Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchung zur Elektrobetäubung von Regenbogenforellen (Oncorrhynchus mykiss)

Reimers, Uta

The continuously increasing demand for consumption fish will be primarily covered by aquaculture. Therefore high standards for husbandry, slaughter and processing must be fulfilled. They should be as cheap, as time extensive and as labour extensive as possible and should not impair the carcass. However, also animal health, environmental protection and animal welfare considerations have become increasingly important in the fisheries sector during the last few years. Stunning of fish in the course of slaughter should be quick, safe, and cause as little stress as possible and lead to loss of consciousness long enough to be able to fulfil animal welfare regulations. In the present study it was examined if electric stunning fulfils both economic as well as animal welfare aspects. Electroencephalograms (EEGs) were taken of trout upon visually evoked reactions (VERs) to be able to judge their state of consciousness after stunning. Simultaneously, the behaviour of these fish was observed to compare this with the results of the EEGs. Based on these criteria electric stunning was examined with different parameters. These parameters were, type of current, current density, duration of stunning, position of the electrode plates and frequency. Furthermore, haematological stress parameters were examined and the carcass was macroscopically examined. The present study shows that electric stunning is a cost effective, labour extensive, time extensive and, with the use of a low voltage (50V) a for the user safe method of stunning, which invokes a secure and long lasting loss of consciousness with both directed and alternating current. Fish are stunned after electric current when respiratory movements and the eye roll reflex can no longer be observed. Other behavioural differences such as body tremors or muscle contractions do not allow for conclusions about the ability to observe impulses. With an adequate current density of at least 0.1 A/dm², a stunning time of 30 seconds is long enough to put trout in a state of loss of perception and sensation. If this current density is not reached a stunning time of 60 seconds is necessary for a secure stunning success. Percussion (blow to the head) is said to be a fast, secure and relatively stress free stunning method for trout. Based on cortisol and sodium values, it could be assessed that electrical stunning is associated with even less stress as a blow on the head. The trout always had lower cortisol and higher sodium values after electric stunning as after percussion. The shorter stunning time of 30 seconds has a positive effect on the stress sensation of trout. Trout which were stunned for 30 seconds had significantly lower cortisol values as those trout who had been stunned for 60 seconds. Higher frequencies of 100 or 1000 Hz also have a positive effect on the stress sensation of trout. A further effect of the electric stunning is higher lactate values as by percussion. However, these do not lead to lower pH-values in filet and also not to a stronger pH-decline during storage of carcass. Electric stunning can lead to adverse effects in the form of haemorrhages in spinal cord and filet as was confirmed by the macroscopic examination of the carcass and especially of the filet. The electrode plates should be positioned at the head/tail side to minimise the development of haemorrhages in the filet. When using alternating current haemorrhages in spinal cord can be minimised by using a stunning time of 60 seconds. Electric stunning of trout can be considered equal to or even better as percussion, with regard to animal welfare. However, based on the haemorrhages in spinal cord and filet, the quality of the carcass seems to be negatively affected. Further examinations are necessary in order to be able to make more precise conclusions about filet quality and effects of electric stunning on for example taste, processing quality or the storability of the carcass.

