Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Intensive Kaninchenhaltung in Deutschland

Tetens, Martina

The current study gives a comprehensive overview about intensive rabbit husbandry in Germany under scientific, legal, and practical aspects. Therefore, the scientific literature was intensively reviewed and the legal situation in Germany and Europe was outlined. Furthermore, an anonymous survey was done among commercial rabbit farmers in Germany. The scientific literature concerning rabbit husbandry is comparatively sparse and the development of knowledge is slow. The availability of basic scientific data is limited and much of the available data is obsolete. More recent studies are often dealing with aspects of animal welfare in terms of different housing methods. Hardly comparable test conditions and divergent results are complicating the interpretation of literature. The general terms concerning animal welfare that can be found in the German regulatory framework are valid for rabbit husbandry as well, but there are no special ordinances. There are several recommendations for rabbit husbandry from different organisations that are used equivalent to ordinances in some federal states of Germany, but these recommendations differ from each other and therefore lead to a different evaluation of rabbit husbandry. Within the scope of the survey data from 21 rabbit farms in Germany were collected and interpreted. The farmers had to fill in a form with 69 questions covering all relevant themes concerning rabbit husbandry. On the majority of these farms rabbit husbandry is only an additional income. The rabbits are mainly kept in cages under intensive conditions and an intensive reproduction management with artificial insemination is applied. There is an observable trend to separate reproduction and meat production from each other on different farms. The most common problems relevant to animal welfare are related to reproduction, disorders arising from faulty equipments and conduct disorders. This extensively matches the scientific literature. The intensity of management often lags behind the intensity of housing. Despite cramped confines and housing conditions which are not appropriate to the species, the performance level is quite high. This is probably due to a high genetic potential. This overview shows that considerable efforts have to be made by production managers in intensive rabbit husbandry, agricultural scientists, veterinarians, public authorities and law to optimise the production of rabbit meat and to make more consumers accessable to this dietary valuable meat. This requires an extensive amount of research.

Die Arbeit gibt erstmals einen umfassenden Überblick über die intensive Kaninchenhaltung in Deutschland aus wissenschaftlicher, rechtlicher und praktischer Sicht. Zu diesem Zweck erfolgte neben der umfassenden Aufarbeitung der aktuellen wissenschaftlichen Literatur sowie der in Deutschland und Europa geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen eine Fragebogenerhebung unter kommerziell wirtschaftenden Kaninchenhaltern in Deutschland. Die wissenschaftliche Literatur zur Kaninchenhaltung ist vergleichsweise überschaubar und der Wissenszuwachs vollzieht sich langsam. Grundlegende, wissenschaftlich untermauerte Daten sind nur begrenzt verfügbar und häufig veraltet. Aktuellere Arbeiten befassen sich unter anderem mit tierschutzrelevanten Fragestellungen hinsichtlich verschiedener Haltungssysteme. Häufig kaum vergleichbare Versuchsbedingungen und teilweise stark differierende Ergebnisse erschweren jedoch die Interpretation der Literatur. Die allgemeinen Bestimmungen des deutschen Tierschutzgesetzes und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sind auch auf die intensive Kaninchenhaltung anzuwenden, spezielle Regelungen existieren jedoch nicht. Von einigen Bundesländern werden darüber hinaus bestehende Empfehlungen verschiedener Organisationen hinsichtlich einer tiergerechten Haltung mit Erlasscharakter verwendet. Die Empfehlungen variieren jedoch stark in ihren Aussagen und sind als unterschiedlich stringent zu bezeichnen, was zu unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen führt. Im Rahmen einer anonymen Fragebogenerhebung konnten Daten aus 21 Betrieben mit intensiver Kaninchenhaltung erhoben und ausgewertet werden. Dabei wurden alle relevanten Themenkomplexe durch insgesamt 69 Fragen abgedeckt. Es zeigte sich, dass in der Mehrzahl der Betriebe die Kaninchenhaltung nicht im Vollerwerb betrieben wird. Die Tiere werden vornehmlich unter intensiven Bedingungen in Käfigen gehalten und es findet ein intensives Reproduktionsmanagement mit instrumenteller Samenübertragung statt. Eine Tendenz zur Trennung von Mast- und Reproduktionsbetrieben ist erkennbar. Die häufigsten tierschutzrelevanten Probleme stehen im Zusammenhang mit Reproduktion, Technopathien und Verhaltensstörungen. Dies deckt sich weitgehend mit den Literaturangaben. Die Intensität des Managements bleibt oft hinter der Intensität der Haltung zurück. Trotz oft beengter und nicht tierartgerechter Unterbringung ist das Leistungsniveau der Kaninchen dennoch sehr hoch, was vermutlich auf ein hohes genetisches determiniertes Leistungspotential zurückzuführen ist. Diese Übersicht zeigt, dass noch erhebliche gemeinsame Anstrengungen von Haltern, Agrarwissenschaftlern, Tierärzten, Behörden und Gesetzgebern notwendig sind, um die Kaninchenfleischproduktion zu optimieren und das diätetisch wertvolle Kaninchenfleisch einem größeren Verbraucherkreis zugänglich zu machen. Diesbezüglich ist auch ein erheblicher Forschungsbedarf vorhanden.

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Tetens, Martina: Intensive Kaninchenhaltung in Deutschland. Hannover 2007. Tierärztliche Hochschule.

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