Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zu Verträglichkeit und Wirksamkeit der Simultanimpfung von Sauenherden mit Progressis und Parvoruvac gegen PRRS, Parvorvirose und Rotlauf

Gass-Cofré, Annette

The economy of sow herds is substantially influenced by their reproductive performance. The endemic spread of various pathogens causing reproductive disturbances within the swine population requests an effective control and is therefore an important veterinary challenge. The Porcine reproductive and respiratory syndrome virus (PRRSV), the Porcine parvovirus (PPV) and Erysipelotrhix rhusiopathiae, provoking swine erysipelas are among the most important causative agents of reproductive disturbances. The simultaneous vaccination of the whole herd against several  pathogens is the appropriate way to establish herd immunity. In this investigation both the local and systemic tolerability of a simultaneous vaccination with Progressis®  against PRRS and Parvoruvac® against parvovirosis and erysipelas was investigated in four herds pre-infected with PRRSV. The investigation was performed as a field trial in a longitudinal study design. Before the begin of the trial none of the herds had been vaccinated against PRRS. They had, however, previously been vaccinated against parvovirosis/erysipelas. The study population was taken from two piglet producing units (250 and 490 sows respectively) and two combined breeding/fattening herds (100/110 sows). The simultaneous vaccination was performed with the inactivated vaccines Progressis® and Parvoruvac® (both Merial GmbH, D-85399 Hallbergmoos). The first vaccination with Progressis® was carried out simultaneously with the Parvoruvac® vaccination. In order to complete the base immunisation against PRRS, four weeks after the first vaccination a second vaccination with Progressis® was applied. The next vaccinations were carried out simultaneously with both vaccines, after a six month interval. In order to investigate the local and systemic tolerability of the PRRS vaccination the injection site was thoroughly examined and body temperature was measured. The influence of the simultaneous vaccination on the reproductive performance was tested, comparing the number of live and stillborn piglets, as well as the suckling piglet mortality. Due to the dynamics of the PRRSV infection the study was run without installing a simultaneous control group; instead of which a comparison of the reproductive performance, before and after the PRRS vaccination was undertaken. The performance comparison relies exactly on the period of  550 days (18 months) before the start of vaccination, a period of 115 days after the start of vaccination and a follow up period of about 435 days (day 116 to day 550 after vaccination was commenced). In order to investigate the incidence of a PRRSV infection, in all herds, six, 12 and 18 months after the first vaccination, serological tests were performed including 75 pigs from all ages and production groups.   The outcome of the investigation can be summarised as follows: After repeated application of Progressis® local reactions were found from day 1 post vaccination onwards, at a maximal rate of 6.9% of all sows. The alterations were mainly of minor severity and mostly disappeared completely within 1 week. The base vaccination with Progressis® leads to a light, short term increase in rectal temperature. A negative influence on the general condition was not evident. The comparison of performance indicators before the start of vaccination and the period between day 116 to day 550 resulted in a significant increase of 0.4 piglets per litter. The overall performance improvement was evidenced by an increase in number of piglets as well as a reduced sucking piglet mortality. Between week 6 and 18 months after the initiation of the vaccination with Progressis® the serological investigations in sows, gilts as well as in sucking and weaning piglets up to week 10 showed a clear trend towards a reduced number of sero-positive reagents. This can be considered as an indication of a reduced virus transmission.