Die stetig ansteigende Nachfrage nach Fisch als Nahrungsmittel kann künftig nur noch von der Aquakultur abgedeckt werden. Dies hat zur Folge, dass hohe Anforderungen an die Haltung, Schlachtung und Verarbeitung gestellt werden. Die Fische sollen möglichst kostengünstig, wenig zeit- und arbeitsintensiv aufgezogen und verarbeitet werden und angewendete Verfahren sollen möglichst nicht zur Beeinträchtigung des Schlachtkörpers führen. Doch auch Tiergesundheit, Umweltschutz und Gesichtspunkte des Tierschutzes haben in den letzten Jahren im Fischereiwesen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Betäubung von Fischen im Zuge des Schlachtprozesses soll schnell, sicher, möglichst stressarm und somit tierschutzgerecht zu einem ausreichend lang anhaltenden Verlust der Reizwahrnehmung führen, so dass die Schlachtung während der Phase der Unempfindlichkeit gegenüber Reizen ausgeführt werden kann. In der vorliegenden Studie wurde geprüft, ob die Elektrobetäubung sowohl die Anforderungen des Tierschutzes als auch der Schlachtkörperqualität erfüllen kann. Von Forellen wurden Elektroenzephalogramme (EEGs) zur Prüfung auf visuell evozierte Reaktionen (VERs) abgenommen, um ihre Reizwahrnehmung nach erfolgter Elektrobetäubung zu beurteilen. Gleichzeitig wurde das Verhalten der Fische nach erfolgter Betäubung beobachtet, um dieses mit den Ergebnissen der EEG-Abnahme zu vergleichen. Anhand dieser Kriterien wurde die Elektrobetäubung unter verschiedenen Parametern wie Stromart, Stromdichte, Betäubungszeit, Position der Elektrodenplatten und Frequenzeinstellung untersucht. Weiterhin wurden hämatologische Stressparameter herangezogen und der Schlachtkörper makroskopisch beurteilt. Die Studie hat ergeben, dass die Elektrobetäubung eine kostengünstige, wenig arbeits- und zeitintensive und durch die Verwendung von Niedrigspannung (50 V) eine für den Anwender sichere Betäubungsmethode darstellt, die sowohl mit pulsierendem Strom als auch mit Wechselstrom einen sicheren und lang anhaltenden Verlust der Reizwahrnehmung bei Forellen hervorruft. Die Fische sind nach Einwirkung von elektrischem Strom betäubt, wenn die Atembewegungen und der Augendrehreflex nicht mehr erkennbar sind. Andere Verhaltensäußerungen wie Körperzittern oder Muskelkontraktionen erlauben keine Rückschlüsse auf die Fähigkeit, Reize wahrzunehmen. Bei ausreichender Stromdichte von mindestens 0,1 A/dm² reicht eine Betäubungszeit von 30 Sekunden aus, um Forellen ausreichend lange in einen Zustand der Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit zu versetzen. Wird diese Stromstärke nicht erreicht, ist eine Betäubungszeit von 60 Sekunden für einen sicheren Betäubungserfolg notwendig. Die Perkussion gilt als schnelle, sichere und relativ stressarme Betäubungsmethode für Forellen. Anhand von Cortisol- und Natriumwerten konnte festgestellt werden, dass die Elektrobetäubung mit geringerer Stressbelastung verbunden ist als das Abschlagen. Die Forellen wiesen stets niedrigere Cortisol- und höhere Natriumwerte nach Elektrobetäubung auf als nach Perkussion. Die kürzere Betäubungszeit von 30 Sekunden vermindert die Stressbelastung der Forellen. Forellen, die 30 Sekunden betäubt wurden, wiesen signifikant niedrigere Cortisolwerte auf als die Forellen, die 60 Sekunden betäubt wurden. Höhere Frequenzeinstellungen von 100 oder 1000 Hz mindern ebenfalls den Stress für die Forellen. Unter Elektrobetäubung wurden höhere Laktatwerte im Blut beobachtet als bei der Perkussion. Diese führen jedoch nicht zu niedrigeren pH-Werten im Filet und nicht zu einem stärkeren pH-Abfall während der Lagerung der Schlachtkörper. Hinsichtlich der makroskopischen Beurteilung der Schlachtkörper und insbesondere der Filets kann es durch die Elektrobetäubung in Form von Wirbelsäulen- und Filetblutungen zur Beeinträchtigung kommen. Um die Ausbildung von Filetblutungen so gering wie möglich zu halten, sollten die Elektrodenplatten an der Kopf/Schwanz-Seite positioniert werden. Wirbelsäulenblutungen können bei der Verwendung von Wechselstrom durch eine Betäubungszeit von 60 Sekunden minimiert werden. Die Elektrobetäubung von Forellen ist hinsichtlich des Tierschutzes also mindestens gleichwertig oder sogar besser als die Perkussion zu beurteilen. Die Qualität des Schlachtkörpers erscheint bei rein makroskopischer Beurteilung aufgrund der Filetblutungen und Wirbelsäulenblutungen allerdings vermindert. Künftige Untersuchungen sollten die Auswirkungen der Elektrobetäubung auch auf Geschmack, Verarbeitungsqualität und Haltbarkeit besonders der Filetstücke einschließen.

Quote

Citation style:

Reimers, Uta: Untersuchung zur Elektrobetäubung von Regenbogenforellen (Oncorrhynchus mykiss). Hannover 2008. Tierärztliche Hochschule.

Rights

Use and reproduction:
All rights reserved

Export