Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Epidemiologische Fall-Kontroll-Studie zu den Risiken von BSE-Erkrankungen in Norddeutschland

Sauter, Kristin

In the present epidemiological study data of 45 BSE cases of a defined region, which were available in the database of the Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), were compared with newly recorded exposures of control animals, which corresponded to the case population in terms of date of birth, date of death and region.   For every BSE case two control animals were included in the investigation, i.e. a case-control study with individual 1:2 matching was conducted.   The data entry form for the control animals was adapted to the report form for bovine spongiform encephalopathy in the version dated August 19, 2002. The corresponding control animals were selected from HI-Tier data and the participation of the farmers was requested by means of a cover letter. A pilot study was conducted, another pre-test interview under the supervision of an employee of the FLI was carried out, and finally 92 control interviews were accomplished. Each interview lasted an average of 3 hours.   The results showed that after thorough training it is possible to record a substantial amount of data retrospectively. This procedure has been adapted so far only by state-controlled agencies.  Especially with regard to bovine spongiform encephalopathy it has not always been possible for the public personnel to routinely determine all information from the data entry form during a state of a crisis, because of the low case numbers in the respective administrative districts. As a result, those data were not always free from a certain interviewer bias. Therefore, the experience with data recording gained during this project should be used to ensure the possibility of a deepened scientific use of information by the public veterinary administration.   Several parameters of farm management, i.e. keeping lifestock on pasture, herd size, milk production, the purchase of new breeding stock, keeping of other livestock and herd type seemed to have no influence on the BSE incidence.   In the present study evidence for the correlation between BSE infections and the use of milk replacer and the breed Red Holstein was shown. Because of the limited statistical power those correlations did not reach statistical significance. The determination of a significant matched odds ratio of 3.8 for the milk replacer from a certain producer or rather producing group (p = 0.0194) was noticeable. In other sectors of feeding, like concentrated feed or feed for other productive livestock no correlations with BSE infections were detected.   Especially in the field of the single components of milk replacers and in the area of genetic breed disposition further investigations are required to obtain a deeper validation of the risk factors. Furthermore, more case-control studies of the risks of BSE in other regions of Germany should be conducted.

In der vorliegenden epidemiologischen Untersuchung wurden die Daten von 45 BSE-Fällen einer definierten Studienregion, die in der Falldatenbank des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) vorhanden waren, mit den neu erfassten Expositionen der Kontrolltiere verglichen, die hinsichtlich Geburts- und Todeszeitpunkt sowie Region der Fallpopulation entsprachen. Hierbei wurden für jedes BSE-Falltier zwei Kontrolltiere in die Erhebung einbezogen, d.h. es wurde eine Fall-Kontroll-Studie mit individuellem 1:2-Matching durchgeführt. Der Erhebungsbogen der Kontrollen war dem Berichtsbogen zur Bovinen Spongiformen Enzephalopathie in der Version vom 19.08.2002 angepasst. Die entsprechenden Kontrolltiere wurden aus HI-Tier ermittelt und mittels eines Anschreibens wurde die Teilnahme der Landwirte erbeten. Nach der Durchführung einer Pilotstudie und eines weiteren Probeinterviews unter Supervision eines Mitarbeiters des FLI wurden 92 Kontrollinterviews durchgeführt, die durchschnittlich 3 Stunden dauerten.   Es konnte gezeigt werden, dass es nach gründlicher Einarbeitung möglich ist, retrospektiv umfangreiche Daten zu erfassen, die in solcher Form bisher nur von staatlicher Hand ermittelt wurden. Insbesondere in Bezug auf die Bovine Spongiforme Enzephalopathie ist es den staatlichen Mitarbeitern aufgrund der geringen Fallzahlen in den einzelnen Landkreisen nicht immer möglich gewesen, routiniert im Krisenzustand der Seuchenfeststellung sämtliche Daten des Fallerfassungsbogens zu ermitteln, so dass derartige Daten nicht immer frei von einem gewissen Interviewer Bias waren. Daher sollten die im Rahmen dieses Projektes gesammelten Erfahrungen bezüglich der Datenerfassung genutzt werden, um auch in Zukunft die Möglichkeit für eine vertiefte wissenschaftliche Nutzung der Informationen der staatlichen Veterinärverwaltung zu gewährleisten.   Mehrere Parameter des Betriebsmanagements, wie die Weidehaltung, die Herdengröße, die Milchleistung, die Frage nach Zuchtrinderzukäufen, die Haltung anderer Nutztiere und die Art der Nutzungsrichtung schienen in der Studienpopulation keinen Einfluss auf das BSE-Geschehen zu haben   In der vorliegenden Studie konnten Hinweise für einen Zusammenhang der BSE-Erkrankung mit dem Milchaustauschereinsatz und der Rasse Holstein Rotbunt aufgezeigt werden, die aufgrund der eingeschränkten statistischen Power keine statistische Signifikanz erreichten. Auffällig war die Feststellung eines signifikanten matched Odds Ratios von 3,8 für die Milchaustauscher eines Herstellers bzw. einer Herstellergruppe (p=0,0194). Für andere Bereiche der Fütterung, insbesondere für den Einsatz von Kraftfuttermitteln und für das Vorhandensein von Futtermitteln für andere Nutztierarten, konnten keine Zusammenhänge zur BSE-Erkrankung nachgewiesen werden.   Insbesondere im Bereich der eingesetzten Einzelkomponenten der Milchaustauscher und im Bereich genetischer Rassedispositionen scheinen weiterführende Untersuchungen zur tiefergehenden Bewertung der Risikofaktoren angezeigt zu sein. Ebenfalls sollten weitere Fall-Kontroll-Studien in anderen Regionen Deutschlands zu den Risiken der BSE durchgeführt werden.

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Sauter, Kristin: Epidemiologische Fall-Kontroll-Studie zu den Risiken von BSE-Erkrankungen in Norddeutschland. Hannover 2006. Tierärztliche Hochschule.

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