Die Wirtschaftlichkeit von Sauenherden wird wesentlich von den Reproduktionsleistungen bestimmt. Die endemische Verbreitung verschiedener Erreger von Reproduktionsstörungen in der Schweinepopulation erfordert eine effektive Bekämpfung und ist daher eine wichtige tierärztliche Aufgabe. Zu den bedeutendsten infektiösen Erregern von Reproduktionsstörungen gehören das porcine reproductive and respiratory syndrome virus (PRRSV), das porcine parvovirus (PPV) und Erysipelothrix rhusiopathiae, der Erreger des Rotlauf. Die simultane Impfung ganzer Herden gegen mehrere Erreger trägt diesen Erfordernissen Rechnung.  In der vorliegenden Untersuchung wurde die lokale und systemische Verträglichkeit einer simultanen Impfung mit Progressis® gegen PRRS und Parvoruvac® gegen Parvovirose und Rotlauf in vier, mit dem PRRSV infizierten Sauenherden geprüft.    Die Untersuchung wurde als Feldversuch in einer Longitudinalstudie durchgeführt. Alle Herden waren vor Untersuchungsbeginn noch nicht gegen PRRS, aber seit längerer Zeit gegen Parvovirose/Rotlauf geimpft. Die Studienpopulation bestand aus  zwei Ferkelerzeugerbeständen (250 / 490 Sauen) und zwei kombinierten Zucht-/Mastherden (100 / 110 Sauen). Die Simultanimpfungen wurden mit den inaktivierten Impfstoffen Progressis® und Parvoruvac® (beide Merial GmbH, D-85399 Hallbergmoos) durchgeführt. Die erste Impfung mit Progressis® erfolgte simultan mit Parvoruvac®. Zum Abschluss der Grundimmunisierung gegen PRRS erfolgte nach vier Wochen eine weitere Impfung nur mit Progressis®. Die anschließenden Impfungen wurden im Abstand von sechs Monaten simultan mit beiden Impfstoffen durchgeführt. Zur Überprüfung der lokalen und systemischen Verträglichkeit der PRRS-Impfung wurde die Injektionsstelle untersucht und die Körpertemperatur gemessen. Der Einfluss der Simultanimpfung auf die Reproduktionsleistung wurde anhand der Zahl lebend- und totgeborener Ferkel sowie der Saugferkelmortalität bewertet. Aufgrund der Dynamik der PRRSV-Infektion musste auf eine gleichzeitig aufgestallte Kontrollgruppe verzichtet werden und statt dessen ein Vergleich der Reproduktionsleistungen vor und nach Beginn der PRRS-Impfung durchgeführt werden. Der Leistungsvergleich bezieht sich konkret auf einen Zeitraum von 550 Tagen (18 Monate) vor Beginn der Impfung, einem Zeitraum von 115 Tagen nach Beginn der Impfung und einem nachfolgenden Zeitraum von etwa 435 Tagen (116. bis 550. Tag nach Impfbeginn). Um das Vorkommen der PRRSV-Infektion zu verfolgen, wurden in allen Herden sechs, 12 und 18 Monate nach der ersten Impfung serologische Querschnittsuntersuchungen an 75 Schweinen aus allen Alters- und Produktionsgruppen durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchung können folgendermaßen zusammengefasst und bewertet werden: Lokale Reaktionen können bei der wiederholten Anwendung von Progressis® ab einem Tag post vaccinationem bei  maximal 6,9 % der Sauen auftreten. Die Veränderungen sind in der Mehrzahl nur geringgradig ausgeprägt und gehen meist innerhalb einer Woche vollständig zurück. Die Impfung mit Progressis® kann bei der Grundimmunisierung zu einem leichten, kurzzeitigen Anstieg der Rektaltemperatur führen. Ein negativer Einfluss auf das Allgemeinbefinden konnte dabei nicht festgestellt werden. Der Vergleich der Leistungsdaten aus dem Zeitabschnitt vor Impfbeginn mit dem Zeitraum vom 116. bis 550. Tag nach Beginn der Impfung der Sauen ergab im Mittel der Herden einen signifikanten Anstieg von 0,4 abgesetzten Ferkeln pro Wurf. Die Leistungssteigerung ergibt sich aus einem Anstieg der Wurfgröße bei gleichzeitig reduzierter Saugferkelmortalität. Die serologischen Untersuchungen an Sauen, Jungsauen sowie Saug- und Absetzferkeln bis zur zehnten Lebenswoche lassen zwischen sechs und 18 Monaten nach Beginn der Impfung mit Progressis® einen deutlichen Trend zu einem reduzierten Anteil Seroreagenten erkennen, der als Hinweis auf eine eingeschränkte Virusübertragung angesehen werden kann.

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Gass-Cofré, Annette: Untersuchungen zu Verträglichkeit und Wirksamkeit der Simultanimpfung von Sauenherden mit Progressis und Parvoruvac gegen PRRS, Parvorvirose und Rotlauf. Hannover 2007. Tierärztliche Hochschule.

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