Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchung zur Strahlenexposition von Tierbetreuungsperson und Haltepersonal bei der Radiographie von Hund und Katze

Niehaus, Heike

Shortly after Wilhelm Conrad Roentgen had discovered x-rays, they came into use on animals. Soon, this method was essential in daily veterinary practice. In Germany pets are manually restraint during standard x-ray examinations. In addition to staff, pet owners are also present in the x-ray room. Their task is to calm the pet. Since this group of persons did not belong to the occupationally exposed staff, generally they were not tested for scatter radiation. Due to a change in law in 2002, the dose of radiation of every person involved in the procedure has to be estimated, including the pet owner. The aim of this study was to determine the level of the radiation exposure of the people present in the x-ray room depending on species (cat or dog), body mass and indication.   The measurements were carried out during the daily routine in the Clinic for Small Animals (University of Veterinary Medicine, Hanover). The study covered up to 15 measurements, each for four standard x-ray examinations of the cat and 13 of the dog. Additionally the latter were divided into three body mass groups. The selection of the standard x-ray examinations resulted from their frequency, completeness of the examination procedure and possible radiation exposure due to incorrect behaviour by the people involved. For each standard x-ray examination the equivalent doses of eye lens, thyroid, chest, right and left hands gonads and lower leg were measured using thermoluminescense dosimeters TLD-100H. The results were corrected with regard to the background radiation, zero of set, sensitivity decrease of dosimeter, and type of radiation.   During 570 standard x-ray examinations the measured equivalent doses ranged from 0 µSv to 52 µSv. The highest equivalent doses were obtained due to examinations of thorax, abdomen, hip and shoulder. The maximum equivalent dose of 52 µSv was measured on the unprotected right hand during an anterior – posterior thorax examination of a dog (32 kg). The median equivalent doses of examinations of the extremities, of small dogs (MK1) as well as cats were found to be less than 5 µSv.  Detectable equivalent doses were regularly found for the position eye lens, thyroid and hands. The data measured for positions covered by lead protection (chest, gonads, partly hands and lower leg) were found under or near the limit of detection of 0,5 µSv. The highest equivalent doses were recorded on the eye lens of the staff and the pet owner’s unprotected hands. The pet owner’s median equivalent doses were found between 0 µSv and 0,9 µSv, the staff’s between 0 µSv and 2,8 µSv.   Generally the pet owner stands outside the measurable field of scatter radiation. In the combination dog of the higher body mass groups (MK2, MK3) and standard x-ray examination requiring a position of the pet owner closely to the primary x-ray field, higher equivalent doses (> 10 µSv) occurred. Without exception the highest doses were determined on the hand of the pet owner, but still far under the limits given by law. 95 % of the equivalent doses recorded on the position chest of the pet owner were lower than 2 µSv. Based on these extremely low doses it is not possible to detect radiation exposure with a typically worn pocket dosimeter. The equivalent doses measured on the positions eye lens and thyroid were higher (> 10 µSv) for the occupationally exposed staff. Here too is a correlation between the measured equivalent dose and the tube voltage, tube current, field size, body mass, and distance from the primary beam. Larger dogs especially, and x-ray examinations of major body parts, such as thorax and abdomen, cause higher radiation exposure. By the compliance with the regulations for radiation protection the equivalent dose received by the staff can be reduced to a minimum.

