Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchung zu Ovarialzysten beim Rind: Entstehungszeitpunkt und Beziehung zur Milchleistung und Gesundheit

Prasse, Margret Elisabeth

It was the aim of this study to examine risk factors for the development of ovarian cysts (OC) such as milk yield, certain diseases, age and body condition loss. In addition, the effect of ovarian cysts on reproductive performance in dairy cows, especially in connection with therapeutic measures was analysed. Furthermore, relationships between stage of lactation at OC diagnosis and risk factors as well as reproductive performance were studied. In this retrospective field study, data obtained over a period of 15 years from 16 different herds which participated in the herd health program (14- or 28-days-intervals) offered by the Production Medicine Unit of the Clinic for Cattle of the University Medicine Hannover were used. The data included age, reproductive measure, milk yield, body condition and certain diseases. The experimental animals (with OC, n=787) were matched to control cows (without OC, n=787) of the same respective herd, with the same age and calving season. The following results were obtained: 1. The herd incidence of the OC was 15.0% ±8.5), 73.3% follicular cyst and 26.7% luteinized cysts. 220 of the OC were diagnosed within 42 days postpartum, 567 ovarian cysts beyond 42 days postpartum. 2. Cows with OC had a higher 305-d-milk performance (9116 kg ±1870 kg) and a higher milk yield in the first 4 milk-yield-recordings compared with control animals without ovarian cysts (8553 kg ±1699 kg). 3. Cows with OC more often had endometritis (20.7% vs. 11.7%), genital infections (5.5% vs. 2.9%), subclinical ketosis (26.7% vs. 21.2%) and mastitis (32.3% vs. 22.2%) than control animals without ovarian cysts. Cows with ovarian cysts diagnosed after the puerperium had a higher rate of genital infections than cows with ovarian cysts found within the puerperium (6.7% vs. 2.7%). 4. Relapses of ovarian cysts occurred more frequently in cows with OC diagnosis within than beyond 42 days postpartum (17.7% vs. 11.8%). 5. Over all, cows with ovarian cysts had inferior reproductive performance than cows without. Especially animals with ovarian cysts diagnosed after 42 d postpartum revealed a decreased reproductive performance compared with cows with ovarian cysts within the puerperium. 6. Fifty-nine% of follicular cysts and 53% of luteinized cysts were left untreated at the first time of diagnosis. Twenty-seven% of follicular cysts were treated with gonadotropin releasing hormone and 41% of luteinized cysts with prostaglandin F2α. Considering the disappearance of the ovarian cyst as well resumption of cyclicity, there were no significant differences between the treated and untreated cows, particularly with regards to the time of diagnosis of the ovarian cyst. 7. Treatment of ovarian cysts had a positive effect on fertility measures, but only when the ovarian cyst was diagnosed within the first 42 days postpartum. Treated cows with OC diagnosed after the puerperium had an impaired reproductive performance compared with untreated cows. 8. Regardless of time of OC diagnosis, OC were found more often in cows with more than two lactations (56.4%) than in cows with one (18.2%) or two lactations (25.4%). 9. Ovarian cysts were diagnosed more often in those cows that calved in autumn (30.0%, September to November) compared with cows that calved in one of the other seasons  (24.9% in spring, 24.3% in summer, 20.8% in winter). 10. Cows with OC more often had a BCS loss over 0.25 points from the dry period to the first examination postpartum compared with cows without OC (64.6% vs. 50.9%). 11. Cows with OC more often had twin births at the preceding and following calving (3.9% and 8.1%) compared with cows without OC (1.3% and 3.8%). There was no association between treatment of OC and a twin birth in the following lactation. 12. The culling rate and culling reasons did not differ between cows with OC and the control cows. 13. In summary, cows with ovarian cysts had a higher milk yield, a higher incidence for certain diseases and a decreased reproductive performance than cows without OC. As to the latter, especially cows with ovarian cysts diagnosed after the puerperium were affected.

