significantly lower than the odds of the ewes lacking the duplication (OR = 1,76, [95%-Confidence Interval: 1,08 bis 2,88], p = 0,02). Comparing single DQA2-allels with each other leads to the result that the likeliness of a footrot-infection is lower for ewes having one of the duplicated allels G and J2 than for the ewes carrying the not duplicated allels E and L (OR L/J2 = 2,09, [95%-Confidence Interval: 1,07 bis 4,10], p = 0,03). The adoption of the ovine DQA2-gene as a marker-gene to estimate footrot-tolerance seems reasonable, taking into account that so far it is the only possibility to determine the susceptibility of individual animals in flocks without clinical signs of footrot-infection. As the tolerance against footrot is connected with a distinct and in relation to the highly susceptible animals long lasting immune response, sustained success could be anticipated by using a combination of specific vaccination and selective breeding.

In zwei schafhaltenden Betrieben, in denen seit mehreren Jahren Probleme mit Moderhinke-Infektionen bestehen, wurde einerseits die Wirksamkeit von paucivalenten bestandsspezifischen Vakzinen mit der des kommerziell erhältlichen polyvalenten Impfstoffes (Footvax®, ESSEX Tierarznei München) verglichen. Darüber hinaus wurde überprüft, ob das Vorliegen bestimmter DQA2-Haplotypen eine erhöhte Moderhinke-Toleranz bewirkt. Als Untersuchungsgut standen insgesamt 807 weibliche Schafe der Rassen Merinofleischschaf (n = 439), Merinolandschaf (n= 142) und Schwarzköpfiges Fleischschaf (n = 226) zur Verfügung. Vor dem eigentlichen Beginn der Untersuchungen wurden aus beiden Herden Dichelobacter nodosus-Stämme isoliert, aus denen für Betrieb 1 eine pentavalente (Serogruppen A, B, G, H und I) und für Betrieb 2 eine quadrivalente Vakzine (Sero­gruppen B, E, G und I) hergestellt wurde. Die Schafe wurden in einem Zeitraum von 16 Wochen dreimal untersucht (1., 4. und 16. Woche), wobei die Impfung im Rahmen der ersten und zweiten Untersuchung erfolgte. Insgesamt ging die Moderhinke-Prävalenz - gemessen an der Zahl der unterminierten Klauen - im Untersuchungszeitraum von 20,20 % auf 5,90 % zurück. In Anbetracht der eingesetzten Vakzinen ergab sich in der Gruppe der Schafe, die mit der polyvalenten Pili-Vakzine geimpft wurden, ein Rückgang von 12,3 % auf 2,5 %, während sich die jeweils bestandsspezifisch geimpfte Gruppe von 28,4 % auf 8,9 % verbesserte. Bedingt durch das Versuchsdesign kann keiner der beiden Impfstoffe als eindeutig überlegen im Bezug auf die Schutz- und Heilungsrate dargestellt werden. Da aber der Einsatz von Footvax® aufgrund des zugesetzten Mineralöl-Adjuvans zu einer signifikant höheren Zahl an Impfreaktionen (p = < 0,0001) führte, sind bestandsspezifische Vakzinen mit vergleichsweise milden Adjuvantien, wie z.B. Aluminiumhydroxid aus Tierschutzgründen vorzuziehen. Um die genetische Moderhinke-Toleranz beurteilen zu können, wurde der DQA2-Genort der Schafe analysiert. Insgesamt konnten bei 538 Tieren 21 Allele nachgewiesen werden, die sich zu 96 verschiedenen Genotypen zusammensetzten. Das am häufigsten nachgewiesene Allel war D (n = 263), der am häufigsten nachgewiesene Genotyp B1/D (n = 44). 23,4 % aller nachgewiesenen Allele setzten sich aus einem DQA2-Allel und einer zusätzlichen DQA2-ähnlichen Sequenz zusammen. Tiere, die ein solches dupliziertes Allel an ihrem DQA2-Genort aufwiesen, hatten eine signifikant geringere relative Chance, an Moderhinke erkrankt zu sein, als Tiere, bei denen keine Duplikation vorlag (OR = 1,76, [95%-Konfidenzintervall: 1,08 bis 2,88], p = 0,02). Beim Vergleich einzelner DQA2-Allele gegeneinander zeigte sich, dass insbesondere Schafe mit den duplizierten Allelen G und J2 mit geringerer Wahrscheinlichkeit an Moderhinke erkrankten als Tiere mit den nicht duplizierten Allelen E und L (OR L/J2 = 2,09, [95%-Konfidenzintervall: 1,07 bis 4,10], p = 0,03). Ein Einsatz des DQA2-Gens der Schafe als Marker-Gen für die Moderhinke-Toleranz erscheint somit sinnvoll und stellt die bislang einzige Möglichkeit dar, die Moderhinke-Empfänglichkeit von Einzeltieren in Herden zu bestimmen, in denen keine klinischen Moderhinke-Infektionen vorliegen. Da die Moderhinke-Toleranz der Schafe mit einer ausgeprägten und in Relation zu den hochempfänglichen Tieren lang anhaltenden Immunantwort in Zusammenhang steht, ist bei einem kombinierten Einsatz von bestandsspezifischen Vakzinen und Selektion auf Moderhinke-Toleranz mit einer nachhaltigen Verbesserung der Moderhinke-Situation zu rechnen.

Zitieren

Zitierform:

Lottner, Sophia: Felduntersuchung zur Bekämpfung der Moderhinke bei Schafen mittels Vakzinen und genetischer Marker. Hannover 2006. Tierärztliche Hochschule.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export