Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Die Wildbahngestüte Westfalens

Opora, Jeannette

This study outlines the history of Westphalia’s preserve studs only one of which, Merfelder Bruch owned by the Duke of Croy, has survived. The origin of Westphalia’s preserve studs is unknown, however, coincided with the enclosure movement in the early 19th century. The sources used in this study cover the time from 1300 till 2006 and put special emphasis on the Duke of Croy’s preserve stud between about 1900 and now. Fragmentary sources and other material have been put toghter to provide an overall (though not entirely detailed) picture of the development of preserve studs for horse breeding in Westphalia in general.   The preserve studs in Westphalia were almost exclusively located in marshland with high ground water levels all year round, in primeval forests and in heath an infertile areas (e. g. sand) that could not be used in a more profitable way. People settles in the few dry places of this region and were protected by castles. The preserve studs emerged from wild studs where horses lived in the open fields the whole year without human interference. In the course of time wild studs turend half wild as young stallions were specifically selected for breeding. Mares and young horses remained permanently in the open air and were fed hay in winter. For their owners, especially the landed gentry, the wild horses were an important economic factor. The enclosures which reduced the land available for horse breeding led to the end of all preserve studs except the one in Merfelder Bruch.   Westphalia used to have four large half-wild preserve studs: Davert, Duisburg Forest, Emscherbruch and Merfelder Bruch which were linked with a number of small preserve studs we do not know very much about it.   To this very day the Dukes of Croy have been in charge of the breeding of the Dülmen wild horse in the preserve stud in Merfelder Bruch. Extensive cultivation measures have greatly improved the living conditions of the animals whose number has steadily increased. As a consequence, the preserve stud area had to be extended several times. Starting 1910 stallions from different races were taken to Merfelder Bruch. Welsh ponies were used to improve breeding results in 1928. As the animals increasingly lost their wild horses characteristics in this process, stallions from native pony races were used from 1943, e. g. the Exmoor pony “Tom Faggus” or the Konik “Nugat XII” to regain wild-horse features. Stallions born in Merfelder Bruch were also used for breeding. Since 1907, on the last Saturday in May, one-year-old stallions are caught and auctioned off. Mares are sold very rarely though. With human interference down to a minimum, the herd in Merfelder Bruch is of great significance for horse behaviour research as well.   The breeding outside the Merfelder Bruch preserve stud is done by a few fanciers and since 1988 has been coordinated by “Interessengemeinschaft des Dülmener Wildpferdes e. V.“.   The Dülmen wild horse as the sole native German pony race contributed to the breeding of three new pony races. While the German riding pony has become very popular and widespread, the Lehmkuhl Pony and the Arenberg-Nordkirchen Pony are facing extinction.   Westphalia’s traditional preserve-stud horses, probably descended from ice-age horse races, are of immense importance for the history of domestic animals. The Dülmen wild horse can thus be regarded as a living natural monument reflecting the long process of domesticating horses on the one hand and the history of Westphalia on the other.   Vets have never treated the Dülmen horses. Behaviour studies and a close observation of the horses’ state of health, however, give a significant insight into illnesses resulting from keeping horses in inadequate conditions.

Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Geschichte der Wildbahngestüte Westfalens, von denen nur die Wildbahn im Merfelder Bruch im Besitz der Herzöge von Croy noch heute besteht. Die Gründung der Wildbahngestüte verliert sich im Dunkel der Vorzeit, ihre Auflösung fällt zumeist in die Zeit der Markenteilungen ab Beginn des 19. Jahrhunderts. Das verarbeitete Quellenmaterial stammt aus der Zeit von ca. 1300 bis 2006. Der Bearbeitungsschwerpunkt liegt hier beim Wildbahngestüt der Herzöge von Croy, besonders im Zeitraum ab 1900. Durch Zusammenfügen des teilweise stark fragmentierten Aktenmaterials unter Zuhilfenahme anderer Quellen soll ein Gesamtbild erstellt werden, das leider nicht frei von Lücken sein kann, jedoch in der Gesamtheit betrachtet die Geschichte der einzelnen Wildbahngestüte, zeitgeschichtliche Zusammenhänge, sowie die Bedeutung der Wildbahngestüte für die Pferdezucht Westfalens erkennen lässt.   Die Wildbahngestüte Westfalens entstanden zumeist in Bruchlandschaften mit ganzjährig hohem Wasserstand, Urwäldern, Heidegebieten sowie in Gebieten mit feuchten Grasflächen oder schlechten Böden (z. B. Sand), da diese durch den Menschen anders nicht nutzbar waren. Die Gegend war nur an wenigen trockenen Stellen besiedelt, Burgen sollten das Land schützen. Zunächst standen die Wildbahngestüte im Status eines wilden Gestüts, die Pferde lebten ohne Beeinflussung durch den Menschen ganzjährig im Freien. Im Laufe der Zeit erfolgte der Übergang zum halbwilden Gestüt. Bei den Hengsten wurde Zuchtwahl durch Abfangen der Junghengste und Einsatz ausgewählter Beschäler betrieben. Der Stutenstamm war konstant, Stuten und Jungtiere verblieben ganzjährig im Freien. Es erfolgte eine Winterfütterung mit Heu. Für die Wildbahnberechtigten waren die wilden Pferde ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit großem Gewinn. Wirtschaftliche Interessen (u. a. Holzkultur) der Nicht-Wildbahnberechtigten sowie die Markenteilungen führten schließlich zur Auflösung aller Wildbahngestüte mit Ausnahme der Wildbahn im Merfelder Bruch.   In Westfalen gab es vier große Wildbahnen, welche die Entwicklung zum halbwilden Gestüt durchlaufen haben: die Davert, den Duisburger Wald, den Emscherbruch und den Merfelder Bruch. Daneben existierten einige kleine Wildbahnen, die mit den großen in Verbindung standen, von denen aber kaum Nachrichten erhalten geblieben sind.   Der Herzog von Croy führt die Zucht des Dülmener Wildpferdes in der Wildbahn des Merfelder Bruch bis heute weiter. Umfangreiche Kultivierungsmaßnahmen führten zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Pferde. Der Bestand wuchs, die Fläche der Wildbahn musste mehrfach vergrößert werden. Ab 1910 wurden gezielt Deckhengste verschiedenster Rassen in der Wildbahn eingesetzt. Eine Veredelung mit Welsh-Ponys erfolgte ab 1928. Da die Pferde im Merfelder Bruch dadurch ihre Wildpferdemerkmale immer mehr verloren, wurden ab 1943 bevorzugt Hengste ursprünglicher Ponyrassen eingesetzt, so z. B. der Exmoorpony-Hengst „Tom Faggus“ oder der Konikhengst „Nugat XII“, um wieder ein Pferd vom Charakter eines Wildpferdes zu erhalten. Ebenfalls wurden in der Wildbahn geborene Hengste als Beschäler eingesetzt. Infolge der natürlichen Selektion im angestammten Biotop entstand ein einheitliches Rassebild mit zu unterscheidenden Fellfarben und Pferdetypen. Ab 1907 erfolgt jährlich am letzten Samstag im Mai der Fang der Jährlingshengste mit nachfolgender Versteigerung. Stuten werden nur sehr selten aus der Wildbahn abgegeben. Da die Herde im Merfelder Bruch vom Menschen weitgehend unbeeinflusst ist, weist sie große Bedeutung für die Verhaltensforschung auf.   Die Zucht außerhalb der Wildbahn des Merfelder Bruchs liegt in den Händen einiger Liebhaber und wird seit 1988 durch die „Interessensgemeinschaft Dülmener Wildpferd e. V.“ koordiniert.   Das Dülmener Wildpferd war als einzige bodenständige Kleinpferderasse Deutschlands am Aufbau von drei weiteren Rassen beteiligt. Das Lehmkuhlener Pony und das Arenberg-Nordkirchener-Pony sind heute vom Aussterben bedroht, wohingegen das Deutsche Reitpony weite Verbreitung findet.   Die Pferde der Wildbahngestüte Westfalens haben als konstanter, vermutlich auf Pferden der Eiszeit wurzelnder Pferdestamm Bedeutung für die Geschichte der Haustiere. Das Dülmener Wildpferd in der Wildbahn des Merfelder Bruchs spiegelt als lebendiges Naturdenkmal einen Teil der Entwicklungsgeschichte des Pferdes sowie der Geschichte Westfalens. Tierärzte behandelten nie die Dülmener Wildpferde. Verhaltensstudien und Beobachtungen des Gesundheitszustandes der Herde, erlauben dennoch bedeutende Rückschlüsse auf Krankheiten, die in nicht artgerechter Pferdehaltung wurzeln.

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Opora, Jeannette: Die Wildbahngestüte Westfalens. Hannover 2006. Tierärztliche Hochschule.

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