Ziel dieser Arbeit war es, bestimmte Risikofaktoren wie Milchleistung, bestimmte Erkrankungen, Alter der Tiere und Körperkonditionsverlust für die Entstehung von Ovarialzysten (OZ) zu erforschen. Ebenso sollten die Auswirkungen der Ovarialzysten auf die Fruchtbarkeit der Milchkuh v.a. im Zusammenhang mit einer entsprechenden Therapie ermittelt werden. Als ein weiterer Schwerpunkt wurden Beziehungen zwischen Diagnosezeitpunkt der Ovarialzysten und Risikofaktoren sowie Fruchtbarkeitsparameter untersucht. Für die vorliegende retrospektive Fall-Kontroll-Studie wurden Daten von 16 verschiedenen Milchviehbetrieben über einen Zeitraum von 15 Jahren ausgewertet, die an einer regelmässigen Bestandsbetreuung (14-tägiger bzw. auch 28-tägiges Besuchsintervall) durch den Arbeitsbereich Bestands\-tiermedizin der Klinik für Rinder der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover teilnahmen. Hierbei wurden das Alter, Fruchtbarkeitskennzahlen, Milchleistung, BCS und Erkrankungen der Tiere festgehalten. Jedem Tier mit Ovarialzystendiagnose (n=787) wurde ein Referenztier aus demselben Betrieb mit gleicher Laktationsnummer und Abkalbung zur selben Jahreszeit im selben Jahr zugeordnet. Folgende Ergebnisse wurden erzielt: 1. Die Betriebsinzidenz der OZ, die zu 73,3% als Follikel-Theka-Zysten und zu 26,7% als Follikel-Lutein-Zysten diagnostiziert wurden, lag bei 15,0% (±8,5). Bei 220 Tieren wurde die OZ innerhalb und bei 567 Tieren außerhalb des Gesamtpuerperiums diagnostiziert. 2. Die Milchleistung war sowohl als 305-d-ML (9116 kg ±1870 kg) als auch in den ersten 4 Milchleistungsprüfungen bei den Tieren mit OZ signifikant höher als bei den Tieren ohne OZ (8553 kg ±1699 kg). 3. Kühe mit OZ hatten signifikant häufiger Endometritiden (20,7% vs. 11,7%), Genitalkatarrhe (5,5% vs. 2,9%), subklinische Ketosen (26,7% vs. 21,2%) und Mastitiden (32,3% vs. 22,2%) als diejenigen ohne OZ. Die Frequenz von Genitalkatarrhen war bei den Tieren mit außerhalb des Puerperiums diagnostizierten OZ häufiger als bei Tieren mit innerhalb des Puerperiums diagnostizierten OZ (6,7% vs. 2,7%). 4. Eine Rezidivbildung kam häufiger bei den Tieren vor, die innerhalb statt außerhalb des Puerperiums eine OZ entwickelten (17,7% vs. 11,8%). 5. Grundsätzlich wurden bei allen Tieren mit OZ schlechtere Fruchtbarkeitskennzahlen ermittelt als bei den Tieren ohne OZ. Zusätzlich zeigten die Kühe mit einer Ovarialzystendiagnose außerhalb statt innerhalb des Puerperiums schlechtere Fruchtbarkeitsparameter. 6. Sowohl bei den Follikel-Theka-Zysten (58,7%) als auch bei den Follikel-Lutein-Zysten (53,1%) wurde am häufigsten bei Erstdiagnose keine Therapie eingeleitet. Zweithäufigste Therapie war bei den Follikel-Theka-Zysten die Behandlung mit Gonadotropin Releasing Hormon (27,1%) und bei den Follikel-Lutein-Zysten die Behandlung mit Prostoglandin F2α (41,2%). Die Therapiewahl zeigte keinen signifikanten Einfluss im Hinblick auf den Erfolg (Rückbildung der OZ, einsetzende Zyklusaktivität), ebenso wenig der Entstehungszeitpunkt der OZ. 7. Ein positiver Einfluss einer Behandlung der OZ auf die Fruchtbarkeitskennzahlen war nur bei den Tieren zu erkennen, deren OZ innerhalb des Puerperiums diagnostiziert und behandelt wurden. Bei den außerhalb des Puerperiums gebildeten OZ zeigten die unbehandelten Tiere bessere Fruchtbarkeitsparameter als die behandelten. 8. Unabhängig vom Entstehungszeitpunkt traten die OZ häufiger bei Tieren mit mehr als 2 Laktationen auf (56,4% (> 2) vs. 18,2% (1.) und 25,4% (2.)). 9. OZ fanden sich vermehrt bei den Tieren, die im Herbst (September bis November) abkalbten im Vergleich zu den Tieren, die in den anderen Jahreszeiten ihre Abkalbung hatten. 10. Die Tiere mit OZ hatten signifikant häufiger einen Körperkonditionsverlust vom Trockenstehen bis zur ersten Puerperalkontrolle von über 0,25 Indexpunkten im Vergleich zu den Tieren ohne OZ (64,6% vs. 50,9%). 11. Tiere mit OZ hatten signifikant häufiger Zwillingsgeburten als Tiere ohne OZ (3,9% vs. 1,3%). Ausserdem hatten Kühe mit OZ in der Folgeabkalbung häufiger Zwillingsgeburten als diejenigen ohne OZ (8,1% vs. 3,8%). Eine Behandlung der OZ hatte dagegen keinen signifikanten Einfluss auf die Entstehung von Zwillingsgeburten. 12. Die Häufigkeiten der Abgänge sowie die Abgangsgründe wiesen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Tieren mit und ohne OZ auf. 13. Insgesamt hatten Kühe mit Ovarialzysten im Vergleich zu denen ohne Ovarialzysten eine höhere Milchleistung, eine höhere Inzidenz für bestimmte Erkrankungen und schlechtere Fruchtbarkeitskennzahlen, und hier insbesondere bei Ovarialzystendiagnosen außerhalb des Puerperiums.

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Prasse, Margret Elisabeth: Untersuchung zu Ovarialzysten beim Rind: Entstehungszeitpunkt und Beziehung zur Milchleistung und Gesundheit. Hannover 2007. Tierärztliche Hochschule.

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