Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Entwicklung eines Modells zur Bestimmung der sekundären Bioverfügbarkeit von gebundenen Tetracyclin-Rückständen und Anhydrotetracyclin

Mehlhose-Koch, Silke

To determine the secondary bioavailability of bound tetracycline residues in bone and possible consequences for the sensitivity of intestinal bacteria against tetracyclines a model using laboratory animals has been developed in the presented study. For a period of three weeks forty female Crl: NMRI-mice in four groups living under identical laboratory conditions were fed / treated on altogether fifteen days with different orally supplied substances.   Group A was fed with minced meat mixed with bone meal with a content of 17574,8 µg tetracycline (TC)/kg and a content of 8523,0 µg chlortetracycline (CTC)/kg, which led to an average individual overall weekly uptake of 64,69 µg TC and 31,35 µg CTC. Group B (control group) received a standard mice feed. Group C was orally treated with 20 µg of pure tetracycline (TC) daily. Group D was orally treated with 20 µg of pure anhydrocycline (ATC) daily.   Faeces and urine were collected every day. The examination of the urine samples for their TC content was done by pooling individual samples by week. The determination of MIC values-of E. coli isolates from mice faeces against TC was performed before and after the feeding / treatment period using Etest®. Furthermore a femur bone sample and a faeces sample of one animal of group A, C and D were examined for their TC content using LC-ESI-MS-MS.   The results gave clear evidence that the orally administered bound tetracyclines were partly excreted via the urine. This was the first time that a secondary bioavailability of tetracyclines bound to bones has been shown in vivo. In comparison to the group which orally got pure tetracycline the percentage of excretion was 30,3 %. In the first week of examination no significant difference between group A and C with respect to the TC concentrations could be seen in the excreted urine. In the group treated with ATC only very small amounts of the drug could be found in urine and faeces, which points to a retention in the body. TC residues in bone tissue of fed / treated animals could only be found in group C. A significant change of the MIC values against TC E. coli isolates cultured from the mice faeces could not be proved.   The results of this study are of great significance particularly for the risk assessment of bound tetracycline residues in human food and animal feed containing bone.

Zur Bestimmung der sekundären Bioverfügbarkeit von an Knochen gebundenen Tetracyclinen und mögliche Auswirkung auf die Sensibilität der Darmflora gegenüber Tetracyclinen wurde in der vorliegenden Untersuchung ein Modell am Versuchstier entwickelt. Außerdem sollte die Bioverfügbarkeit von Anhydrotetracyclin untersucht werden. Über einen Zeitraum von drei Wochen wurden vierzig weibliche Crl: NMRI-Mäuse unter identischen Laborbedingungen in vier Gruppen mit unterschiedlichen oral zugeführten Substanzen gefüttert / behandelt.   Gruppe A erhielt ein mit Hackfleisch vermischtes tetracyclinhaltiges Knochenmehl mit einem Gehalt von 17574,8 µg Tetracyclin (TC)/kg und einem Gehalt von 8523,0 µg Chlortetracyclin (CTC)/kg, das zu einer durchschnittlichen individuellen oralen Gesamt-Aufnahme von 64,69 µg TC und 31,35 µg CTC führte. Gruppe B erhielt als Kontrollgruppe ein handelsübliches Fertigfutter. Gruppe C erhielt täglich über 15 Tage 20 µg TC-Reinsubstanz oral appliziert. Gruppe D erhielt täglich über 15 Tage 20 µg ATC-Reinsubstanz oral appliziert.   Kot und Urin der Mäuse wurden täglich gesammelt. Die Untersuchung der Urinproben auf die Tetracycline erfolgte wochen- und tierweise gepoolt mittels LC-ESI-MS-MS. Die MHK-Wert-Bestimmung von E. coli-Isolaten aus dem Mäusekot gegenüber TC erfolgte vor Versuchsbeginn und nach Versuchsende mittels Etest®. Weiterhin wurden von jeweils einem Tier der Gruppen A, C und D Oberschenkelknochenproben und Kotproben mittels LC-ESI-MS-MS auf ihren Tetracyclin-Gehalt untersucht.   Es konnte festgestellt werden, dass die im verfütterten Knochenmehl enthaltenen Tetracycline teilweise über den Urin ausgeschieden wurden. Damit wurde erstmals in vivo die sekundäre Bioverfügbarkeit Knochen-gebundener Tetracycline nachgewiesen. Verglichen mit der Gruppe, der TC-Reinsubstanz verabreicht wurde, betrug die Ausscheidung 30,3 %. In der ersten Untersuchungswoche zeigte sich jedoch zwischen den Gruppen A und C kein signifikanter Unterschied im Hinblick auf die TC-Konzentrationen im ausgeschiedenen Urin. In der mit ATC behandelten Gruppe konnten in Urin und Kot nur sehr geringe Mengen des Wirkstoffes nachgewiesen werden, was auf eine Retention im Körper hindeutet. Tetracyclinablagerungen im Knochengewebe der gefütterten / behandelten Tiere konnten nur bei Gruppe C nachgewiesen werden. Eine signifikante Änderung der MHK-Werte gegenüber TC bei aus dem Mäusekot gewonnenen E. coli-Isolaten konnte nicht nachgewiesen werden.   Die festgestellten Ergebnisse haben insbesondere für die Risikobewertung gebundener Tetracyclin-Rückstände in knochenhaltigen Lebens- und Futtermitteln Bedeutung.

Zitieren

Zitierform:

Mehlhose-Koch, Silke: Entwicklung eines Modells zur Bestimmung der sekundären Bioverfügbarkeit von gebundenen Tetracyclin-Rückständen und Anhydrotetracyclin. Hannover 2006. Tierärztliche Hochschule.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export