Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Normwerterhebung echokardiograpischer Parameter bei herzgesunden Islandpferden

Haubold, Anne Eva Maria

The soul of this study was to establish echocardiographic reference values for healthy Icelandic horses. For this purpose cardiologic and pulmonary examinations were performed on 78 Icelandic horses without known cardiologic or pulmonary disease. Echo- and electrocardiographic examinations revealed no abnormal findings in and the results of pulmonary examinations were within normal limits in approximately half of the horses (n = 45). The majority of horses with abnormal pulmonary findings were suffering from mild interstitial pneumopathy. Horses without abnormal findings in pulmonary examinations provided the data for the echocardiographic reference values. From these horses the auricles of trained individuals had distinctly larger inner diameters than those of untrained animals. This finding confirms that the changes of the heart caused by training which have previously been described by other authors in warmbloods, thoroughbreds, dogs and humans are present in Icelandic horses as well. However, in contrast to the findings in race horses, no enlargement of the left ventricle was found in trained Icelandic horses, which may indicate that training conditions of Icelandic horses are not comparable to those of race- or jumping-horses in high level training. In comparison to clinically healthy horses, minor pulmonary disorders resulted in an enlarged inner diameter of the left ventricle during late systole and in a thicker interventricular septum beneath the mitral valve.   In addition to the findings described above we were able to establish reference values for the heart and breathing rates in healthy Icelandic horses at rest. The average heart rate was 42 beats per minute and the average breathing rate was 18 breaths per minute. Horses with clinically healthy lungs had significantly lower breathing rates (P < 0.05) than those with lung disorders. Also, trained healthy horses had significantly lower breathing rates (P < 0.01) than the trained horses with lung disorders. This study also describes normal values for the reduction of the heart and breathing rates after exercise in trained and untrained horses. During the recovery time after exercise distinctly lower heart rates were identified in trained horses compared to untrained ones. Also, horses with lung disorders needed approximately twice as long to reach resting rates than did horses with healthy lungs. During the exercise test the concentrations of plasma-lactate were measured. The values were higher in untrained horses (P < 0.01) confirming in most cases the information given by the horse-owners about the training status of their horses. Additionally the concentration curves of the muscle-enzymes AST, CK and LDH over time were measured. The reference values for muscle-enzymes in Icelandic horses described by KLINGELHOEFER (1998) were not exceeded.   The reference values established in this study will serve as basis for the current interpretation of the results of echocardiographic examinations in Icelandic horses. This should enable cardiologists to perform a more detailed and precise examination similar to cardiological examinations in warmbloods and race horses. The reference values established for the physiological heart and breathing rates at rest and after exercise should allow a better diagnosis in Icelandic horses during the clinical and special examinations of heart and lung. Horses with lung disorders showed significantly higher breathing rates at rest and a longer recovery period after exercise. Consequently Icelandic horses with higher heart and/or breathing frequencies may falsely have been deemed healthy in respect to their pulmonary function in previous examinations. In comparison to warmbloods, a higher heart and breathing rate at rest is physiological in Icelandic horses. However, an extended recovery time after exercise is primarily a result of lung disease or poor training condition and not of breed influences. Any Icelandic horse with this symptom should be banned from competitive sports, for example from endurance rides, until a special examination has been performed.

