Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Morphologische und radiologische Darstellung der Lymphgefäße und Bedeutung der manuellen Lymphdrainage im Bereich der Beugesehnen des Pferdes

Helling, Tanja

The first goal of this study was to evaluate the lymphatic vasculature in normal digital flexor tendons of horses. In addition, we aimed to test the indirect depot-tendon-lymphangiography (DTL) for its usefulness to identify lymphatic vessels in equine digital flexor tendons. In a second step DTL was used to evaluate the effectiveness of manual lymphatic drainage to accelerate lymphatic drainage from the digital flexor tendons of horses. 36 limbs of 9 horses without abnormal clinical findings were used. Horses were of mixed breeds, gender and ages (6 mares, 3 geldings; mean age 17,3 +/- 11,5 years). In addition, 2 horses with 6 swollen limbs were examined. DTL was performed in the standing sedated horse. Two milliliters of a radiographic contrast medium were injected into the superficial or deep digital flexor tendons. Radiographs were taken in predetermined time intervals. The following day the same procedure was repeated on the contralateral limbs while manual lymphatic drainage was performed and the results were compared to those of the previous day. Post mortem samples were used for histological evaluation. Results The equine digital flexor tendons had a high density of lymphatic vessels when compared to their blood vessel density and in comparison to the lymphatic vessel density of human skin. Blood capillaries were found reaching only into the peritendineum internum between the secondary bundles, while lymphatic capillaries were found to reach into the endotendineum in between the primary bundles of the tendon. Initial lymphatic vessels (lymph capillaries and precollector vessels) formed a mesh system in the peritendineum internum and externum. Lymphatic vessel density increased from the center towards the periphery of the tendon. Lymphatic collectors were found only in the peritendineum externum and formed a characteristic rectangular network. Between 3 and 5 lymphatic collectors accompanied 1 artery and 1-2 veins. Lymphatic collectors running at a 90-degree angle to the tendon fibers connected to the efferent lymphatic collectors of the tendon and these led to the deep lymphatic system of the limb. The indirect depot-tendon-lymphangiography (DTL) was a useful method to identify and quantify the lymphatic vessels draining of equine digital flexor tendons. Deep collectors were moderately to highly filled in 82,2% of limbs and demonstrated a high rate of lymph generation in the digital flexor tendons. DTL was able to identify between 1 and 5 deep lymphatic collectors (mean 2,9 +/- 0,9 collectors). The number of collectors identified tended to correlate with the effectiveness of lymphatic drainage. An increase in the number of collectors tended to correlate with a faster removal of contrast medium from the tendon (p = 0,217). An increase of age tended to decrease the rate of lymphatic drainage (p = 0,096), but the number of collectors identified did not differ between age groups. In the limbs of the 3 warmblood horses used in this study significantly more collectors were identified than in the 3 ponies (p = 0,024) and in the 3 remaining horses of different breeds (p = 0,006). The contrast medium deposited in the limbs of the warmblood horses tended to be removed faster than in the 3 ponies (p = 0,131) and was removed significantly faster than in the 3 horses of other breeds (p = 0,043). The 6 swollen limbs examined tended to have a lower number of lymphatic collectors than the normal limbs (p = 0,140). This study could not establish values for lymphatic collectors useful to differentiate between lymph vessel rich and lymph vessel poor types of horses due to the low number of horses examined.

