Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Einfluss einer Prostaglandin F2α-Applikation im Frühpuerperium auf die Fruchtbarkeit des Rindes einschließlich Wirtschaftlichkeitsprüfung

Brüggemeier, Levke

It was the aim of this study to investigate the influence of a single or double prostaglandin F2α-injection (Preloban®) during the early postpartum (p.p.) period on the course of puerperium and fertility in dairy cows. 735 cows from a dairy farm in Saxony, Germany, were divided into three groups. Animals of Group 1 (n=255) received two doses of 0.150 mg Cloprostenol (2 ml Preloban®) intramuscularly (i.m.) on Day 1 and 5 p.p.. Animals of Group 2 (n=240) received one dose of prostaglandin F2α (PGF2α) on Day 10 p.p.. Animals of Group 3 (n=240) were injected with NaCl-solution (control). The main items during clinical examinations on Days 10, 21 and 42 p.p. were uterine involution and endometritis. Blood samples for determination of progesterone concentrations were taken on Days 21, 28 and 35 to evaluate the number of cycling cows. In addition, fertility measures were calculated. In order to allow an economic evaluation of the strategic use of prostaglandin F2α during early puerperium, cost per pregnancy were calculated. The results were presented for all animals together, by age (heifers / cows), and by complications at parturition (no / all complications, retained fetal membranes / other complications than retained fetal membranes). The application of prostaglandin F2α did not have an effect on uterine involution. Within the groups, animals without complications had a better uterine involution than cows with complications. On Day 42 p.p., heifers of all groups had a statistically significantly smaller uterus than corresponding cows. With regard to endometritis (comparison of all animals), only one statistically significant difference was obtained. On Day 42 p.p., fewer cows of Group 2 (1x PGF2α) had a 3rd grade endometritis than control cows. The comparison by complications revealed temporal advantages of the hormone groups. At the end of the puerperium, cows of the hormone groups without complications had a lower frequency of endometritis than control cows without complications. Animals of Group 1 (2x PGF2α) without complications at parturition temporarily had fewer and milder endometritis cases than the corresponding animals of Group 2 and 3. Within groups, frequency and degree of endometritis were consistently lower in cows without complications than in animals with complications. At each puerperal check-up, cows had better results than the corresponding heifers. In the prostaglandin treatment groups, the frequency of cycling animals 3 weeks p.p. was statistically significantly higher than in the control group. There were no group differences with regard to the incidence of cows not inseminated on Day 80 p.p., diseases, culling rates and body condition score. Fertility measures did not differ between groups. The comparison by complications revealed some advantages of the hormone groups. Group 1 (2x PGF2α) without complications had a statistically significantly higher first service pregnancy rate than the other groups. Cows of Group 2 (1x PGF2α) with complications had a statistically significantly higher first service conception rate, a higher overall conception rate and a lower pregnancy index than cows of Groups 1 and 3. Within the groups, animals without complications mostly had advantages compared with the animals with complications. Cost per pregnancy were slightly higher in the control group (292.86 €) than in the hormone groups (275.69 € and 272.21 €). The main reason for the higher cost were the replacement cost. In all groups, cost of days open beyond 85 days p.p. and replacement cost for cows culled due to infertility contributed to 74-80 % of the cost per pregnancy.  The results of this trial suggest that the general application of prostaglandin F2α during the early postpartum period in dairy cows might not be recommendable.

Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, welchen Einfluss eine ein- bzw. zweimalige frühpuerperale Applikation von Prostaglandin F2α (Preloban®) auf den Verlauf des Puerperiums und auf die Fruchtbarkeit einer Milchviehherde hat. Dazu wurden 735 Tiere eines milcherzeugenden Betriebes in Sachsen in drei Gruppen eingeteilt. Die Tiere der Versuchsgruppe 1 (n=255) erhielten zweimal (Tag 1 und 5 p.p.) je 0,150 mg Cloprostenol i.m. (2 ml Preloban®). Tiere der Versuchsgruppe 2 (n=240) erhielten einmal (Tag 10 p.p.) Prostaglandin F2α (PGF2α). Die Tiere der Kontrollgruppe (n=240) bekamen entsprechend NaCl-Injektionen. An den Tagen 10, 21 und 42 p.p. wurden puerperale Verlaufsuntersuchungen durchgeführt, wobei besonderer Augenmerk auf Uterusrückbildung und Endometritishäufigkeit gelegt wurde. Um das Wiedereinsetzen des Zyklus zu überprüfen, wurden an den Tagen 21, 28 und 35 p.p. Blutproben zur Progesteronbestimmung entnommen. Die errechneten Fruchtbarkeitsparameter dienten dem Vergleich zwischen den beiden Versuchsgruppen und der Kontrollgruppe. Durch Dokumentation der  Erkrankungen, Abgangsraten und Behandlungskosten wurde die Wirtschaftlichkeit einer generellen Behandlungsstrategie mit PGF2α im Frühpuerperium überprüft. Dazu wurden die Kosten pro Trächtigkeit bestimmt. Die Ergebnisse wurden für alle Tiere gemeinsam, sowie nach Laktationsnummern (Färsen / Kühe) und nach Geburtskomplikationen (keine / alle Komplikationen, Nachgeburtsverhaltung / andere Komplikationen als Nachgeburtsverhaltung) ausgewertet. Durch Prostaglandin F2α konnte kein signifikanter Einfluss auf die Uterusinvolution festgestellt werden. Im Verlauf des Puerperiums hatten Tiere ohne peripartale Komplikationen eine besser zurückgebildete Gebärmutter als Tiere mit Komplikationen derselben Gruppe. Am 42. Tag p.p. hatten die Färsen aller Gruppen eine signifikant kleinere Gebärmutter als die entsprechenden Kühe. Beim Endometritisvergleich aller Tiere gab es nur einen signifikanten Unterschied. Am 42. Tag p.p. hatten weniger Tiere der Gruppe 2 (1x PGF2α) eine Endometritis 3. Grades als Tiere der Kontrollgruppe. Der Vergleich nach Komplikationen zeigte temporäre Vorteile der Hormongruppen. Tiere der Hormongruppen ohne Komplikationen hatten zum Ende des Puerperiums signifikant weniger Gebärmutterentzündungen als Tiere der Kontrollgruppe ohne Komplikationen. Tiere mit Geburtskomplikationen der Gruppe 1 (2x PGF2α) hatten vorübergehend weniger und mildere Endometritiden als die Tiere mit Komplikationen der Gruppen 2 und 3. Innerhalb der Gruppen hatten Tiere ohne Komplikationen durchgehend signifikant weniger und mildere Endometritiden als Tiere mit Komplikationen. Die Kühe schnitten bei jeder Untersuchung besser ab als die entsprechenden Färsen. In den Prostaglandingruppen waren 21 Tage p.p. signifikant mehr Tiere zyklisch als in der Kontrollgruppe. Bei den Häufigkeiten der Sterilitätskontrollen am 80. Tag p.p., Erkrankungen und Abgängen, sowie bei der Körperkondition traten keine signifikanten Gruppenunterschiede auf. Der Gruppenvergleich der Fruchtbarkeitskennzahlen ergab keinen signifikanten Unterschied. Der Vergleich nach Komplikationen ergab zum Teil Vorteile der Hormongruppen. Gruppe 1 (2x PGF2α) ohne Komplikationen hatte einen signifikant höheren Erstbesamungserfolg als die anderen Gruppen. Tiere der Gruppe 2 (1x PGF2α) mit Komplikationen zeigten eine signifikant kürzere Verzögerungszeit, einen höheren Erstbesamungserfolg, eine höhere Konzeptionsrate und einen niedrigeren Trächtigkeitsindex als Tiere der Gruppen 1 und 3. Innerhalb der Gruppen hatten die Tiere ohne Komplikationen meist Vorteile gegenüber den Tieren mit Komplikationen. Bei der Gegenüberstellung der Kosten pro Trächtigkeit schnitten die Kontrolltiere (292,86 €) etwas schlechter ab als die Tiere der Hormongruppen (275,69 € und 272,21 €). Hauptursache waren die höheren Remontierungskosten. In allen Gruppen machten die Güsttage über 85 Tage zusammen mit den Remontierungskosten 74-80 % der Unkosten aus. Aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchung kann der strategische Einsatz von Prostaglandin F2α im Frühpuerperium zur Verbesserung der Herdenfruchtbarkeit nicht empfohlen werden.

Zitieren

Zitierform:

Brüggemeier, Levke: Einfluss einer Prostaglandin F2α-Applikation im Frühpuerperium auf die Fruchtbarkeit des Rindes einschließlich Wirtschaftlichkeitsprüfung. Hannover 2007. Tierärztliche Hochschule.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export