Das Ziel der vorliegenden Studie war die Erstellung echokardiographischer Normwerte bei gesunden Islandpferden. Dazu wurde bei 78 vorberichtlich gesunden Islandpferden eine Herz- und Lungenuntersuchung durchgeführt. Alle Pferde erwiesen sich in der echo- und elektrokardiographischen Untersuchung als herzgesund, und etwa die Hälfte dieser Pferde (n = 45) war lungengesund. Die Pferde mit Lungenbefunden hatten vorwiegend geringgradige Lungenerkrankungen, insbesondere interstitielle Pneumopathien. Die herz- und lungengesunden Pferde lieferten die Daten für die echokardiographischen Referenzwerte. Dabei wiesen die Vorhöfe der trainierten Pferde deutlich größere Innendurchmesser auf als die der untrainierten. Somit können die trainingsbedingten Veränderungen am Herzen, die bereits von anderen Autoren bei Warm- und Vollblütern, Hunden und Menschen ermittelt wurden, auch beim Islandpferd nachgewiesen werden. Es wurde im Gegensatz zu Rennpferden keine Vergrößerung des linken Ventrikels bei trainierten Islandpferden festgestellt. Folglich ist der Trainingszustand von Islandpferden nicht mit dem von Renn- oder Springpferden im Hochleistungssport vergleichbar. Im Vergleich zu den lungengesunden Pferden zeigten die überwiegend geringgradig lungenkranken lediglich einen vergrößerten endsystolischen linksventrikulären Innendurchmesser und ein dickeres Interventrikularseptum unterhalb der Mitralklappe. Trainierte lungenkranke Pferde wiesen größere Innendurchmesser der linken Atrien und des Mitralklappenringes auf als trainierte lungengesunde.   Mit Hilfe der Daten der herz- und lungengesunden Pferde (n = 45) wurden zusätzlich Normwerte für die Herz- und Atemfrequenzen von Islandpferden in Ruhe und nach Belastung erstellt. Somit liegen nun neben den Werten von STORZ (1961) für Pferde auf Island Referenzwerte für das Islandpferd bei gemäßigten klimatischen Bedingungen vor, und es wurde ein Beitrag zu der bis heute bestehenden Unsicherheit in Bezug auf diese Parameter bei Pferden, die außerhalb ihres ursprünglichen Zuchtgebietes gehalten werden, geleistet. Die mittlere Herzfrequenz betrug 42 Schläge pro Minute, für die Atemfrequenz wurden durchschnittlich 18 Züge pro Minute gemessen. Dabei waren bei lungengesunden Pferden signifikant niedrigere Atemfrequenzen (p < 0,05) festzustellen als bei lungenkranken, und trainierte lungengesunde Pferde wiesen hoch signifikant niedrigere Atemfrequenzen (p < 0,01) auf als trainierte lungenkranke. Außerdem wurden Beruhigungszeiten trainierter und untrainierter gesunder Islandpferde nach Belastung ermittelt. In der Beruhigungsphase nach Belastung zeigten trainierte Pferde deutlich niedrigere Herzfrequenzen als untrainierte. Lungenkranke Islandpferde benötigten im Durchschnitt etwa doppelt so lange bis zum Erreichen von Ruhefrequenzen wie lungengesunde. Das bedeutet, dass in der Vergangenheit mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erkannte Lungenerkrankungen bei den Islandpferden, die mit hohen Atemfrequenzen aufgefallen waren, vorlagen.   Im Rahmen der Belastungsuntersuchung wurden die Plasmalaktat-Konzentrationen gemessen. Diese bestätigten weitgehend die vorberichtlichen Angaben der Pferdebesitzer zum Trainingszustand ihrer Pferde, da die untrainierten Pferde nach Belastung hoch signifikant höhere Werte (p < 0,01) aufwiesen als die trainierten. Der Konzentrationsverlauf der Muskelenzyme Aspartat-Aminotransferase, Creatinkinase und Laktat-Dehydrogenase wurde ebenfalls überprüft. Dabei wurden die von KLINGELHÖFER (1998) erstellten Referenzwerte für Muskelenzyme beim Islandpferd nicht überschritten.   Als Ergebnis der vorliegenden Studie liegen erstmalig Normwerte für eine echokardiographische Untersuchung beim Islandpferd vor. Damit ist auch bei Pferden dieser Rasse in Zukunft eine weiterführende kardiologische Untersuchung, wie schon seit längerer Zeit bei Großpferden, möglich. Im Vergleich zum Warmblutpferd ist eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz in Ruhe physiologisch. Nach Belastung ist eine verlängerte Beruhigungszeit wie beim Großpferd jedoch meistens auf eine Lungenerkrankung oder auf einen geringen Trainingszustand zurückzuführen und nicht auf rassebedingte Besonderheiten.   Damit ist die z. T. umstrittene Vorgehensweise bei sportlichen Prüfungen, wie z. B. Distanzritten, Islandpferde mit erhöhten Herz- und/oder Atemfrequenzen aus dem Wettkampf zu nehmen, wissenschaftlich bestätigt. Auffällige Pferde sollten einer speziellen Herz- und Lungenuntersuchung unterzogen bzw. der Trainingsstatus und das Trainingskonzept kritisch hinterfragt werden.

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Haubold, Anne Eva Maria: Normwerterhebung echokardiograpischer Parameter bei herzgesunden Islandpferden. Hannover 2006. Tierärztliche Hochschule.

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