Ein Jahr nach der Entdeckung der Röntgenstrahlung durch Wilhelm Conrad Röntgen wurde sie erstmals an einem Tier angewendet. Schon bald war diese Form der Diagnostik aus der täglichen Praxis nicht mehr wegzudenken. In Deutschland werden Haustiere bei Röntgenuntersuchungen vor allem durch Personen fixiert. Die Tierbetreuungspersonen, also im Allgemeinen die Tierbesitzer, sind in der Regel zusätzlich im Röntgenraum anwesend. Ihre Aufgabe ist es, das Tier zu beruhigen. Da die Tierbetreuungspersonen nicht zum Kreis der beruflich strahlenexponierten Personen gehören, wurden sie auch nicht routinemäßig auf ihre Strahlenexposition hin überwacht. Seit der Novellierung der Röntgenverordnung im Jahr 2002 muss jetzt bei allen während des Röntgens anwesenden Personen, also auch den Tierbetreuungspersonen, die Körperdosis ermittelt werden. Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Bestimmung der Strahlenexposition bei den im Röntgenraum tätigen Personen in Abhängigkeit von Tierart (Hund oder Katze), Tiermasse und Indikation.   Die Dosismessungen wurden während der klinischen Routine in der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführt. Es erfolgten bis zu 15 Messungen jeweils für vier Körperregionen bei der Katze und für 13 Körperregionen beim Hund. Zusätzlich wurden die Hunde in drei Massenklassen bzw. Gewichtsklassen eingeteilt. Die Auswahl der geröntgten Lokalisationen erfolgte auf Grund ihrer Häufigkeit, der Vollständigkeit der Untersuchungsgänge und potenzieller Strahlenexpositionen infolge Fehlverhaltens von beteiligten Personen. Bei jeder Röntgenaufnahme wurden an der jeweils untersuchten Person die Äquivalentdosen der Linse, der Schilddrüse, der Brust, der rechten und linken Hand, der Gonaden und des Unterschenkels mit Thermolumineszenz-dosimetern des Typs TLD-100H gemessen. Die Messwerte wurden mit Kalibrierfaktoren multipliziert, um die Äquivalentdosen zu erhalten. Die Einflüsse von Untergrundstrahlung, Nullanzeige, Empfindlichkeitsabnahme und Strahlungsart auf die Dosimeteranzeige wurden korrigiert.   Bei insgesamt 570 Röntgenaufnahmen wurden Äquivalentdosen zwischen 0 µSv und 52 µSv gemessen. Die größten Strahlenexpositionen traten bei Aufnahmen von Thorax, Abdomen, Hüfte und Schultergelenk des Hundes auf. Die größte Äquivalentdosis von 52 µSv wurde bei einer Thorax-ap-Aufnahme eines 32 kg schweren Hundes an der ungeschützten rechten Hand der Tierbetreuungsperson gemessen. Der Median der Äquivalentdosen bei Gliedmaßenaufnahmen, Aufnahmen von kleinen Hunden (MK1) sowie Katzen lag in der Regel deutlich unterhalb von 5 µSv. Regelmäßig messbare Äquivalentdosen fanden sich für die Linse, Schilddrüse und Hände. Die Messwerte an den durch Schutzkleidung oder Patientenlagerungstisch geschützten Messpositionen (Brust, Gonaden, z. T. Hände und Unterschenkel) lagen in der Regel unterhalb oder im Bereich der unteren Nachweisgrenze von 0,5 µSv. Die höchsten Äquivalentdosen wurden an den Linsen des Haltepersonals sowie an den ungeschützten Händen der Tierbetreuungsperson gemessen. Die Medianwerte bei der Tierbetreuungsperson lagen zwischen 0 µSv und 0,9 µSv, die beim Haltepersonal zwischen 0 µSv und 2,8 µSv.   Im Allgemeinen hielten sich die Tierbetreuungspersonen außerhalb des messbaren Streustrahlenfeldes auf. Höhere Äquivalentdosen von mehr als 10 µSv ergaben sich für diese Personengruppe bei Hunden der oberen Massenklassen und Standardaufnahmen, die einen Aufenthaltsort der Tierbetreuungsperson dicht am Rand des Nutzstrahlenfeldes erforderten. Ausnahmslos ließen sich die höchsten Äquivalentdosen den Händen der Tierbetreuungsperson zuordnen, wobei die Dosiswerte weit unter den vorgeschriebenen Jahresgrenzwerten bleiben. Für die Messposition Brust der Tierbetreuungsperson ergab sich bei 95 % aller Messungen eine Äquivalentdosis unterhalb von 2 µSv. Auf Grund dieser sehr niedrigen Dosiswerte ist davon auszugehen, dass an der für das Stabdosimeter üblichen Tragestelle unter der Bleischürze kein Nachweis von Strahlung erfolgen und somit auf eine Messung derselben verzichtet werden kann. Für das Haltepersonal ließen sich vor allem an den Messpositionen Linse und Schilddrüse höhere Äquivalentdosen (> 10 µSv) nachweisen. Auch hier bestand eine Korrelation zwischen den gemessenen Äquivalentdosen, sowie den Parametern Röhrenspannung, mAs-Produkt, Feldgröße, Massenklasse und Abstand der Person vom Nutzstrahlenfeld. Insbesondere große Hunde und Aufnahmen großer Volumina, wie z. B. Thorax und Abdomen, verursachten deutlich höhere Strahlenexpositionen. Die Medianwerte lagen jedoch deutlich unterhalb der Jahresgrenzwerte der strahlenexponierten Personen der Kategorie B. Bei Einhaltung der empfohlenen Strahlenschutzmaßnahmen kann auch beim Haltepersonal die Strahlenexposition auf ein Minimum reduziert werden.

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Niehaus, Heike: Untersuchung zur Strahlenexposition von Tierbetreuungsperson und Haltepersonal bei der Radiographie von Hund und Katze. Hannover 2006. Tierärztliche Hochschule.

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