Das Ziel der vorliegenden Dissertation bestand in der morphologischen Darstellung der lymphvaskulären Verhältnisse klinisch gesunder Beugesehnen des Pferdes und in der Etablierung der indirekten Depot-Sehnen-Lymphangiographie (DSL) als neue in vivo Methode zur röntgenologischen Kontrastierung der Lymphgefäße equiner Beugesehnen. Mit der DSL sollte die Effektivität der manuellen Lymphdrainage (ML) zur Aktivierung des Lymphabflusses aus den Beugesehnen des Pferdes überprüft werden. Es wurden 36 klinisch unauffällige Gliedmaßen von 9 Pferden verschiedener Rassen und Altersstufen (6 Stuten, 3 Wallache, Altersdurchschnitt 17,3 +/- 11,5) untersucht. Zusätzliche Untersuchungen erfolgten an 2 Pferden, welche Umfangsvermehrungen an 4 bzw. 2 Gliedmaßen zeigten. Die DSL wurde am stehenden, sedierten Pferd durchgeführt. 2 ml Röntgenkontrastmittel Solutrast® wurden intratendinös in die oberflächliche oder tiefe Beugesehne einer Körperseite injiziert. Die Röntgenaufnahmen erfolgten nach definierten Zeitabständen. Am nächsten Tag wurde die DSL der kontralateralen Körperseite in Kombination mit der manuellen Lymphdrainage (ML) durchgeführt. Die Entleerungszeit der Kollektoren und die Abtransportzeit des Röntgenkontrastmittels wurde mit den Ergebnissen der am Vortag untersuchten Körperseite verglichen. Post mortem wurden Proben zur histologischen Untersuchung gewonnen. Die Ergebnisse werden folgendermaßen zusammengefasst: Die Sehne zeichnet sich durch eine hohe Lymphgefäßdichte im Verhältnis zu ihrer Blutgefäßanzahl und im Vergleich mit der Lymphgefäßdichte der Haut des Menschen aus. Während die Blutkapillaren nur im Peritendineum internum zwischen den Sekundärbündeln zu finden sind, reichen die Ausläufer der Lymphkapillaren bis in das Endotendineum zwischen die Primärbündel der Sehne. Initiale Lymphgefäße befinden sich als integriertes Netzsystem aus Lymphkapillaren und Präkollektoren im Peritendineum internum und externum. Die Lymphgefäßdichte nimmt vom Zentrum zur Peripherie der Sehne zu. Kollektoren existieren nur im Peritendineum externum und bilden dort ein für die Sehne charakteristisches rechteckiges Maschensystem. 3 bis 5 Lymphkollektoren flankieren 1 Arterie mit 1 - 2 Begleitvenen. Die quer zur Sehne verlaufenden Kollektoren im Peritendineum externum gehen in die efferenten Kollektoren der Sehne über, die in die Kollektoren des tiefen Lymphgefäßsystems einmünden. Die indirekte Depot-Sehnen-Lymphangiographie (DSL) eignet sich zur röntgenologischen Darstellung und Quantifizierung der individuellen lymphvaskulären Abflusswege der equinen Beugesehnen. Das Füllungsbild der tiefen Kollektoren zeigt zu 82,2% mittel- und hochgradig gefüllte Kollektoren als Zeichen der hohen Lymphbildungsrate der Beugesehnen. Mit der DSL kommen 1 bis 5 Kollektoren des tiefen Systems zur Darstellung. Die durchschnittliche Kollektorenanzahl der klinisch gesunden Gliedmaßen liegt bei 2,9 +/- 0,9. Die Kollektorenanzahl korreliert tendenziell mit der Lymphdrainageleistung: Es zeigt sich ein Trend (p = 0,217), dass eine Zunahme der Kollektorenanzahl zu einem schnelleren Abtransport des Röntgenkontrastmitteldepots führt. Ältere Pferde zeigen dagegen tendenziell eine Verminderung der Lymphdrainagekapazität (p = 0,096), obwohl die Kollektorenanzahl keinen signifikanten Unterschied zwischen den Altersklassen zeigt. Die 12 Gliedmaßen der 3 Warmblüter zeigen signifikant mehr Kollektoren als die Extremitäten der 3 Ponies (p = 0,024) und 3 weiterer Pferde unterschiedlicher Rassen (p = 0,006). Die Warmblüter zeigen im Vergleich mit den Ponies tendenziell einen schnelleren Abtransport des Röntgenkontrastmitteldepots (p = 0,131). Die schnellere Abtransportzeit des Kontrastmitteldepots der Warmblüter im Vergleich mit 3 weiteren Pferden unterschiedlicher Rassen entspricht einer Signifikanz (p = 0,043). Die reduzierte Kollektorenanzahl der 6 umfangsvermehrten Beine im Vergleich mit den klinisch gesunden Gliedmaßen entspricht einem Trend (p = 0,140). Eine Kollektorenanzahl als Grenze zwischen dem lymphgefäßreichen und -armen Typ konnte auf Grund der geringen Anzahl der untersuchten Pferde mit umfangsvermehrten Beinen nicht festgelegt werden. Eine Erhöhung der Lymphdrainagekapazität durch Anwendung der manuelle Lymphdrainage (ML) konnte nachgewiesen werden: Die ML beschleunigt die Entleerungszeit der Kollektoren des tiefen Systems signifikant (p = 0,012). Das Fazit dieser Studie lautet: Die lymphvaskulären Verhältnisse und die Lymphdrainageleistung klinisch gesunder Beugesehnen des Pferdes konnten charakterisiert werden. Die manuelle Lymphdrainage (ML) beschleunigt den Lymphabtransport aus den equinen Beugesehnen und könnte eine wirksame Behandlungsmethode bei Pferden mit Tendopathien darstellen.

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Helling, Tanja: Morphologische und radiologische Darstellung der Lymphgefäße und Bedeutung der manuellen Lymphdrainage im Bereich der Beugesehnen des Pferdes. Hannover 2008. Tierärztliche Hochschule.

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